Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 21 (26.5.1849)
- Date
- 1849-05-26
- Page
- Spalte 321-322 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur» ♦ M 31. Leipzig, den 26. Mai 184». In hall. Studien. Biographien der Talmudisten. Hillel -er keltere. Von Dr. I. K. (Fortsetzung.) — Literarische Analekten. Die Opfer nach der Tempel-Zerstörung. Von Friedenthal. — Aphorismen von Dr. L. Lewysohn. — Literaturhiftorische Miscrllen. Von L. Dukes. Ein Hochzeitgedicht. — Ankündigungen. Biographien -er Talmudisten. Hillel, der Aeltere. ri. (Fortsetzung.) (Vergl. LB. d. I. Nr. 10 und 15.) 4. Wie sehr nun auch die neuen Häupter des Synedriums entschlossen waren, dem aufgedrungenen Machthaber Ln keinem Falle und unter keiner Bedingung irgend einen Einfluß auf das religiöse Gebiet zu gestatten/ so konnte es doch nicht fehlen, daß der gewaltige Umschwung der politischen Verhältnisse auch auf die religiösen Zustände hindernd und störend einwirkte. Die niakkabäischen Fürsten waren, abgesehen von manchen Mißgriffen im Einzelnen, doch im Ganzen national in Wort und That, in Gefühl und Gesinnung. Selbst Alexander Jannäus, der hasmonäische Herodes, hat seine Regierung, wie tyrannisch sie auch war, durch keinen antinalionalen Akt geschändet. Aus edlem Stamme entsprossen, auf den Schildern ihres heldenmüthigen Volkes emporgehoben, waren die makkabäischen Fürsten sich ihrer Abkunft wie ihres Ranges wohl bewußt, aber eben dieses Bewußtsein schützte sie vor sklavischer Selbsterniederung wie vor Untreue gegen das Volk. Kein Hasmonäer hat je aus dynastischem Interesse 1) Daher ihre standhafte Verweigerung, den von Herodes geforderten Unterthaneneid zu leisten; sie fürchteten, der arglistige Idumäer könnte dem Eide einen beliebigen Sinn unterschieben, und darauf fußend, auch in religiösen Dingen Gehorsam verlangen. Sonst wäre nicht abzusehen, warum sie, da sie ihn einmal als Regenten anerkannt hatten, ihm nicht auch den Eid der Treue leisten wollten. das Schicksal des eigenen Volkes in fremde Hände gelegt. Diese fluchwürdige That war dem idumäischen Major domus des unzurechnungsfähigen Hyrkan, des jüdischen Child er ich Ul. Vorbehalten. Antipater's Ränke waren es, welche die feindlichen Brüder vor den Richterstuhl des Pompes us führten und dadurch das Geschick Jüdäa's von der Laune und dem Eigennütze des Fremden abhängig machten. Den Römern mußte natürlich nichts unbequemer sein als ein Herrscher in Judäa von nationalem Sinn undStreben. Antonius selbst macht später im Senat zu Rom kein Hehl daraus, daß die Erhebung Herodes' auf den Thron Judaa's ein Postulat des römischen Interesses im Orient sei/ und so konnte es nicht anders kommen, als daß, wie früher Ar ist ob ul gegen Antipater, spater auch Antigonus, in welchem Antonius einen Ungefügigen und Römerfeind erblickte - gegen Herodes den Kürzern zog/ Nun 2) Kal TtQog rornara TlaQd'cov noXefiov KH q (6 8r\v ß dG iltv k lv Gv^tpiqsi — Alt. XlV. 14, 4. — Dgl. Bell. Jud. 1. 14, 4. — 3) Als die Großen des Frankenreiches damit umgingen, die verkommene Dynastie der Merovinger zu entthronen, schickten sie Gesandte nach Rom, „ad Zachariam Pa* pan», ut consulerent Pontificein de causa Kegum, qui in illo tempore fuerunt in Francia, qui notnen tantein Kegis, sed nullam potestatem regiuni habebant.“ Der Pabst soll darauf entschieden haben, „melius esse ilium voeari Keg«nt , apud quem summa pntestas consisteret“. — Man könnte nun in Versuchung geralhen, anzunehmen, daß die Römer bei ihrer Entthronung der hasmonäischen Dynastie von demselben Grundsätze, wie später der Pabst Z. ausgegangen sein. Man darf aber nicht übersehen, daß Ariftobul und Antigonus keine Childeriche waren. Daß namentlich Antigonus den stolzen Römern Respekt eingeflößt habe, beweist die große Eile, rvpmit ihn Antonius zu Antiochien und zwar auf so 21