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Der Orient · 1849-05-26 · 21 (26.5.1849) · p. Spalte 329-330

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
21 (26.5.1849)
Date
1849-05-26
Page
Spalte 329-330 (sequence 5)
Language
German
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Studien. Opfer nach dem Tempel. 329 Freundes, des Rabbiner Hirsch C Hajes inZolkiew, zu widerlegen und in den Hintergrund zurückzudrängen. Da nun von den neueren Gelehrten keine Gelegenheit verabsäumt wird, den Rabbiner Herrn R. auf Unkosten des Chajes zu erheben und letzteren dadurch zurückzufetzen (da die Erklärungen des Ersteren zur freien Kritik führen, wahrend die des Letzter«. sich mehr zum Konservativen neigen, über welches Verfahren ich mir jedoch keine Entscheidung anmaße), so finde ich mich veranlaßt, als wahrer Verehrer und Freund des Hrn. Chajes, dessen Meinung Geltung zu verschaffen, ohne hierdurch Hrn. R. irgend wie nah treten zu wollen. Die von den Verfassern angeführten Stellen aus den Kirchenvätern sind in keiner Art maßgebend, und in dieser Hinsicht den Stellen aus dem Talmud und unseren Traditionsbüchern nicht zu vergleichen. Es ist bekannt, daß die Samaritaner das Opferlamm und das Sabbatopfer lange Zeit nach der Zerstörung des Tempels dargebracht haben, es können sich also diese Stellen der christlichen Schriftsteller älterer Zeiten, theilweise auf die Samaritaner beziehen, und ist daher keine weitere Erklärung über die Fortdauerndes israelitischen Opserkultus nöthig, da die Opfer der Samaritaner nach der Zerstörung Jerusalems notorisch statlgefunden haben. Dieses ist aber nicht der Fall mit den Beweisen aus den jüdischen Traditionsbüchern, die ganz für die Meinung des Rabbiners Hirsch Chajes, Kreizenach und Jabez sprechen, welches eigentlich der Gegenstand gegenwärtiger Apologie sein soll. Auch die Herren Verfasser jener Abhandlung scheinen kein besonderes Gewicht auf die Aussagen der Kirchenväter zu legen. Es wird als entschiedene Thatsache von den gedachten Gelehrten angenommen, daß der Passahkultus bis zur hadrianischen Katastrophe fortgedauert hat. Die Belege hinzu liefern der Talmud P^sachim fol. 56. Sanhedrin 1!6. — Die bis in den Himmel erhobene Erklärung des Hrn. Rapaport, iirojn 102 ist nicht frei von allen Einwendungen, denn nach dieser Erklärung und untergeschobener Bedeutung des Wortes rjrnjn mußte stehen nrO'JTJ Ich finde daher die Erklärung von Raschi, unserm besten Kommentator des Talmuds, nicht so verwerflich, sondern sogar sehr berücksichtigenswerth, wenn wir an der Meinung festhalten, daß 70 Jahre nach der Tempelzerftorung, noch auf dem verschont gebliebenen Altar das Passahopfer gebracht wurde, wodurch sich die im Talmud erwähnten Thatsachen auf die ungezwungenste Weise erklären lassen, während wir bei Annahme der entgegengesetzten Meinung zu den scharfsinnigen Erklärungen der Herren Verfasser unsere Zuflucht nehmen müssen, die sich gewöhnlich in ihrer Ausdehnung von der Wahrheit entfernen, gleich den Nebenlinien, die vor der geraden Linie auslaufen a-tfl&SO&y NnDnniUN. Auch ist die Lesart von Raschi ndVh inrDjT) "TD und nicht nrojn. Die Erklärung des Hrn. Rapaport ist zwar scharfsinnig aber noch nicht ausreichend, um sie als unbedingte Ermittelung der Wahrheit aufzuführen. Die Erschütterung dieses Arguments führt schon zur notwendigen Prüfung der von den Hrn. G. und F. aufgestell- 330 ten Meinung. Nach derMemung Chajes, der Kreizenach und Jabez beitreten, hat -er Opferkultus noch auf den Ruinen des Tempels auf dem unversehrt gebliebenen Altar thellweise fortgedauert. Denn selbst wenn wir annehmen, daß die Auseinandersetzung der Verfasser hinsichtlich -er Opfer außerhalb der Altarstätte richtig ist, so kann doch nicht cingeräumt werden, daß ein gleiches Verbot sich auf den stehen gebliebenen Altar erstreckt hat. Wenn wir einräumen sollten, daß bei Errichtung eines neuen Altars auf der Tempelstätte derselbe einer neuen Weihe und Konsekration bedurfte, so ist doch dieses nicht von Notben bei dem stehen gebliebenen Altäre, der schon durch eine frühere Weihe geheiligt war. Daher ist die Behauptung -es Hrn. Chajes, daß der Passahkultus bis zur hadrianischen Katastrophe sortgedauert habe, und der stehen gebliebene Altar als Opferstätte benutzt oder neuerdings zu diesem Zwecke restaurirt wurde, sehr beciicksichtigenswerth und verdient den anderen Meinungen vorgezogen zu werden. Bekanntlich durste die Opserstatte im Tempel nicht verändert werden, wozu Maimuni ausdrücklich bemerkt IDipOD IHN pJTO ptti 1C)'<'2 PDD mw'"?. Dieses Verbot gründet sich auf Tradition, die bis zum Patriarchen Abraham hinausreichcn soll. Sogar nach der Rückkehr vom babylonischen Exil hat einer von den drei Proph-eten das Zeugniß mton by orpby ‘ryrw TI** Sebach. 62 » über die Opferstätte adgeben müssen, da man sonst nicht befugt war, einen neuen Altar zu errichten, und die Ermittelung der Altarstäne war daher durchaus erforderlich. Wie einleuchtend ist also die Meinung des Chajes, daß bis zu Hadrians Zeiten die Altarstätte noch bekannt war, da Titus noch manche Reste stehen ließ, als z. B. die drei Thürme und einen Theil der Mauer und erst zu Hadrians Zeiten die von Titus gelassenen Reste nach einer Empörung völlig zerstört wurden, und jene Statte nicht mehr zu ermitteln war. Dem Einwand der Verfasser, daß nach Josefus Ueberlieserung die eindringenden und erbitterten Römer den ganzen Umsang des Tempels zerstörten, und es nur einem Wunder gleiche, wenn die Hauptstücke des Kultus der verwüstenden Hand des Feindes entgangen wären, ist zu entgegnen, daß der Opferaltar nicht ein so in die Augen fallender werthvoller Gegenstand war und nicht zu den vorzüglichsten Kostbarkeiten des Tempels, die die Augender Feinde hatten blenden können, gehörte. Er war nicht von Gol-, sondern von Kupfer, und wegen der dargebrachten Opfer beständig mit Blut bedeckt, weshalb er auch von den Irreligiösen mit dem Namen belegt wurde. Es ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmer, daß Titus gerade dielen durch große Blutflecken entstellten Opferaltar, um die jüdische Naticn und ihren Glauben herabzusetzen, stehen ließ. Die Stelle im Talmud wegen Zubereitung des Räucherwerkes, betrifft blos den Räucheraltar, welcher gewiß beim Bestehen des Opferaktars nicht stehen geblieben ist, da wir zur Erklärung der talmudischen Stellen nur den Opferaltar als stehen geblieben zu erklären haben, aber nicht die Konsekration des Raucher-

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