Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1849)
- Date
- 1849-06-16
- Page
- Seite 114 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 114 - In solcher Weise waren die religiösen Bedürfnisse eines großen Lheils der Gemeinde unberücksichtigt geblieben. Diese befanden sich daher'in der Notwendigkeit, für deren Befriedigung selbst Sorge zu tragen, und so ist die Genossenschaft für Reform im Zudenthum entstanden. Wir wollen nicht untersuchen, ob die auf diese Weise von der Betheiligung an den gottesdienstlichen Institutionen der Gemeinde zurückgewiesenen, damals vielleicht in Rücksicht auf den Lheil der Gemeinde, für welchen die alten Formen des Gottesdienstes einen religiösen Werth haben, mit mäßigen Reformen des Gottesdienstes sich begnügt haben würden, wenn ihnen nur die Berechtigung zugestanden worden wäre, sich an der Neugestaltung des religiösen Lebens in der Gemeinde überhaupt betheiligen und auf diesem Wege einen dein Geiste der Zeit wahrhaft entsprechenden Gottesdienst wenigstens für die Zukunft, anbahnen zu können. Das aber ist gewiß, daß diese Männer, als sie mit ihren religiösen BestrebWgen einmal lediglich auf sich selbst angewiesen waren, nothwendig darauf bedacht sein, mußten, ein Werk ins Leben zu rufen, das ihren religiösen Ueberzeugungen und Bedürfnissen vollkommen entsprechen und mit dem. Geiste der Gegenwart, von dem sie sich durchdrungen fühlten, in voller Uebereinstimmung sein sollte. Die von der Gemeinde zurückgewiesenen Mitglieder derselben, dursten und mußten, einmal zu einer selbstständigen Genossenschaft konstituirt, ihr Wirken für Reform im Iudenthum, ohne alle Rücksicht auf die andersdenkenden Glaubens- und Gemeindebrüder lediglich in ihrem Geiste beginnen, sortführen und vollenden. So hatte die Genossenschaft schon bei ihrer ersten Bildung die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit ihrer Wirksam-- feit auf dem religiösen Gebiet als den obersten Grundsatz ihrer Bestrebungen erkannt. Mit gleicher Entschiedenheit hat sie aber auch vom Beginn ihres Wirkens bis auf die Gegenwart den Grundsatz festgehalcen, nicht nur den Frieden mit den andersdenkenden Gliedern der Gemeinde zu wahren, sondern auch die Einheit derselben auf allen nicht unmittelbar die religiöse Ueberzeugung berührenden Gebieten aufrecht zu erhalten. Und sie ist diesem Grundsatz während der ganzen Zeit ihres Bestehens treu geblieben, ja sie hat jederzeit bekundet, daß sie für die Verwirklichung desselben sehr erhebliche Opfer zu bringen bereit ist. Die Genossenschaft hat den unzweideutigsten Beweis von dieser Gesinnung gegeben, denn während voller 3 Jahre ihres Bestehens hat sie für sammtliche religiöse Bedürfnisse ihrer Mitglieder selbstständig und aus eignen Mitteln Sorge getragen, und trotz der außerordentlich großen Opfer, welche die Erhaltung dieser religiösen Institute von ihren Mitgliedern forderte, haben dieselben nicht anfgehöct in vollkommen gleicher Weise wie die übrigen Gemeindemitglieder auch für die Erhaltung derjenigen Gemeindeinstitute beizutragen, an denen sie sich in keinerlei Weise mehr betheiligten. In demselben Sinne machten es sich auch die Mitglieder der Genossenschaft zur Pflicht, sich unermüdet der Verwaltung der schwierigsten Gemeindeämter, besonders im Gebiete des Armen- und Krankenwesens zu unterziehen, obwohl die betreffenden Institute kaum von irgend einem ihrer Mitglieder in Anspruch genommen wurden. (Fortsetzung folgt.) Deutschlands vereinigte Staaten. Aus Mahren, im Juni. Glauben Sie nicht, Herr. Redakteur, daß ich Ihnen ans Mähren ein Mährchen erzähle! Reine, strenge Wahrheit leitet meine Feder. Der L. christliche Gemeinde-Vorstand ist mit gemeinem Verstand ohne Anstand einer criminellen Untersuchung unterzogen! nicht als Falschmünzer, von dein ist jetzt gar keine Rede. Wir hatten ja keine glaubwürdigen Zeugen zusammmbringen, weil wir schon fast keine zwei ehrlichen Münzen haben. Wir haben keine Schaumünzen, nur Scheidemünzen, die aber schon geschieden sind, nicht wie eine missällige Ehefrau, d. h. vom Bett und Tische nur, sondern auch von der Bank — und wenn wir an keine Auferstehung mehr glauben, so haben wir uns von den vergrabenen todtblasscn Zwanzigern sehr wenig zu versprechen. Auch nach dem Abriß der Banknoten ist wenig zu bauen. — Doch erhielt das bedrängte Finanzverhältniß seit dem gnädigen Einmärsche des russischen 'Messias einen hohem Umlauf; dieser soll Rubel für Rebellen geben. Ich will aber zur Sache. Der besagte Vorstand ist daher so hart angektagt, weil er nicht zur Unterdrückung des im v. M. dort stattgefundenen .-Judenkrawalls energisch auftrat. Ein Syndikus meint, es wäre eine Sünde für einen einfältigen Juden, weil er nämlich feine Dreifaltigkeit hat, einen Schritt zu wagen, und was einen Bürgermeister betrifft, soll das Werk den Meister loben? doch die Plünderung fentutt von oben! — Wir gelangen auch jetzt zu der Ueberzeugung, daß je verachteter wir bei der niedern Behörde. sind, desto geschätzter sind wir bei der höhern, .und dazu verläßt nicht der himmlische Vater die Kinder der ersten Ehe , die von ihren Mitbürgern so stiesbrndertich behandelt werden, und wo die Roth am höchsten, ist Gottes Hilfe am nächsten. Uebrigens erfreuen wir uns jetzt der Ruhe, und wünschen, auch in Zukunft mit. der politischen.Ruhe, so wie mit der religiösen, Zufriedenheit; denn hinsichtlich der letztem , werden wir keineswegs dem Beispiele der Leute folgen, die mit dem Sabbat in Verlegenheit sind, da sie ihn auf den Sonntag verlegen, .und weil sie sich an dem göttlichen Ruhetage von Gesetzen und Verboten überhäuft fühlten, ist er bei ihnen, ganz vernichtet, gerade weil sie das Wunder: "Oi TIN vor Augen haben, d. h. bei ihnen im Einzeln so viel: der Allgütige hat in den Mund des lieben Sab-