Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1849)
- Date
- 1849-05-19
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
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-99 — den. Es fehlt in ihr wahrer, Herz und Gemüth erhebender Religionsunterricht, jener Unterricht, der den Geist bildet, während er das Herz veredelt. Mit einem Worte: Synagoge und Schule sind verwahrlost. Seiner Leiche folgte eine unabsehbare Mcnschenmasse, und seit der Beerdigung des seligen Salomou Heine war hier kein solch großartiger Lcichenzug. Auch in unserer Gesetzgebenden Versammlung fitzen mehrere Juden, darunter Dr. G. Salomon, N. Frankfurter, Dr. R6e und Dr. Wolfsohn, die sich durch tüchtige Gesinnung und parlamentarische Fähigkeiten auszeichnen. Aus Bittern, 5. Mai. Unsere jüdischen Zustände sind bunt und kraus wie unsere politischen; hier ist die Reaktion noch verpuppt und wir haben weder eine oktroyirte Verfassung noch sind die allgemein-deutschen Grundrechte angenommen, und Gott weiß wie da§ anders wird. Baieru hat nicht den Muth, eine Verfassung wie Oesterreich zu geben und hat nicht denWillen, dem Volke eine wie Preußen zu bieten und ebendeshalb sind wir ganz rathlos und wir wissen nicht, was ans diesen Zustärlden werden soll. Aber die Stunde der Entscheidung naht. Die Pfalz ist aufgestanden und hat eine provisorischen Regierung eingesetzt, andere Provinzen Baierns sind in vollständiger Gährung und wenn wir auch gerade nicht behaupten wollen, daß die Revolution für die Reichsverfassung mit einem Siege gekrönt werden wird, so ist cs doch gewiß, daß diese ungeheuere Bewegung die Regierung zur Entscheidung drängen muß; zumal gerade die Unentschiedenheit alle Gemüther in Spannung halt. Wie die Geistlichkeit gegen Einführung der Grundrechte, namentlich in Bezug auf gewisse Paragraphe, worunter auch die Elnancipation, agitirt und intriguirt, können Sie denken, aber eine auffallende Erscheinung muß ich Ihnen erklären, die ich noch nirgend hervorgehoben gesunden. Der Ultramontanismus in Oesterreich war tatsächlich nicht gegen die Gleichstellung der Juden, wie überhaupt der KatholicismuS in allen denjenigen Ländern, wo er seine Alleinherrschaft^ ausübt, nicht gegen Juden ist; hier aber ist es anders. Der Kamps mit dem Protestantismus um die Herrschaft macht ihn bitter und gereizt und die Folge der Bitterkeit ist die Exklusivität. Dasselbe ist übrigens auch mit dem hierländischen Protestantismus der Fall; er ist der intoleranteste in ganz Deutschland. Frankfurt a. M.,?. Mai. Die großartige Versammlung des Märzverciuö, ihre imposanten Beschlüsse, werden Ihnen aus hm Zeitungen hinlänglich bekannt sein ^nnd ich kann Ihnen mittheilen, daß viele bedeutende Stimmführer in demselben Israeliten seien, womit ich blos andeuten will , warum im Allgemeinen bei dem großen Sturme, der durch ganz Deutschlands braust, für specicll jüdische Verhältnisse kein Sinn vorhanden ist. Die Juden insoweit sie den intelligenten Massen angehören sind in den Kampf der Parteien, m den Strudel der Ungeheuern politischen Agitation gerathen, und das Konfessi onelle ist ganz und gar verschwunden. — Unsere lokale verfassunggebende Versammlung hat wie sie wissen so ziemlich alle Freiheiten vorbereitet, zu welchen dieNeuzeit gedrängt, aber zu bedauern ist, daß noch immer dieser Akt der Freiwerdung nicht abgeschlossen ist. — Wäre die Zeit nicht so furchtbar bewegt, so wäre das Zustandekommen einer Synode zur Regelung fcrc jüdischen Verhältnisse gar nicht schwer; denn ich brauche es Ihnen wohl kaum zu sagen, daß wir die Idee keineswegs aufgegeben, obgleich, wie es scheint. Sie entgegengesetzter Ansicht sind. — Heute Morgen verschied hier die Mutter des weltberühmten Banquierhauses Baron voll Rothschild in einem Alter von 99 Jahren. U n g a r n. Preßburg, 3. Mai. (Aukündigung einer neuen Auflage des Werkes A k e d a t Jiz ch a k von I sa a k r!(tflttta.) Niemand wird wohl in Abrede stellen, daß es ein nicht kleines Verdienst ist, ausgezeichnete Werke, die ihrer Seltenheit wegen allmalig in Vergessenheit zn kommen drohen, durch neue Auflagen gleichsam wieder zu beleben. Das philosophische Werk prur> rrppj/, das ' klassische und gediegenste der hebräischen Literatur, Hai durch drei Jahrhunderte zwar nicht wenig Auflagen erlebt,* wurde aber dennoch immer so schnell vergriffen, daß es heut zu-Ta^e selten geworden, und. häufige Nachfragen darum geschehen. Ich habe es daher unternommen, eine neue Auflage dieses Werkes zu veranstalten. Ich darf mich wohl rühmen, daß diese meine neue Auflage alle bisherigen übertrifft, denn erstens erschien dieses Werk bisher immer in Einern Baude Folie, während ich es in fünf Bänden in Oktav-Format erscheinen lasse, eine Form, welche die jetzige Lesewelt sehr liebt. Zweitens, da der Verfasser dieses ausgezeichneten Werkes an vielen Stellen sehr dunkel ist, und. nicht von jedem Leser ohne außerordentliche Anstrengung begriffen werden kann, so ging ich einen rühmlich bekannten Gelehrten, Herrn Chajim Josef Pollak, Oberrabbmer zu Trebitsch in Mähren, an, dieses Werk mit einigen erläuternden Anmerkungen zu versehen. Dieser eben so edle als gelehrte Mann, hat meinem Wunsche nicht *) Diese philosophischen sind erschienen: Salonik, 1522, f.; Venedig, 1547, f. bei Cornelio Adelkind z ib* 1565, f.5 ib. 1573, f. bei Giov. di Gara; Id. 1595, s. bei Al. Bragadini. Von spatern Gesammtausgaben sind mir bLos bekannt Franks, a, £)„, 1785, f. Beigedruckt andern Werken wurden sehr oft Partien des 'Akeda. So z. B. wurde m einer Pentateuch-Ausgabe mit Largum, Raschi, Kizzur Mis- 'rachi zu den 5 Megillot der Akeda gedruckt: Riva di'Lrento, .1561, f. Der 'Akeda zu den 5 Megillot wurde noch gedruckt mit JW r'Öiy'D von Zs. Abravanel s. 1. 1644, f.