Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1849)
- Date
- 1849-06-16
- Page
- Seite 113 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360580-2360605--6825-3535063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berichte, St«öi Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Manabonnirtbei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur, Herausgegeben von .5« Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturdlatt mitgerechnet, zwei Bogen, itnb zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. S 24. Leipzig, den 16. Juni Inhalt. Stellung der 'Genossenschaft für Reform im Judenthum zur jüdischen Gemeinde >in Berlin. — Deutschland's vereinigte Staaten. Aus Mähren. Untersuchung in Leipmk. Aus Mähren. Patriotismus dev Juden. Karlsruhe. Ein Aktenstück. — Erinnerungen. Von E. Lehmann. — Personalchronik und Miscellen. Paris. Paris. London. — LB. d. Or. . SteICung der Genossenschaft für Reform im Judenthum zur jüdischen Gemeinde in Berlin. Die neue Gestaltung d«r jüdischen Gemeinde in Berlin, die seit dem März in vielfachen Rcorganisationspläneu sich gezeigt, muß nothwendig auch die künftige Stellung der Genossenschaft innerhalb der Gemeinde ändern und ist dieses in der General-Versammlung vom 24. März dieses Jahres ausgesprochen worden. Um alber das Verhältniß der Genossenschaft in seiner ganzen Ausd-khnung auffassen zu können, erlaube ich mir, hier den Bericht mitzutheilen, welchen die Bevollmächtigten der Genossenschaft für Reform als Manuskript gedruckt der Oeffentlichkeit übergeben haben und worin eine aktenmäßige Darstellung der Verhältnisse und der Verhandlungen niedergelegt sind, «die seit der Begründung der Genossenschaft zwischen dieser und der Gemeinde stottgefunden haben. Da dieser Bericht übrigens für eine spätere geschichtliche Darstellung der Reform-Genossenschaft als treffliche Quelle dienen wird, so glaube ich im Interesse der Leser zu handeln, wenn ich ihn hier vollständig mittheile. Der Bericht lautet: „Wir müssen mit unserer Darstellung aus ein Ereigniß zurückgehen, das in. die Seit vor Begründung der Genossenschaft fällt, aber wesentlich dazu beigetragm hat, die Bildung derselben herbeizrisühren: auf die Wahl des dritten Rabbinatsasseffors und Predigers der hiesigen jüdischen Gemeinde. Als nämlich der Rabbiner Dr. Frankel in Dresden seine Wahl zum Oberrabbiner in hiesiger Stadt abgelehnt hatte, und der damalige Gemeinde-Vorstand statt dessen einen Prediger unter dem Titel eines dritten Rabbinatsassessors zu wählen beabsichtigte, traten 22t angesehene Mitglieder der hiesigen Gemeinde zusammen und machten in eindringlichster Weise den damaligen Vorstand darauf aufmerksam, daß die Besetzung einer so wichtigen Stelle, wenn dieselbe ohne Zuziehung der berheiligten Gemeindeglieder nach dem Judenreglement von 1750 von einigen Wenigen vorgenommen werde, nicht nur nicht dahin führen würde, die gewünschte Reform des Gottesdienstes im Sinn und im Geiste der Gemeinde ins Leben zu rufen, sondern nothwendig eine weitere und bleibende Spaltung in derselben herbeiführen müsse. Es möge daher diese Wahl entweder bis zur Erlassung eines die jüdischen Gemeindeverdältnisse ordnenden Gesetzes aufgeschoben, oder wenigstens für diesen besondern Fall eine größere Betheiligung der Gemeinde an derselben erwirkt werden. Auf dieses Gesuch antwortete der Vorstand mit einer bei der damaligen Regierung von ihr erwirkten Kabinetsordre, wonach die von ihm angeordnete Wahlform nach den Bestimmungen des Judenedikts von 1750 gebilligt und dem Resultate derselben bindende Kraft für die Gemeinde verliehen wurde. Die Wahl des Herrn Dr. Sachs fand also nach dem Willen jener 7 Männer statt, welche von 7 andern, aus dem Loose hervorgegangenen, gewählt, sich für berechtigt hielten, nach eignem Ermessen die religiösen Angelegenheiten einer Gemeinde von 7000 Seelen zu leiten« 24