Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-06-02 · Heft 22 (2.6.1849) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 22 (2.6.1849)
Date
1849-06-02
Page
Seite 106 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360580-2360603--6816-3535036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

106 derung scheinen noch in kein Nonnenkloster gegangen zu sein, sie zeigen sich wieder Der Oeffentlichkeit mit. noch größerer Unverschämtheit. So hören wir die traurige Nachricht ans Leipnik, daselbst wurde am li d. M. bei Hellem Tage das Haus des Israeliten Abraham S i l b e r st ein geplündert. Der Verlust ist sehr bedeutend. Die christliche Bürgcrgarde verhielt sich bei dieser Gräuelthät sehr ruhig und gelassen, leistete eher keinen Widerstand bis die pöbelhafte Menge den heißen Durst ihrer Habsucht befriedigt hat. Was übrigens unfern neuen Sta"d betrifft, so darf noch kein Hochzeitskandidat früher heirathen bis er im Besitze des theucrn Adelsdiploms eines verstorbenen k» k. priv. mähr. Familianten ist, und noch immer heißt es: Mit Schweiß deines Angesichts und mit dem ganzen Gelte deiner Tasche sollst du eine Famitienstetle erlangen, bis du wieder hin zur Armnth kommst, von welcher du genommen wurdest. Das Kreisamt hat bisher noch keine andere Weisung, und kann nicht oder will nicht weise werden von der deutlich ausgesprochenen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung. Ja wir werden noch lange ein Kreisamt haben, bis etwas Angenehmes geboren wird. — Mögen doch unsere Mitbürger bald zur Einsicht gelangen; möge die dicke Wolke der Feindseligkeit bald schwinden, und die freundliche Sonne der wahren Menschenliebe und der rechten Gleichberechtigung mit ihren lieblichen Strahlen alle ev.värmeu. B. Wien, 20. Mai. Bei der von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaft in der philosophisch-historischen Abtheilung am 9. d. M. abgehaltenen Sitzung, hat das korrespondirende Mitglied Dr. Goldenthal eine für die „Denkschriften" bestimmte Abhandlung: „Gründjüge und Beiträge zu einem sprachvergleichenden rabbmisch-philosophischen Wörterbuch" vorgetragen. Er zeigte vorerst, wie wichtig ein solches Wörterbuch für das Verständnis! hebräisch - philosophischer Schriften sei, Da diese Literatur entstanden unter der spanisch-arabischen Herrschaft, ganz das Gepräge des Arabismns an sich trägt und zu ihrer Erklärung des Arabischen benöthiget, besonders des späten, Arabisch oder des scholastisch-philosophischen Styles. Aus Mangel an Kenntniß des Arabischen haben daher die ältesten Kommentatoren und Uebersetzer rabbinisch-philosophischer Schriften, wie des More Nebuchim des Maimnni und des Kusari des R. Jehuda Ha-Lewi, bis auf die der neuesten Zeit vielfältige Mißverständnisse sich zu Schulden .kommen, lassen, welches er mit treffenden Beispielen belegt. Aber eben so wichtig ist wiederum umgekehrt die Kenntniß des hebräisch-philosophischen StpleS für das Verständniß rein arabischer Schriften gleichen Inhalts, da ersterer dem europäischen Gelehrten viel näher und zugänglicher sei. Er belegt dies ebenfalls mit Beispielen von Mißgriffen seitens europäischer Uebersctzer und Herausgeber arabisch-philosophischer Schriften. Darauf ließ er als Probe dieser für die philosophische Literatur beider Sprachen höchst wichtigen Arbeit, ein kurzes Wort-Verzeichniß, mit Nachw.eisnng des arabischen und weiter hinauf auch des griechischen Ursprungs in alphabetischer Ordnung folgen, welches er späterhin als vollständiges Wörterbuch ausznarbeiten gedenkt. Möge er beim lesenden Publikum so viel Theilnahnie fiuden , um sich für seine der Wissenschaft geweihten Kräfte belohnt zu sehen. Berlin, 18. Mai» Am 20. d. M. sindet der erste große 2tft zur R cf o r m d er h i e si g cn j ü d isch en G e ul ei n de -O rd n n n g statt, indem alle beitragende Mitglieder der Gemeinde, wohl an 1500 tingelnden sind, sich in einer Versammlung über Annehmen oder Ablehnen des von dem zeitigen Vorstande entworfenen Wahl-Regulativs durch Stimmzettel zu erklären. Das höchst freisinnige, allen Mitgliedern ins Haus gesendete Regulativ soll den günstigsten Eindruck gemacht haben und wird wahrscheinlich als Wahlmoduö angenommen werden. Bei dem großen Einflüsse, welchen seit Moses Mendelssohn die Berliner Gemeinde ans alle Gemeinden Deutschlands und selbst des fernen Auslandes übt, kann die neue Konstituirung nicht als bloße Lokal- oder Synagogalsache betrachtet werden , vollends da aus dem Regulativ auch Manches für weitere größere Verhältnisse zu lernen sein dürste. Knuls-ruhe/ 20. Mai. Um Ihnen zu beweisen, wie die Reaktion sich bestrebt, den alten Judenhaß wieder aufzustacheln, wird Ihnen nachstehende von der hiesigen -provisorischem Regierung erlassene Warnung deutlich darthun. Die wahren Freunde der Freiheit und des Fortschritts bemühen sich durch Wort und Schrift, alle von der Rückschrittspartei ausgehende Verdächtigungen gegen unsere Glanbensbrüdcr zu bekämpfen. Die erlassene Kundmachung lautet: ,,Mitbürger! hört nicht auf solche, welche euch jetzt gegen die Juden aufreizen., sie beabsichtigen nichts Anderes, als euren heldenmüthigen Kampf für das heiligste Gut des Menschen , für die Freiheit zu schänden. Mitbürger! Ihr seid viel zu vernünftig, als daß ihr euch verleiten lassen könntet, das Eigenthum eurer israelitischen Brüder zu verletzen oder gegen ihre Personen Gewalt zu brauchen. Eisennch, 20. Mai. Bei der im Marienthale am 17. b. M. stattgefnndenen Volksversammlung, trat als namhafter Redner unser Landrabbiner Dr. Heß auf. Er sprach mit begeisternden Worten für Aufrechterhaltung der deutschen Verfassung, und alle von ihm zu diesem Behufe gemachten . Vorschläge, wurden von der Versammlung mil Akklamation ausgenommen. GroßbriLannien. London, 20. Mai. Ich trage in folgendem eine nähere Darstellung der Unterhaus-Berathung vom 7, d.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.