Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 26 (30.6.1849)
- Date
- 1849-06-30
- Page
- Spalte 405-406 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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405 406 Studien. Zur Geschichte der Juden in Kurland. Takt Ja'bez's hervorgehoben haben. Das Vorhandensein des Altars ist in der That fast der Mittelpunkt unserer Frage, da ohne Altar und auf seiner ursprünglichen Stätte nach Sebachim 60 a2 3 4 selbst nach der Ansicht der R. Josua nicht geopfert werden durfte. —- Gegen das Dasein des Altars bemerkten wir (S. 349), daß der Neubau eines Altars an seiner fcühern Stelle zum Zwecke das Opferwesen fortzufetzen im Talmud oder in anderweitigen Geschichtsdoknmenten zur Sprache gekommen^ wäre.^ Nach der vandalffchen Zerstörung des Tempels könne aber auch von einem Verschon tbleiben des Altars nicht die Rede sein. Nach Jofefus Überlieferungen zerstörten die eindringenden von dem hartnäckigen Widerstand der Juden erbitterten Römer den ganzen Umfang des Tempels und es gliche einem Wunder, wenn der Altar, die Hauptstätte des Kultus, der verwüstenden Hand des zecstörungswüthigen Feindes entgangen sein sollte. — Hierauf sagt Herr F—l, „daß Titus noch manche Reste stehen ließ, als z. B. di e drei Lhürme und einen Theil derMauer und erst zu Hadrians Zeiten wurden die von T. stehen geraffenen Reste nach einer Empörung (l!) völlig zerstört." Aber was haben diese Lhürme mit unserer Behauptung von Der völligen Zerstörung des Tempels zu schaffen? Josefus, der (de bello Jud. L. Vlfi3 c. 1, 1) die völlige Einäscherung des Tempels berichtet, sagt gleichzeitig, daß die drei großen Lhürme Hippicus, Phasael und Marianne so wie die westliche Mauer stehen geblieben seien. Nur in Betreff der Stadt also sind die Nachrichten über die Zerstörung verschieden. Eusebius Demonstr. Evang. VI, 18 läßt die Hälfte der Stadt nach Titus weiter bestehen, aber offenbar nur um die Weissagung Zachar. 14, 2 zu erfüllen. Eben so verhält es sich mit der Relation des unzuverlässigen Kpiph. de mens, et pond. c. 14. 15 in Betreff der auf Sion angeblich zurückgebliebenen sieben Synagogen, um dadurch- Jes. 1, 8 zu deuten. Die Notiz im Midrasch Rabba von der ■rnyo bn)D ist wiederum aus Schir ha-Schirim 2, 9 reflekrirt und hat ihren historischen Hintergrund Lediglich in der angeführten Nachricht des JosefusP — (Fortsetzung folgt.) 2) nmo '-to nra i^din px nütiw tojd (Sebach. 60 a). Wer gl. das. 59 a. Tos. ad vuc. -jj; und 60 b Tos. ad voc. /ernec Sebach. 62 a. Die Zeugnisse der Propheten und Sukka 4l a'Tos. ad. 3) Der. Bau ches Altars ist umständlich und nicht ohne Umfang, vergl. Sebachim 62 a yini "NO'? tJOD? pp. Die Schwierigkeit einer solchen Restauration der mistrauischen Achtsamkeit der Römer gegenüber haben wir angedeutet. — 4) Höchst naiv äußert sich J'abez ppi 88 oder 87 über das Verfchontbleiben der Tempelstufen oder der Restauration. Der sonst so scharfsinnige und gelehrte Ja'bez' war hier nicht auf seinem Gebiet. — Historische Notizen, die Juden in Kurland betreffend. Mitgetheilt von R. I. Wunderbar. Als Nachtrag zu dessen ,,Geschichte der Juden in Kurlar-td und Zustände derselben in der kurländischen Goubernementsstadt Mitau" nn LB. d. Or. 1847, Nr. 8, 9, 10 und ll. Es Hiebt fast kein Land,.dessen vaterländische Geschichte zu allen Zeiten so mannigfach und gründlich von den verschiedensten gelehrten Historiographen bearbeitet worden ist, als Liv- und Kurland. Die Begebenheiten und Schicksale, ja selbst auch nur die unbedeutendsten Sagen aller in diesem Lande gelebt habenden Völker und Nationen, von den deutschen Kreuz- und Schlvertrittern an, bis auf die ehemaligen heidnischen Letten und nomadisirenden Zigeuner, sind bis ins kleinste Detail gesammelt und der Nachwelt erhalten worden. Die Geschichte der daselbst seit Jahrhunderten Lebenden Juden jedoch ist bis hierzu ganz und gar unberücksichtigt geblieben, und außer der von mir im LB. des Or. 1847 Nr. 8 ff. gelieferten Skizze derselben, wird deren nirgends auch nur mit einem Worte erwähnt. — Deshalb wird der freundliche Leser es mir hoffentlich gern gestatten, daß ich die ohnehin nur sehr spärlich vorhandenen, auf die Geschichte der Juden in Kurland sich beziehen-, den Materialien, welche sich mir von Zeit zu Zeit darbieten, hier nachträglich liefere, selbst wenn manche derselben vielleicht auch minder wichtig erscheinen sollten. — Laut den kurländischen Annalen vom Jahre 1749 hat die-Hasenpoth'sche Judenschaft seit dem Jahre 1723 eine geraume Zeit hindurch das Recht gehabt, von jedem Glaubensgenossen m die Stadt gebrachten Klafter Brennholz einen Zoll von 1 Fl. Alb. zu erheben, welches Geld dieselbe zur Bestreitung eines Theils ihrer Kultusausgaben verwendet hatte. Späterhin haben selbst noch bis auf gegenwärtige Zeit manche Juden, namentlich im Jakobstadt'schen Kirchspiele sogar auch die allgemeine Brau ntweinHp achtung als Privatgeschäft für eigene Rechnung bttrieden. —- Am Merkwürdigsten aber muß hier erwähnt werden, daß ein Jude eiamens Josef Rubinstein seit dem Jahre 1832 bis 1844 den gewöhnlichen allgemeinen Marktzoll vom Mitauschen Stadtmagistrate gepachtet hatte, wo derselbe von jedem Landmanne, welcher mit Gemüse, Fische u. dgl. Viktualien täglich nach Mitau zum Markt kam, einen taxationsmäßigen Zoll persönlich erhub; während welcher ganzen Zeit auch nicht ein einziges Mal irgend eine Klage wegen Mißbrauchs der Pachtung oder wegen Bedrückung der Bauern gegen denselben erhoben worden ist, obgleich er die Pachtung zufällig um ein Spottgeld erstanden und derselbe aus Brodneid daher auch sehr viele Gegner Hatte. — 26*