Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1849)
- Date
- 1849-05-19
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 98 - ihnen obliegende Pflicht erfüllten, ans eine derartige Auszeichnung Anspruch zu machen berechtigt waren, um so mehr suhlten sich dieselben dadurch geehrt. — Möge Ihr ferneres Wirken für die hiesige israelitische Gemeinde ein recht erfolgreiches und segensreiches sein. Leipzig nimmt an dem Wohle aller seiner guten Bürger gleiches Interesse. Der ich mit wahrer Hochachtung beharre crgebellster Franz Werner. Leipzig, am 29. April 1849. Proßnitz, 9. Mai. Ich bin jetzt im Stande, Ihnen bk Adresse, welche von den israelitischen Bewohnern der Krouläuder Mahren und Schlesien, Se. Majestät dem Kaiser überreicht wurde, ausführlich mitzutheilen. Die Adresse beginnt: „Als die gütige Versehnng Euerer Majestät das Szepter Über Oesterreichs Völker verlieh, boten AllerhöchstdiesUbm sogleich beim Antritte Ihrer glorreichen Negierung die Verheißung gleichen Rechtes unt> gleicher Freiheit als, Heil und Segen verkündenden Gruß allen Ihren Völkern. Mit innigstem Daitkesjnbcl wird dieses kaiserliche Wort von allen Söhnen des Vaterlandes als heiliges Unterpfand einer auf Gerechtigkeit und Weisheit zu erbauenden glücklichen Zukunft empfangen. Mit welchem freudigen. Gefühle mußten aber die jüdischen Söhne des Vaterlandes dieses Heil verkündende Wort vernehmen l War dieses Wort ihnen doch Bürge für die rechtliche Erfüllung ihrer Hoffnungen, für die endliche Sühne ihrer thranenreichen Vergangenheit, für das endliche Aufhoren ihrer Jahrhundert langen Leiden, war dieses Wort ihnen doch Bürge, daß endlich Fürst und Vaterland sie als ebenbürtige' Söhnen erkennen und sie als gleichberechtigte Brüder unter Brüdern ihn freien Kräfte auf dem vom Recht und gesetzlicher Freiheit getragenen Boden zum gemeinsamen Heile, des Vaterlandes entfallen lassen werde. Wirs damals Hoffnung war, ist heute bereits Erfüllung geworden; was damals als ftcndige Aussicht tröstete, ist heute bereits zur beglückenden Wahrheit gereift, rmd Ew. Majestät verdanken wir auch diese Erfüllung und Wahrheit. Er^. Majestät haben unterm 4. d. M. als ersten Grundsatz der Anerkennung rlnd des Schutzes der Ihren Völkern gewährleisteten politischen Rechte zu verordnen geruht: Der Genuß . der bürg erliche» und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig. Euere Majestät l Mit diesem Aussprache haben Euere Majestät Hunderttausend Bewohner Ihrer Lander zu neuem bürgerlichen und politischen Dasein gerufen, Hundertiausendeu bisher der freien sittlichen Entfaltung ihrer Kräfte beraubten Menschen den Segen des Rechts und der Freiheit eröffnet, Hunderttaüsenden bisher dem Elend und der Verachttutg Aeberlaffencn die Anerkennung ihres Anspruches auf Heil, die Anerkennung ihrer Menschen- und Bürgerwürde gebracht, und haben Sich dadurch ein ewiges Denkmal in ihren, ihrer Kinder und Kindeskluder dankerfüllten Herzen gestiftet. Geruhen Euere Majestät den Ausdruck dieses von allen jüdischen Herzen getheilten DankeS huldreichst entgegenzunthmcn, eines Dankes, der, wir fühlen es tief, nicht in Worten , nicht in Zeichen, sondern nur dann seine windige Lösung finden kann, daß wir mit dem ganzen Aufgebote aller unserer Kräfte das einzige Zieh zu erstreben bemüht sein werden, den weisesten, würdigsten Gebrauch des neugewonnenen Rechtes, der neugewonnenen! Freiheit zu machen, und mit treuester Hingebung das Heil des gütigsten und gerechtesten Fürsten, das Heil des uns jetzt doppelt theuer gewordenen Vaterlandes zu fördern. Möge die gütige Vorsehung, das begonnene Werk der Wiedergeburt deS Vaterlandes recht bald mit den: Segen des Heiles und des.Friedens krönen, und Euere Majestät in einer langen gesegneten Regierung LaS süßeste lohnendste Bewußtsein genießen lassen, der Beglücker Ihrer Völker, der Vater des Vaterlandes zu sein." ' Se. Majestät erwiedertcn, mit Vergnügen den Dank der jüdischen Mährer und Schlesier zu einvfangen, und hoffen, daß die null vollendete Gleichberechtigung aller Stämme und Volker dazu beitragen werde, daö Band der Liebe und Eintracht um alle Völker immer fester zu schlingen. Hamburg, 8. Mai. Am 3. dieses war die^ Beerdigung des am Dienstag plötzlich dahin geschiedenen ersten Geistlichen der, hiesigen deutsch - israelitischen Gemeinde, Herrn Dr. Isaak Bernays. Derselbe war zu Mainz im Jahre 4793 geboren und hat den talmndischen Unterricht bei dem dortigen als Talmud ist höchst berühmten Rabbiner Herrn Herz Sch a y er, genossen. Seine wissenschaftliche Bildung erlangte er au der Universität zu Würzburg. Er war der Verfasser des damals so viel Aussehen erregenden , anonym erschienenen Bibelffcheu Orient. Sein scharfer Geist, wie sein Wissen waren ausgezeichnet, dabei war er ein mieigennützi-- ger und im. Umgänge sehr angenehmer Mann; schade nur, daß wir ihm in Hinsicht seiner Wirksamkeit nicht dasselbe Lob spenden können. Er war ein Anhänger des starren Orthodoxismus, der durch feilten Tod eine starke Stütze verliert. An dem Verblichenen ging die vormärzliche Zeit mit ihren religiösen Wirren spurlos vorüber und während seiner 27jährigen Amtsführung wurde -auch nicht die mindeste Kuttnsreform hier eingeführt. Anregungen hierzu, die selbst von orthodoxen Mitgliedern der Gemeinde ausgingen, fanden an ihm einen heftigen Gegner. Auch für die Jugmdbildnng hat er wenig gethan und die unter feiner speeiellen Aufsicht gestandene Talmud-Tora-Schule steht noch beinahe auf derselben Stufe, auf der sie vor 27 Jahren, gestan-