Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 23 (9.6.1849)
- Date
- 1849-06-09
- Page
- Spalte 367-368 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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367 Ihnen, Herr Professor' - vielleicht auch jetzt noch hier und. da ein jüdischer Wüstling, oder'eine liederliche Dirne jüdischer Nation aufgestoßen, die entweder aus Mangel an Erziehung, oder vielleicht gar aus Mangel an Brod, so tief sinken konnten, mit dem Laster ein elendes Gewerbe zu treiben; o, so lassen Sie sich eine statistische Liste von den Verbrechern, die wegen, Ehebruch und frevelhafter Verführung der Unschuld in den Zuchthäusern, von den frivolen liederliche,, Dirnen, die in den Freudenhäusern aller Orten sich befinden, reichen, und Sie werden die Ueberzeugung gewinnen, daß die bedeutend überwiegende Mehrzahl derselben in der Regel der nichtisraelitischen Nation angehöreru — Vielleicht aber glauben Sie Ihre ausgesprochene Beschuldigung darauf stützen zu können, indem, wie Sie S. 152 wahnen, das Laster der Onanie müsse deßhalb unter den Juden als herrschend anzunehmen sein, weil der Talmud es sehr strenge verbietet. Verbietet oder gemietet 'aber nicht der Talmud auch noch viele andere Gegenstände eben so strenge und noch viel strenger, ohne daß indessen im geringsten zu vermuthen steht, daß die Juden sich deren öfter zu Schulden kommen ließen. So z. B. lehrt der Talmud pw '0 hy U'DN D.TÜN b& irTD TDDn Nun ob)])'? p^n )b pK d^d mm. m. „Wer den, Bund Abrahams (bte Beschneidung), nicht hall, der wird der Seligkeit verlustig, selbst wenn er noch so viel Religion und Lugend besäße." Ebenso strenge befiehlt der Talmud das Geleitgeben eines Gastes; indem er behauptet: u'N&y i?D D^tDl ■pittf ’bxo nÄD „Wer seinem Gaste nicht das Geleit giebt, der ist einem Mörder gleich zu beachten.^ Wann aber ist je die Beschneiduug bis hierzu von den Juden vorsätzlich unterlassen worden, oder wer wollte, die faktisch anerkannte Gastfreundlichkeit der Juden bestreiten? Da also weder die Geschichte, noch das praktische Leben Ihre Ansicht bestätigen 368 kann, so ist es außer Zweifel, daß Sie dieselbe aus Buxlorfre. geschöpft haben müssen; und da Ihnen Buxrorf die zuverlässigste Autorität ist, so darf man sich auch nicht wund-ern, daß Sie vom Judenthume wahrscheinlich ohne alle böse Absicht, so schnöde geurtheilt haben. Hoffen wir aber, daß Sie nun Ihre Uebereilung bereits eingesehen und gewiß bereut haben werden. — Was übrigens die Behauptung Collin's betrifft, so 'bemerken wir, ohne uns übrigens hier mit einer Kritik der Meziza se l b st einzulaffen, daß wenn einerseits auch keincsweges anzunehmen ist, daß alle alten Rabbi's und Beschneider so himmlisch rein waren, daß sie sich nicht einmal getrauten die Reize der eignen Gattin zu enthüllen, so wie man auch nicht alle Individuen der syphilitischen Rudera verdächtig halten könne, wenn sie sich eine Zeitlang aus der Universität aufgehalten haben; und würde das Gegentheil behaupten zu wollen, als ein offenbarer Unsinn betrachtet werden müssen, welche Behauptung aber dem Herrn Collin , such gar nicht eingefallen sein kann; — so ist andererseits doch so viel gegründet, daß die alten Rabbi's, wenn nicht alle, doch der größte Theil derselben, wirklich ein überaus mäßiges und asreüsches Leben geführt haben, und daß sie sich in der Thar scheuten, die Reize der eignen Gattin zu enthüllen, ist faktisch begründet, wenn wir die Stellen im Talmud Tr. Berachor 22, Ketubot 61, Nidda 13, Nedarim 20, Sur Orach - Jhaim 240 berücksichtigen. In Tr.- Nedarim a. angf. St. lautet es wörtlich'wie folgend: nosoi ÜDD rfrjD )bm “IE' lNDDltf ''DD l'ty npm NQD, welches auch der Schulchan Aruch, welcher den alten Rabbi's eine heilige Autorität war, als ^religiöses Gesetz acceptirt hat. — (Fortsetzung folgt.) Ankündigungen. Ankündigungm. In. diesen Ankündigungen werden Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Beschicht und Literatur betreffen, gegen 14 Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. [54] Bei C. L. Frl.tzsche in Leipzig ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Jsel, Dr. D. H., die N e 1 i g i O n s p h il O s ophie des So har, und ihr Verhältnis zur atlgcm. - jüdischen Theologie brosch. Preis 2 Thlr. ' Velinpapier. 2 Thlr. 10 Ngr. Jelliuek, A. (Prediger), Jericho, ein Bild von Israels Freiheit, Rede zur Feier der deutschen Grundrechte, brosch. 3 Ngr. — — Drei Gräber. Kauzelvortrag .am 6. Jan. 1849. brosch. 3 Ngr. .Schwarz,, I./ Assaf und Tirza,. Gedicht, brosch. KsLGZLLL'iLZsS mi meinem i§e:fat Chachamim. Inhalt: 1) Lexikttlisches. 2) Sitten der Perser 5 Meder und Araber. 3) Lc^i Iben Sisi. 4) Statistische Ucbersicht. Von Ad. Jellinek. I. gell. Preis 5. Ngr. Forschungen über die Ueberschriften der Psalmen. Dazu Erläuterungen der Gotteönamm, der poetischen Formen in den Psalmen, Auslegungen schwieriger Stellen der älthcbräischen Poesie und ein ergänzender Anhang. Von Hartwig Philipp Ree m Aarhus. Mit einem Vorwort von Dr. Julius Fürst, brosch. Preis 24 Ngr. 6 Ngr. Verlag von C. L. Fritzsche. Redakteur: Dr. I n t. Für st. Druck von I. H. Netgel.