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Der Orient · 1849-05-26 · 21 (26.5.1849) · p. Spalte 323-324

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
21 (26.5.1849)
Date
1849-05-26
Page
Spalte 323-324 (sequence 2)
Language
German
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323 Studien. Hillel der Ztellere. gesellte sich zu den bereits vorhandenen Uebeln noch eine neue Plage, die des Aussaugens und der Plünderung von Staatswegen. Bürgerblut war auch dem Alexander Jannäus nicht allzu kostbar, doch heilig war ihm des Volkes Ei g e nthu m; wie er auch gegen die Personen wüthete, wenn es den beleidigten Thron zu rächen galt das Haus des Verfolgten ließ er unangetastet; denn bei all den Flecken seiner Seele lebte doch in ihm ein makkabäischer Sinn, der ihn, wenn auch nicht vor glühender Leidenschaft, doch vor kalter Gemeinheit wahrte. Her ödes hingegen, niedrig von Gefühl und Gesinnung,. jedes höhecn Bewußtseins, aller idealischen Anschauung ledig und baar, richtete Verheerungen unter seinen Bürgern an, um sich mit dem Gute der Geopferten zu bereichern. Kaum daher, durch der Römer Hilfe, in Jerusalem eingezogen, bemächtigte er sich des gelammten daselbst sich vorfindenden königlichen Schmuckes, nichts destoweniger beraubte er auch die Reichen ihres Vermögens, um an Antonius und Konsorten den früher zu Rom festgesetzten Kaufpreis für die Krone Iudäa's entrichten zu können. Außer dem wurde noch unter Antigonus' Anhängern ein fürchterliches Blutbad zu gleichem Zwecke angerichter; fünf und vierzig Bürger aus den edelsten Häusern^ sielen als Opfer, und selbst ihre Leichname blieben von den räuberischen Händen der herodianischen Horde nicht verschont, denn der Meister hatte befohlen, Geld oder Geldeswerth um jeden Preis herbeizuschaffen. Daß unter solchen Umständen der Jammer des Volkes groß war, ist begreiflich. Dazu kam noch, daß um diese Zeit ein Feierjahr^ (utSö^) nntrat, während blutdürstige Weise hinrichteu ließ, wie die Römer bis dahin noch mit keinem gekrönten Haupre verfahren. Plutarch in Antonio 44 5 Diu Cassius, lib. XL1X. 22.* Es ist demnach reine Fabelei, daß S o s i u s den A n t i g o n u s wegen seines angeblich — unmännlichen Benehmens 3Awiy6vi]v sxcdscsv (Antiq. XIV, 16, 2) hingerichtet fein laut; einen weibischen Gegner würde man nicht so ängstlich verwahrt (»bid«) und dann mit solcher Erbitterung und Grausamkeit hingerichtet haben. *) zov 83 ’Avztyovov ificcGziycoGS , Gzavgcß ngocdriGciQ, «*- (o firjdslg ccXXog ßcxGtXsvg v7to vcjv 'PaficUcov S7C£7t6vd'Ei) — Hai [iszci zovzo % cd dnsGcpaf-sv. — 4) Atcskzelvs 8s TSGGaQccytovva Ttsvzs zovg ItQCOZQVg £jc zrjg at$)Stf£cög ’Avziyovov — Antig. XV. 1, 2. — 5) Herodes bestieg den Thron — wie bereits erwähnt — im Jahre 31 ante; war nun, wie Josefus angiebt, das darauf folgende Jahr ein Sabbat-Jahr, so mußte auch das Jahr 69 post ein solches sein; demnach hätte die Zerstörung des Tempels durch Titus in dem vorletzten Monate eines Feierjahres stattgefunden. Hiermit stimmt auch die Angabe des Talmud überein: 'öl nöH mriKO 'di nmn tvyo&y •»nsidi 'di rpn n?o nyt^n orn rpj!0 2 pl — "Arachin lib; Ta'anit 29a; Seder'Olam rabba 20. Conf. Maimon. : nJnriN2 DÖH 2^NL7 WH ourin nnbnnw nrpn rvyötp rwnnniN —«Scbemitta »esSobei-x,4. Diese Angaben sind nicht ohne Interesse für die Chronologie in Bezug auf den makkabäischen Krieg; denn nach 1 Makk. 6, 49 ist die Uebergabe der Festung Betsur (-ns rv2) an dessen bekanntlich die Aecker nicht bebauet, werden durften, und so hatte die Tyrannei des Edomiten das ihm preisgrgebene Volk bald auch mit seinem religiösen Gefühle in Konflikt gebracht. Unter der mehr patriarchalischen Herrschaft der Makkabäer, wo das Volk wenig Gelegenheit bekam, den Werth des Goldes kennen lernen, war vas Felerjahr für das Glsammtrvesen nicht nur keine Last, sondern, sogar eine Wohlthat. ü Die Einfachheit der Sitten , die treue Begleiterin eines ackerbauenden Volkes, bedingte wenig Bedürfnisse, so daß die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens nicht nur das regelmäßig wiederkchrende Feierjahr, sondern auch die hin und wieder eintreffenden Jahre des Mißwachses reichlich deckte. Die Besitzlosen fanden, der väterlichen Sitte wie dem göttlichen Gesetze gemäß, hinlängliche Unterstützung in Naturalien, wie auch durch zinsfreie Darlehen. Letztere durften während des Fcierjahres, wo durch Einstellung der .Feldarbeit die unbemittelte Arbeitsklaffe kein sicheres Einkommen hatte, nicht eingesordert werden. Nach und nach setzte sich der Usus fest, die während des Feierjahres nicht eingeferderten Schulden für gänzlich erloschen zu betrachten.' Alles dieses war jedoch, wie bereits bemerkt, von dem ungetrübten Nationalleben des Volkes, von seiner Sitteneinfalt, wie von der patriarchalischen Regierungsweist seiner Regenten bedingt. Diese Bedingung wird im mosaischen Gesetze sv oft Largelegt, so nachdrucksvoll eingeschärst, so unumwunden als eine conditio sine qua non erklärt, daß selbst die eingedrungenen Fremdlinge sie wohl ignoriren, keineswegs aber übersehen konnten. Darf aber die Handhabung des Gesetzes als Maaßstab für dieses selbst gelten? — was frommen die besten Gesetze, wenn sie ignorkrt werden? — Daß die Kollision, in welche damals das Volk von Judäa mit seinem väterlichen Gesetze geritth, keine Natu r n o t h w r n d i g k e i t, sondern lediglich ein Auswuchs der abnormen Wirthschaft seiner damaligen Machthaber war, bekundet jedes Blatt in der Geschichte jener trüben Tage. Eupator's Heer in einem Sabbatjahr erfolgt {Zdßßazov fjv vfi y$); vom Jahre 30 ante als Sabbatjahr rückwärts gezählt, ergiebt sich das Jahr l63 als das, worin die erwähnte Uebergabe stattgefunden. — 6) Außer dem hier angeführten Fall unter Herodrs kennt die Geschichte nur noch ein Beispiel, daß das Feierjahr dem Volke nicht zum Segen gereichte (l Makk. loc. eit, et ibiri. v. 53: Bgcofuxza 8s ovk rjv sv zol$ uvyysioig9 8iä to sß8o(MOv trog slvai)y erwägt man nun red), unter welchen Einflüssen dieser Mißstand auftauchte, bedenkt man, daß nur das verheerende Schwert des Syrers, oder die räuberische Hand des Edomiten, aus dem Feierjahr ein Nothjahr zu machen vermochte, so kann mau die betreffende mosaische Institution nur bewundern. Nach Antiq. XIV. 10, 6 har Cäsar in einem Dekret Judäa betreffend auf das Feierjahr gebührende Rücksicht genommen. — 1) Das biblische (Deut. 15, 2) scheint —- mit unbefangenen Augen betrachtet — nur ein Moratorium erzielen zu wollen.

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