Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1849)
- Date
- 1849-05-26
- Page
- Seite 102 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 - Leben treten. Auch einige Fälle Her Aufnahme, von jungen Migcu Israeliten bei Aemteru tu die Praxis erzählt man sich; dagegen sollen, wie man Hort, auf dem Lande die Stellungen der Juden an vielen Orten nach -wie vor sein. •: - •, - Leipzig, den 16. Mai. Ich will Ihnen aus einem größeren. Aufsatze der Grcnzboten ,/Zur neuesten Geschichte Ungarns^^ einige Stellen herausheben, die über die Stellung der ungarischen Juden zur dortigen nationalen Bewegung einigen Aufschluß geben. Der Verfasser leitet seinen Artikel mit folgenden Werten ein: „Seit der Zerstörung Jerusalems haben die Juden, wie bekannt-. sehr viel G<ld gewonnen und sehr viel Courage verloren. Von dem gerühmten Todesmuthe des alten israelitischen Volkes bei der Vertheidigung. ihrer Mauern und ihres Tempels hatte die jüngere Generation Kapital sammt Zinsen verzehrt, und ihre Feigheit einer nackten Klinge gegenüber „die um Gotteswillen losschießen könnte", mußte nethwendig viel zur Ernicderung dieses unglückseligen Volkes beitragen. Seit dem großen Revolutionsfahre 1848 haben die Juden, wie bekannt, sehr viel Geld verloren und sehr viel Courage gewonnen. Dieses Jahr 1848, diese Thürangel in der Historie, um welche sich die Geschichte der europäischen Völker mit einem kreischenden Ruck gedreht und ihre eisenbeschlagene Eicheuselte den Machthabern zugewendet hat, scheint somit auch einen Wendepunkt in der Geschichte der Juden abgeben zu wollen. Ans den kriechenden Feiglingen hat die. öffentliche Meinung plötzlich die furchtbarsten Wühler gemacht, ein Avancement, das allerdings über sich hinausgelcmfen ist, aber doch — ein Avancement! - Die ungarischen Juden standen zu ihren Glaubensgenossen in den übrigen Provinzen der Monarchie von jeher in demselben Verhältnisse , wie Ungarn überhaupt zu den andern Krcviländern. Das freie Naturleben des Volkes Hatte sich auch im Charakter des Juden abgespiegelt, er war weniger gedrückt als sein Glaubensgenosse in. Böhmen, Mähren und Galizien, darum ist er auch weniger feige, weniger kriechend, und die Vaterlandsliebe, welche der kaum emanzipirte Jude in Deutschland noch als Eierschale auf dem Kopfe tragt, läuft bei den Juden in Ungarn schon lange als ausgewachsenes Huhn herum. Dü reichen Jude« fahren übrigens mit vier Pferden und einem Husarenbevienlen auf, dem Kntschbock wie der erste Edelmann, dagegen sagt mancher arme Schelm unter ihnen ganz wie sein katholischer Nachbar: im Walde: „Hob' ich ehrlich' Auskommen, bin ich Räuber." ,,Sie sind alle gute Magyaren geworden und haben die Landessprache lieb gewonnen, so daß ich zu meinem Erstaunen in ungarischen Dörfern oft kleine Judenjungen traf, die gut magyarisch sprachen, aber vom Deutscher: keine.Ahnung; hatten, während es eine ausgemachte Erfahrungssache ist, das man in den übrigen Ländern Europa's, Frankreich mnd England nicht ausgenommen, nur sehr selten einen Hebräer findet, der nicht den jüdisch-deutschen Jargon spricht oder doch versteht.* Auffallend ist eö ferner, daß in allen zu Ungarn gehörigen Kronlärldern, die Juden ffch 'ohne Ausnahme dem Magyarismus zuneigen, bas Deutschthum gern verläugnen und dein Slaventhum immer abhold blieben. Der Slavismus war im Allgemeinen bisher nicht glücklich im Proselytenmachen, cs darf daher nicht sehr wundern, daß er auch den Inden nicht mundete. Das Deutschthum aber, me es in den k. k. Freistädten Ungarns durch den deutschen Städtebürger repräsentirt wird , konnte — wir müssen cs mit Leidwesen gestehen — dem Inden unmöglich viel Zutrauen abgewinnen. Denken wir dann noch, fährt der Verfasser fort, an die letzten Judenverfolgungen vom vorigen Jahr in Preßbrirg und Tyrnau durch deutsch e Städtebürger — in ui agyari s ch e n Ortschaften ist ähnliches n i e vorgekommen — daß ferner der ungarische Reichstag durch Kossuth's Motive schon vor dem März die faktische Emanzipation der Inden ausgesprochen hatte, so werden wir es erklärlich finden, daß die Juden Ungarns sämmtliche begeisterte Freunde Kossuth's und des Magyarenthums sind. „Das Ministerium Stadion-Schwarzenberg versprach den Feinden der Magyaren, alles , was sich deren Phantasie nur träumen lassen wellte, sie caresstrterr die Slowaken und die Serben und die Numainen, sie earcssirten den Banns und den Wojwoden geheim und öffentlich, kurz sie buhlten um die Freundschaft dieser Männer,' und vergaßen dabei an dre mächtigste der Nationen, die nie ungestraft vergessen werden darf, weil sie sich selber nie vergißt — sie unterließen es, sich die Juden zu befreunden , bxc allein von dem „großen, freien, einigen Oesterreich" nichts zu erwarten hatten, weil sie durch den ungarischen Reichstag schon emanzipirt waren. Ja, Windischgrätz that noch weit schlimmeres , er-.machte sich die Juden zu Feinden. Während andere Lieferanten utib Helfershelfer Kossuth's einfach mit Pulver und Blei abgethan worden waren, wurde den Judengemeinden, denen' ein solcher Verräther — als Patriot —- angehörte, das bei der Execution verpuffte Schießmaterial noch extra mit 20,000 Fl. CM. berechnet. Die Gemeinde sollte haften für jeden aus ihrer Mitte, daß er kein Leder oder Juchten schmuggle nach Debreczim; der Vater mußte zum Strick . Der Verfasser ist offenbar im Jrrthum, indem bekanntlich die engl., italienischen und französischen Juden weder dkutsch verstehen noch sprechen, und selbst nur ein kleinerer Theil. der Elsä'ßischen Juden sich der deutschen Sprache bedienen. Einzelne Ausnahmen findet man unter jedem Volke. Die polnischen ^Juden hingegen ssind die einzigen, die statt der Landessprache sich noch immer des jüdisch-deutschen Jargons bedienen.. Bl . . . .