Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1849)
- Date
- 1849-05-26
- Page
- Seite 104 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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104 ständniß des Magyarischen ist ziemlich allgemein, die Gebete, die heilige Schrift cirkuliren in magyarischer Sprache und fast ist es, als wäre ein Jahrhundert in pem Werke der magyarischen Nationalisirung Israels vorübergegangen. Die Juden sind nun echte Magyaren- Kinder, sie fühlen, streben, kämpfen, bethätigen sich für Uiigarn's große, herrliche Zeit, die Scheidewand der Sprache und Sitte ist gefallen und die edlen Magyaren wissen dies zu schätzen. Fragen wir nach der riesenhaften Macht, die bei fast 300,000 Juden so schnell, so urplötzlich diese Veränderung hervorgernfen, so ist es keine andere als die Macht der Befreiung von der tausendjährigen Schmach, welche der Reichstag sei' IOJahren redlich angebahnt und noch lange vor dem März 1848 zum Abschluß gebracht, die Freiheit, die man bei den Juden Emaneipation nennt, ist die einzige Göttin, welche über die Herzen des lange geknechteten Israel eine bezwingende Macht übt, sie ist die einzige, der sie ihre Jsolirtheit, ihre Absonderung, ihre Versteinerung opfern. Und wenn einst diese Göttin Ln Polen und Rußland mit dem Oetzweig des Menschenthumö vor Israel dort hintritt, dann werden wir auch die merkwürdige Erscheinung sehen, wie 2 Millionen Juden der östlichen Rational-Kultur urplötzlich seine Herzen erschließen. — Der in Ihrer Zeitung oft genannte Leo Holländer aus Eperies, schon seit 20 Jahren durch Bildung, Persönlichkeit und Reichthum ein Magnat, ist ppn Kossuth schon seit lange für die Mitwirkung im Finanzministerium gewonnen und er ist es vorzüglich, der bei der fast fabelhaften Kraftanstrengung der Magyaren sein geliebtes Vaterland vor finanzielle Unfälle bewahrt, wie er auch andererseits Oesterreich die empfindlichsten finanziellen Schläge beibringt. — Von dem Bombardement Pesth's im Aufträge der kaiserlichen Fürsorge für seine Völker werden Sie aus den Zeitungen erfahren haben und daß die Juden auch stark gelitten und noch leiden ist gewiß, aber nichts gleicht den großen Leiden, welche die Gemeinde in Ofen zu ertragen hat; von der räuberischen Horde im Kastel wie durch die Kriegführung wird Elend und Jammer, Tod oder bittere Armuth verbreitet und möge Gott geben, daß Ofen bald genommen werde, Großbritannien. London 10. Mai. In der Unterhaussttzttttg vom 7. d. M. kam abermals die Frage zur Verhandlung, ob Juden zu einem Sitz im Parlamente befähigt fein sollen oder nicht. Schon in voriger Session war diese Bill durch das Unterhaus gegangen, aber im Oberhause verworfen worden; für heute war ihre zweite Lesung unter der neuen Bezcichirnng einer Bill , betreffend den Parlaments-Eid, beantragt. Die Juden besitzen in England längst das Wahlrecht, und können auch zu Gemeinde-Aemtern erwählt werden, ihren Eintritt ins Parlament aber verhindert der Wortlaut des Parlaments- Eides nach der unter Wilhelm III. erfolgten Abänderung desselben, welche zuerst dm Satz „auf den wahren Glauben eines Christen" ausnahm. Die von Lord John Ruffel eingebrachte Bill bezweckte die Abänderung der fraglichen Worte, wodurch der Bedeutung des Eides kein Eintrag gethan wird. Sir R. Jnglis beantragte sechsmonatlichen Aufschub der zweiten Lesung , also Verwerfung der Bill, die dem Hause seinem christlichen Charakter nehme. Major Beresford unterstützte dies Amendement. Herr F. Peel, der Sohn Sir Roberts, der heute seine Jungfernrede hielt, sprach die Ueberzeugnng aus, daß man keinen Inden mehr vom Parlament anSschließen könne, da er zu allen anderen Aemtern und Würden bereits zngetasseu worden! sei und kein politischer Grund die Ausschließung länger recht/ertige. Uebrigens sei der alte Untcrthänigkeits- und Abschwörungs- Eid nicht auf Ausschließung der Juden berechnet gewesen, indem die Worte aus den wahren Glauben eines Christen gar nicht zum Wesen dieses Eides gehörten. Ferner sei es nicht mehr au der Zeit, aus religiösen Differenzen den Grund zu bürgerlicher Nichtberechtigung herzunehmen. Lord B. Ruffel nahm auch das Wort und machte sich über d'Jsraeli lustig, welcher in voriger Session die Bill mit Kraft .verfochten und jetzt aus Parteigründen schweige. Er spottete ferner über die angeblichen Gefahren, die dem englischen Christcnthum daraus erwachsen sollten, daß drei oder vier Juden etwa im Hause säßen. Herr Röbuck sprach unbedingt für die Zulassung der Juden und meinte, es dürfe ein Jeder im Hause sitzen, der an die zehn Gebote glaube.. Die zweite Verlesung wurde darauf mit 278 gegen 185 Stimmen genehmigt, und so zum zweiten Male der im vorigen Jahre vom Oberhanse verworfenen Grundsatz der Duldsamkeit aufrecht erhalten. Daß Großbritannien hiermit aufgehort habe ein christlicher Staat zu fein, werden wohl mir die Pharisäer der bischöflichen Kirche behaupten. Ich erwähne Ihnen noch, daß der als Schriftsteller rühmlich bekannte Lieentiat Thomas Talsoürd mit viel Wärme für die Maßregel sprach. Im Unterhause ist die Bill sicher; aber bei den. Lords drohen ihr schwere Gefahren. Veüeremv. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nage l.