Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 20 (19.5.1849)
- Date
- 1849-05-19
- Page
- Spalte 317-318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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317 Herausstellen, daß dieselbe zu weit gesucht und mit vieler Befangenheit gegeben worden ist. Abgesehen davon, daß bei dieser Deutung der in demselben Satze auch vorkommende „M ond" nicht paßt und deshalb auch vom Vers, mit Stillschweigen übergangen werden mußte, so ist überhaupt die Behauptung desselben, daß im Greiscnalter die psychischen Eigenschaften unbedingt verfinstert werden, gar nicht begründet; za der Talmud lehrt, daß im Gegentheile , der Geist des Gelehrten gerade im Greisenalter sich entwickele und vervollkommne; (2*. Sabb. 152.) was übrigens auch schon die Ansicht der Bibel ist, wo es heißt: Za, bei den Greisen ist die Weisheit und der Verstand bei den Alten (Hiob 12, 13.) und uns dieses ja auch die tägliche Erfahrung lehre. So z. B. ist der europäisch berühmte Gelehrte und Staatsmann Humboldt gegenwärtig über 8h Jahr alt; nun urtheile man aus seinem trefflichen, jüngst erschienenen „Kosmos" ob die Behauptung, daß sich im Alter die psychischen Kräfte verfinstern, gegründet sei. Dieses schien unser Vers, hinterher wohl eingeschen zu haben, und diesem vorbeugend, bemerkt er zwar nun auch, S. 7.) daß eine solche Geistesversinsterung im Greisenalter nur in jenen Fällen, wo wir nicht mehr den reinen wnb natürlichen Gang des menschlichen Lebens vor uns Haben, wo nebst der natürlichen körperlichen Gebrechlichkeit des Greisen noch Krankheiten manigsalriger Art auftreten und d,as Psychische stören, oder wo der Mangel einer frühern geistigen Entwickelung, oder das Auftauchen unangenehmer, beunruhigender oder nicht vorwurfsfreier Bilder aus dem vergangenen Leben demselben vorschweben, also nur im abnormen Zustande eintrete; allem es fragt sich, ob Salomo hier gerade eine Abnormität des Greisen bezeichnen wollt«; vielmehr geht aus dem Texte hervor, daß er zwischen derselben und dem normalen Grkisenalter gar keinen Unterschiedmache, sondern daß er nur rathe, die Zugendzeit gut zu benutzen, die den Menschen in so fern kostbar sein müsse, weil unmittelbar nach derselben nothwendig die Gebrechen und Hinfälligkeit des Greisenalters emtretcn, wo der Mensch unwiUkür-lich aus- . rufen muß: Zch will sie nicht! (Ibid. cap. 12, 1.) Denn wenn auch nicht selten in der Jugendzeit uns Gebrechen und Krankheiten aller Art verfolgen, so sagt schon Börne, daß sie mit dem Regen im Sommer verglichen werden können, her nicht blos bald vorüber gehn und unmittelbar nach ihm die Sonne wieder in ihrer vollen Majestät scheine, sondern auch üderdieß noch die Erde belebe und uns Wohlthaten mannigfacher Art erzeige. Nicht so die Gebrechen und Krankheiten des Greisenalters; da ist k ei n en Augenblick der Himmel klar, da regnet es Tag und Nacht fort und fort, und kaum hat eme Wolke sich ihrer schauerlichen Last entladen, so ziehen schon mue Wolken wie Reserve-Truppen heran. — Nach diesem Sirme müsse, meiner-Ansicht nach, auch obige Stelle im Kohelet ohne alle weitläuftige Deuteleien ganz einfach erklärt werden. Wie der Talmud diese Stelle erklärt/ siehe Tr. Sabbat fol. 152. — Was der Werst ibid. S. 21. von runn feflD') sagt, daß dieses letztere Wort im Hebräischen nebst Heuschrecke auch Sä 8 noch das obere hervvrstehende Ende des Hüftknochens bedeute, ist grundfalsch, und hat derselbe dieses Wort irrthümlich mit "ipBM verwechselt, (Vergl. Tr. Sabb. 152 und Raschi zu Kohelet a. ang. St.) Ibid. S. 22. Müht er sich vergebens ab, die Worte. — (die er „und wirkungslos ist die Kapper" übersetzt,) zu deuten, und schließt mit den Worten: dieses Bild werden wir wohl vor der Hand als unenträthselt auf sich beruhen lassen müssen. Die Erklärung derselben ist aber ganz einfach; es muß heißen: „zerstört ist die Wollust" von Radix ton, wollen, begehren. (Bergt, auch den Talmud, so wie Raschi zur ob. a. St.) Ich glaube übrigens nicht viel zu wagen, wenn ich auch die unmittelbar vorangehenden Sätze „ajrin ipnwi yNJ'i" wie folgend übersetze: „verkümmert wird die Eilfertigkeit" von rütfj Kummer und eilen (was auf das Phlegma der Greise und ihre langsame Unbeholfenheit hindeute); „lästig wird das Aerrgungsorgan" von Last, und 2^ entweder mit Verwechselung der Kehlbuchstaben für (Fürst's (Sone.) als Bedeutung der männlichen Genitalien, oder mit Verwechselung der Lippenbuchstaben für ,,wv' in der Bedeutung von Höhle, Spalte, m Beziehung auf die weiblichen Genitalien,* wo dann auch der sich unmittelbar darauf anreihende Satz: „denn zerstört ist die Wollust und der Erdensohn geht hin zu seiner Heirüath" sehr paffend ist, weil mit dem Verlöschen der Aeugungsfähigkeit, auch das Lebenspriucip als erloschen zu betrachten ist. — Ibid. S. 9—13. knüpft der -Verfasser an das Wort eine säst fünf Seiten starke Abhandlung über die Zahne, die wohl in ein Lehrbuch der Zahnarzneikunde, aber nicht im Mindesten hierher gehört. —„ Ibid. S. 28. Vermachet derselbe, daß der Selbstmord bei den Hebräern nicht verboten gewesen wäre; weil weder Moses im Pentateuche ihn verbietend erwähnt, noch der Selbstmord des Achitosel als Verbrechen gegolten haben müsse, da Letzterer noch vorher seinen letzten Willen cmssttzte und in seiner väterlichen Gruft begraben wurde. Allein was das erstere betrifft, so ist einerseits das Verbot des Selbstmordes auch schon in dem sechsten Gebote mit einbegriffen; da es dort ja nicht heißt.: Du sollst Deinen Nächsten nicht morden, sondern schlechtweg: Dur sollst nicht morden; also ohne Unterschied der eigenen oder fremden Person; andererseits dürste sich aber auch schon die Stelle im L. B. Mose 9/ 5. wo es wörtlich heißt: DDEH HN £THN DD'WD.ta „Auch werde ich eure Blutschuld am eignen Leibe fordern" auf den Selbstmord beziehen, sVergl, auch' Raschi zu dieser Stelle), da eine Blutschuld an seinem .Nächsten in dem unmittelbar darauf folgenden Verse durch die Worte: Dl DltO D^VT Dl "pW „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen wieder *) Daß übrigens solcher Ausdruck bei den Hebräern keineswegen als eine Nudität betrachtet werden konnte , beweist die Stelle in Jesaja 51, 1., wo eine ähnliche Bezeichnung vorkommt. — Kritiken. Friedrichs zur Bibel.