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Der Orient · 1849-05-26 · Heft 21 (26.5.1849) · p. Seite 103

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 21 (26.5.1849)
Date
1849-05-26
Page
Seite 103 (sequence 5)
Language
German
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- 103 - ^beisteuern, mit beut fein Sohn gehängt werben sollte, ümD fand es doch so natürlich, daß sein Samuel Leder ffiir Kossuth lieferte und dabei feinen Provit hatte in diesen schlechten Zeiten. ß Die immensen Strafgelder blieben nicht ohne alle Wirkung. Die Gemeinden sahen die Unmöglichkeit ein, ^ihre einzelnen Mitglieder zu überwachen, darum gingen jjfte den sicherem Weg und schmuggelten als Corporation, wo das Erwischtwerden schwerer ist. Wahrend Saluuel und Mojes mit ihren christlichen Nachbaren Lajcs und Ferenez in den ersten Reihen der Magyaren tapfer fochten, bildeten die daheimgebliebenen Graubärte die Mittelglieder jenes ungeheuren Telegraphennetzes, welches sich von Wien bis Debrezin nnd von Arad bis Kommorn ansdehnte. Ihre weitverzweigte Handelsge-!schäfte, Correspondenten und Bekanntschaften kamen ihnen dabei vortrefflich zu statten. Was half's, daß man den Knoten des Briefgeheimnisses mit dem Sabel entzweihieb? Der Inhalt war immer unschuldig und unverfänglich wie die Augsburger Allgemeine. So schreibt z. B. cm ehrenwerther Graubart aus Waitzen an seinen Geschäftsfreund in Keresstur: ,,Reb Anschel gehl mit 14 Kister: schwerer Waare morgen zu euch auf den Jahrmarkt. Thu' alles was in Deinen Kräften steht, damit ihm unsere Freunde seine Waare abnehmend. — ^Verfluchtes Jndenpackl" höre ich den Offizier in der Kanzlei seines Chefs sagen, ,,daß mitten im blutigsten Kricgsgetümmel noch an seine lumpige Waare denkt." Der Geschäftsfreund aber weiß jetzt, daß Reb Anschel (die jüdische Uebersetznng von Alfred, dem Taufnamen des Fürsten) 14 Stück schweres Geschütz mit gehöriger Bedeckung gegen Keresstur beordert, und hat sofort nichts Eiligeres zu thnn, als die. guten Geschäftsfreunde, die Husaren, die zufällig an der Theiß spazieren reiten, davon zu benachrichtigen. Ist das dann ejn Balgen und Raufen um die schwere Waare! —Nach zwei Tagen schreibt der Geschäftsfreund zurück! „Reb Anschel ist glücklich hier angekommen und, hat brillante Massematten (Geschäfte) gemacht. Er hatte alle seine Kisten bis aufzwei abgesetzt. - Da hätten Sie denn ein Formular eines magyarisch-jüdischen Siegeöbullctins, das in wenig Tagen seine Runde durchs ganze Land macht. Ist es auch nicht besser deutsch geschrieben, wie eines von den 20 Armeebulletins, mit welchen Melden die Rebellen vernichtet hat, so denken Sie: Gott sicht auf's Herz und nicht auf den Styl. Die Ungarn haben das Herz, und Melden — den Styl." Wie Reisende aus Niederungarn mir heute erzählten, überraschte Kossuth vor Kurzen, die Großwardeiner Israeliten in ihrem Bethanse. Nach vollendetem Gottesdienste hielt er in seiner bekannten Weise eine Rede, worin er im Namen der Nation die Juden um Vergebung für den Jahrhunderte langen Druck bat, ihnen für die materiellen Opfer, wie für die Tapferkeit ihrer Söhne im Kampfe dankte und damit schloß, daß in Zukunft jede Verschiedenheit der Glaubensgenossen vor dem Gesetze aushören sollte. Ich muß noch am Schluffe Ihren Bericht aus Ofen (Orient Nr. 19) berichtigen. General Albert Dauneberg ist nicht aus Miskolz sondern in Groß-Kanischa geboren, wanderte frühzeitig nach Amerika aus und genoß seine erste militairische Bildung in den amerikanischen Freiheitskriegen; er war ein Gefährte Minaö, der in Mexiko von den Spaniern erschossen wurde. Danneberg hatte die Schlackten von Vera-Cruz, Cerro-Cords, Contrecas, Chercbusis, Chapultebck mitgemacht und 24 Stunden in den Straßen Mexiko'ö so tapfer gefochten, daß ihn Narben und Medaillen bedeckten. Bl.... U n g a r tu Ofen, 11. Mai. Der Altofner Judengemeinde ist vom Ofner Festungskommandanten eine binnen 24 Stunden zu entrichtende Geldstrafe von 20,000 fl. CM. anferlegt worden, weil neuerdings von Juden an die Magyaren verschiedene Lieferungen gemacht worden stnd. Man flehet daß der Windischgrätzische Geist noch immer bei der österreichischen Armee in Ungarn spukt. Pesch, 10. Mai. Eine glänzende Sühne für das Ranbsystem des kaiserlichen Henkerknechtes Windischgrätz hat der edle Kossuth so eben dargebracht; die Strafgelder, welche die hiesigen Israeliten jenem fürstlichen Räuber geben mußten, hat derPräsident der ungarischen Republik znrückgeben lassen, nnd er soll dabei geäußert Haber, baß er es nicht ertragen könne, baß die jüdischen Magyaren, welche stets mit ungeheuchelter Liebe für die Befreiung Ungarns gewirkt durch offi'ciette Räuber gedrückt werden sollen. Kossuth wird es schon wftseu, wie man dies von den Oesterreichern wieder einkasflrt. Die Begeisterung der hierländischen Israeliten für die Freiheit Ungarns, ihre unmittelbare Bethätigung am Kampfe und ihre großen Opfer, welche sie auch als Nichtkämpfer gebracht, ist in der Thal von großer Bedeutung und haben sie dadurch bewiesen, daß sie vollkommen in den Magyaren ausgegangen. Am Merkwürdigsten ist bei den ungarischen Israeliten die Sichaueignuug der magyarischen Sprache, ein Phänomen, welches auch für die Juden Rußlands und Polens eine tröstende Zukunft eröffnet. Vor 10 Jahren waren noch die Juden in Ungarn durch ihre Unkunde der Landessprache, durch ihre Uukcnntuiß der magyarischen Sitten und des ungarischen Lebens, herbeigeführt durch die . Jahrtausendlange Abschließungwie Fremdlinge, gerade so wie noch jetzt die Juden in Polen und Rußland; nach 10 Jahren ist dies ganz anders. Mar: hört schon das magyarische Wort von der Kanzel ertönen, dasVer-

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