Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1849)
- Date
- 1849-06-09
- Page
- Seite 111 (sequence 5)
- Language
- German
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111 ,'ensgmessen andern S ta a ts ürgern gegen« b er nthaltcn, insbesondere auch die Verordnung vom 9. jum 1848 (G. S. 1 Baud S. 212) die Abschließung )cn Verträgen zwischen Juden und Christen betreffend, hiermit ausdrücklich aufgehoben. Sigmaringen, 16. Mai 1.849. Fürstliche Landesregierung. (gez.) v. Sallwürk. m. p. Frankfurt a. Nt., 27. Mai. In der von Moritz Hart mann herausgegebencn Reimchronik des pfaffcu Mänrizius, ist in Caput IV., welches dem Ungarischen Freiheitskrieg gewidmet ist, das Gedicht, ,,der rrme Jude" lesenöwerth, und ich enttehne daher für die öeser Ihres Orients mehrere Strophen desselben. Da schleicht vorbei behutsam still, Me einer der nicht stören will, Ein braunes Männlein tief gebückt Gebrochen, muthlos und gedrückt. Die Stirne ist vom Schweiße naß, Zm Busen scheint er zu bergen was. Kaum daß er sich müd auf den Beinen hält, So schleicht er zu des Dictators Zelt. Halt ruft der Husar, du Höllensohn, Du scheinst mir ein verfluchter Spion! Er zuckt den Säbel, doch das Männlein blickt So stolz, wie erst gebückt und gedrückt. ,-Laß den nur gehen, der Zigeuner spricht: Bei Gort, das ist kein Kundschafter nicht! Das ist ein armer ungrischer Iud, Die Juden sind Patrioten und gut. Und wenn er gebückt einhergeht und schleicht, Jsts euere eigene Schuld vielleicht." Der Jude aber geht in Ruh Aufs Zelt, des großen Diktators zu. Der sitzt und schreibt bei spätem Licht, Und hört erst den Juden da er spricht: „Gesegnet das Zelt, das dich beschützt, Gesegnet die Säule die es stützt. Es segne der Herr und behüte dick, Du Hoffnung des Landes ewiglich! Es leuchte dir sein Angesicht, Er lege auf dich des Friedens Licht. Er ist gekommen mit wüthender Schaar, Der österreichische Balsazar. Er hat uns genommen Geld und Gut Und hat vergossen unser Blut. Was mir geblieben an Geld und Gut, Und was ich gerettet, mein Leben und Blut, Ich bringe es dem Baterlande dar — Der Herr vernichte Balsazar!" Und aus dem Busen ein Röllchen Gold Zieht er hervor und spricht: „sei hold 'Und gnädig mir und nimm es an, Als Opfer von einem armen Mann. Ich brings fürs Vaterland heran, Das ich in Ungarn neu gewann. Jetzt steh ich da der Güter Laar, Kein Jude mehr, doch ein Magyar. Du aber Prophet, gieb Waffen mir Zum Kampfe will ich folgen Dir, Gieb eine Muskete mir in die Hand, . Auf daß ich fühle, daß endlich ich fand Was lange mir fehlte, ein Vaterland, Und wenn ichs auch fühle im blurgen Sand. Noch zieht der Iud' wie in alter Zeit Mit frohem Muthe in den Streit, Wenn ihn wie du, ein Prophere führt Und überm Haupt er die Gottheit spürt!" Prag, 1. Juni. Die Judcnemcmeipation ist endlich auch bei uils in einem konkreten Fall zur Wahrheit geworden. Der hiesige Großhändler Herr Leopold Edler von Lämel hat von der Prager Stadtgemeinde das Bürgeidiplom erhallen. Derselbe ist demnach unter seinen böhmischen Glaubensgenossen der erste, der schon dermalen in dem faktischen vollen Genuß der bürgerlichen Gleichberechtigung sich befindet. Wir hoffen, daß ein solcher Anfang nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Dem Stifter und Vorsteher des Töplitzer israelitischen Hospitals, Herr Naphtali Katz, hat Se. Majestät der Kaiser in Anerkennung seiner Verdienste um dieses zum Wohlc der leidenden Menschheit bestehende Institut, die mittlere goldene Civil-Ehren-Medaille am Bande verliehen. Defterreichische Nebenländer. Brody, 29. Mai. Während des Durchmarsches der Russen durch unsere Stadt erkrankten Vierzig Soldaten, die aber gleich im israelitischen Spitale die fteundlichste Ausnahme fanden. Dieselben befinden sich, bis aus einen, auf dem Wege der Rekonvalcseenz. Die Behandlung in dieser, in der That unter allen hiesigen Instituten am besten dotirten (von dem im Jahre 1832 verstorbenen Großhändler Jüdet Na tHansohn mit einer namhaften Summe bedacht) und verwalteten Anstalt übertraf alte ihre Erwartungen. Polen und Rußland. Kbossa, 25. Mai. Bei Gelegenheit der von unserer Regierung ins Leben zu rufenden jüdischen Schulen, will ich Ihnen einige Ansichten und Notizen die allgemeine Sache betreffend, mittheilen, wie sich solche theils durch eigenes Nachdenken und eifriges Studium des Charakters, der Eigenthümlichkeiten und wahren Bedürfnisse der polnischen Juden, in deren Mitte ich geboren und erzogen worden bin, bei mir gebildet haben, theils ich mir solche durch Besprechung mit Männern erworben habe, die selbst viel gewirkt und denen es an Ruf nicht fehlt. Vor allem will ich Ihnen einige Bemerkungen voransfchicken. Erstens daß die Mehrzahl der Fehler, die den hiesigen Juden znm Vorwurf gemacht werden, leider nur die wirklichste Wirklichkeit ha-