Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 23 (9.6.1849)
- Date
- 1849-06-09
- Page
- Spalte 365-366 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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365 Kritiken. Friedreich, zur Bibel. setzen wollten. Wir bemerken Doch ausdrücklich/daß wir hierbei über die Grenze der Wermuthung nicht hinauSgchen. — Dr.-L. Lewysohn. Kurze Ueberfichten. 6) Zur Bibel. Naturhistorische, anthropologische und medicinische Fragmente, von I. B. Friedrich. Zwei Theile, gr« 8. J. Tb. VII und 334 S. 2. Th. »V und 215 S. Nürnberg, 1848. Verlag von Bauer u. Raspe. Angezeigt von R. I. Wunderbar in Riga. (Fortsetzung.) Es wird hier auch am Platze sein, den eigenthümlichen Ausdruck des Verfassers zu rügen, dessen er sich in Bezug auf den Talmud, — den er von der neuern, rabbinifchen und jüdischen Literatur nicht im Geringsten! abgränzt, — öfter bedient. Er nennt ' nämlich alle Schriften des Judenthums, außer der Bibel, wie Maimuni, Jore-Dea u. st w. Talmud; ja selbst dem Johlson'schen Religionsbuche traut er eine talmudische Autorität zu, was aber nicht selten nothwendig Mißverständnisse herbei führen muß. — Bei diesen Umständen hätte der Vers, im I Th. S. 140 sein ziemlich spitzfindiges Urtheil über den Talmud dahin zu fällen, daß derselbe für Alles Gründe, wenn sie auch noch so verkehrt sein sollten, anzugeben wisse, füglich unterlassen können,' da Ersterem wegen seiner Unkenntuiß des Talmuds, über denselben ein kompetentes Urtheil' zu sprechen gar nicht zukomme. — Haben wir aber bis hierzu unsere Ausstellungen bloß in Bezug ans die literarischen Verstöße, welche sich der Vers, im Verlaufe seiner Abhandlung hier und da zu Schulden kommen ließ, zu machen Gelegenheit gehabt, — die aber doch dem Herrn Verfasser insofern keincsweges als Tadel ungerechnet werden dürfen, da doch kein Mensch allwissend sein könne; und wenn wir hier die kleinen Mängel abstrahiren, so bleibt doch dem Werke dagegen eine so große Menge gediegene Gelehrsamkeit, daß erstere in Verhältnis; zu der letzteren, gar nicht in Betracht kommen kann , — so müssen wir es desto inniger bedauern, daß der geehrte Verfasser, der sich sonst im Verlaufe seiner kritischen Untersuchungen nur die Wissenschaft zum Ziele seines löblichen Strebe ns erwählt zu haben schien, sich an einer Stelle seines gedachten Werkes in seinem Eifer gegen einen Privatmann, zu einem verwerflichen Ausdrucke gegen das gesammte Judenthum hinreißen ließ, wie man es nur von einem fanatischen Judenfresser, aber nicht von einem gelehrten und sonst so hochgeachteten Manne, wie es unser Herr Verfasser ist, erwarten konnte. Er sagt nämlich ibid. S. 74s Anmerk. 1. wie folgendr „Der jüdisch-orthodoxe Chirurg Colt in stellt die paradoxe Behauptung auf, daß die Gefahr einer solchen Mittheilung eines Ansteckungssteffes (bei der Meziza nämlich) in ältesten 366 Zeiten weit weniger als gegenwärtig vorhanden gewesen Es wird unterhalten seine eignen Worte (aus Frankens Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judemhums, 1845, 7. Heft, S. 268) zu vernehmen. „„Freilich war auch zur Zeit des Maimonides und auch noch spater die Gefahr der gegenseitigen Ansteckung weniger zu fürchten, als heut zu Tage; denn welche Männer verrichteten damals die Beschneidung? Männer, die unbekannt mit den Freuden und Genüssen der Außenwelt, sich blos der Forschung des Gesetzes Hingaben und ein in Gott ausgehendes Leben vollbrachten; Männer, die ein frommes, sittenreines, patriarchalisches: Leben führten, die selbst die ehelichen Freuden mäßig genossen, und sich scheuten die Reize der eigenen Gattin, geschweige die der fremden Frauen zu enthüllen. Bei solchen Männern stand nicht zu befürchten:, daß sie mit einer solchen Krankheit behaftet wären, und eben so wenig mögen die von solchen Eltern gezeugten Kinder solche Uebel als Erbstücke mit zur Welt gebracht haben. Ganz anders aber ist der heutige Standpunkt. Heut zu Tage soll die Beschneidung nur durch ärztliche Personen vollzogen werden, die ihre wissenschaftliche Ausbildung auf Hochschulen und Universitäten empfangen haben, die, wenn sie auch kein renomirendcs, aber doch immer ein Studentenleben geführt haben können, und einige Rudera davon wohl mit ins spätere bürgerliche Leben hinüberbringen dürften,, da ist wohl eine Ansteckung leicht z-u befürchten."" „Also, diese alten Rabbis und Beschneider waren alle so rein, so keusch, daß sie sich nicht einmal die Reize der eigenen Frauen zu enthüllen getrauten, was sich bei der bekannten Geilheit der Juden schwer glauben läßt; und die gegenwärtigen Beschneidcr sollen im Verdachte stehen, von der Universität syphilitische Rudera mitgebracht zu haben l" Aber lieber Herr Professor, ich möchte nur gerne wissen, wodurch Sie die bekannte Geilheit der Juden nachzuweisen im Stande wären; vielleicht etwa dadurch, daß vor ungefähr vier Jahrtausenden bei den Erzvätern^er israelitischen Nation die Polygamie eingcführt war. Sie brauchen ja aber nur die Bibel nachzuschlagen, und sie werden den Grund davon unmöglich in der Geilheit, sondern in den damaligen Umständen finden« Oder glauben Sie den Beleg zu Ihrer sonderbaren Behauptung etwa darin zu finden, daß Rahel sich die von. Rüben aufgesundencn Dudaim, die nach einigen Komentatoren die Eigenschaft gehabt haben sollen, auf den Geschlechtstrieb zu wirken und die Empfängnisfähigkeit zu steigern, so begierig zugeeßgnet hatte, und daß Lea so unverschämt sein konnte, den Beiischlaf ihres Manries öffentlich herauszufordern? Allein Sie haben es wohl selbst eingesehen, daß hier nicht das mindeste Unanständige zu erblicken ist, wenn wir den Umstand erwägen, daß damals unter den israelitischen Weibern die Unfruchtbarkeit als eine große Schande galt, und es mithin nicht die geringste Unsittlichbeit sein konnte, wenn Rahel und Lea ihre Wünschenach Kindern öffentlich zu erkennen gaben und alle und jegliche Mittel zur Erreichung dieses Wunsches begierig ergriffen. — Oder ist