Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1849)
- Date
- 1849-05-05
- Page
- Seite 91 (sequence 5)
- Language
- German
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91 sterung wollen wir in die Reihen unserer Brüder treten, Gott, Kaiser und Vaterland! sei unser Losungswort, sei das große Ziel, für das wir leben und sterben." Se. Majestät crwiederten diese Adresse mit folgenden Worten: ,,Jch empfange mit Vergnügen den Dank der Israeliten Böhmens. Die von mir verliehene Verfassung gewährt allen Stämmen dieselben Rechte, sowie dieselbe jedem Einzelnen die Pflicht auferlegt, das Seimige beizutragen zum Wohle des Gesammtstaaies. Ich vertraue darauf, daß sie von dieser Aufgabe durchdrungen, sich deren Ausübung angelegen sein lassen werden." Hierauf geruhten Se. Majestät an die einzelnen Mitglieder der Deputation noch huldreiche Worte zu richten und sie gnädigst zu entlassen. In Prag ist die Auswanderurgölust nicht erkaltet, und viele Vereine unterstützen dieselbe, wobei derjenige besondere Erwähnung verdient, welcher von wohlhabenden Israeliten gegründet, und eine Frcischule zur Erlernung der englischen Sprache für unbemittelte Auswanderer stiftete. Dieselbe Neligionsgcscllschaft unterstützt auch mittellose Gewerbsleute durch Vorschüsse, welche sie ohne Zinsen in wöchentlichen Raten zu 20 £i*. zuruckzahlen läßt. — Mislowitz, 15. April. Lange habe ich geschwiegen und Ihnen nichts für den Orient mitgetheilt, weil ich in Galizien und im krakauer Gebiete die Zeit verlebte, weil ich wie eingekerkert war, ein Sklave gebunden an Händen und Füßen, ein Schloß (vormals ^Zensur" jetzt,Belagerungszustand" genannt) auf den Mund, und da sagte ich ny, denn unter solchen Umständen ist das Briefgeheimnis) nichts weniger als unverletzlich, und sollte ich auch konservativ schreiben , ich will es da nicht wo ich es muß. —■ Ich bin Gott lob jetzt frei in Deutschland, die Zunge ist mir gelöst,- ich fühle den drückenden Alp des Militärregiments von meiner.Brust abgenommen, ich kann ohne mich zu kompromittiren, die Wahrheit sagen, und weil ich opponiren kann, will ich konservativ sein. Die ertheilte Emaneipation hat große Freude und Ueberraschung bei den hiesigen Juden Hcrvcrgerufen und die österreichische Regierung hat hier einen thatsächlichen Beweis, wie man nur durch Milde, Gerechtigkeit und Humanität die Herzen selbst von Gleichgiltigen (denn solche kann man mit Recht die hiesige Judenschaft nennen) gewinnen könne. Nur ist sonderbar die kalte ja böswillige Aufnahme des §. 1 der österreichischen Grundrechte von Seiten des polnischen Bürgerstandeö, der nur von Egoismus und Gewerbeprivileginm geleitet, hier wie überall in der Gleichstellung ein Unglück für die christliche Handelswelt wittert, und mit scheelsüchtigen Augen die humanen Maßregeln der Regierung ansieht, ich sage hier mitZuversicht die Trostworte des Psalmisteu 'iD D'NDin lonv die Judenfeinde werden verschwinden oder sich verkriechen müssen, und die Emaneipation wird auch praktisch ins Dasein treten. — Unser Ex-Deputirte Meisels hielt am Sabbat nach der Bekanntwerdung der Grundrechte in der hiesigen Synagoge eine Derascha, die zwar im jüdisch-deutschen Jargon gehalten, aber an Inhalt und Takt nichts zu wünschen übrig läßt. Die Geschichte mit dem. hiesigen Präsidenten Michalvwsky, der sehr feindlich der Judensache gesinnt ist, haben Sie gewiß der Breslauer Zeitung bereits entnommen, ich glaube nicht daß M. einen Funken eines echten Polen hat, sonst würde er nicht seiner eigenen Angelegenheit so schaden können, Oesterreicher ist er gewiß auch nicht, denn er verleugnet die Grundsätze seiner eigenen Regierung, was ist er denn eigentlich? Antwort: Ein schlechter Mensch und ein nm Der Mann wird bestimmt nicht lange am Ruder bleiben, populär ist er lange nicht gewesen, und kann es nimmer werden. Dm. Breslau, im Aprkk. Ich theile Ihnen den hier erschienenen Plan, um die Gemeinde-Verhältnisse zu ordnen mit. „Plan zur einstweiligen Regulirung der Gemeinde-Verhältnisse der Israeliten-Gemeinde zu Breslau. Die religiösen Zerwürfnisse der hiesigen Gemeinde hatten es zur Folge, die Auflösung aller ihrer Verhältnisse herbeizuführen. Es blutet das Herz eines jeden soliden Mitgliedes der Gemeinde, zu bemerken, wenn in einer deutschen Gemeinde, die durch Wissenschaftlichkeit und Milde sich auszeichnet, die Armen für die Zukunft darben sollen, Beamte ohne Gehalt, , und die Schuljugend ohne religiösen Elementarunterricht bleiben sollen. Die Differenzen beziehen sich doch blos auf religiöse Gegenstände und die Geistlichen der verschiedenen Parteien, hingegen herrscht in Hinsicht der Unterstützung der Armen, der Zahlung der Gehalte an Verwalt«ngs- Beamten, und des religiösen Elementarunterrichts eine vollkommene Uebereinstimmung, und es gereicht wahrlich der Breslauer israelitischen Gemeinde zu keiner Ehre, daß sie in Hinsicht der Herbeischaffung und Befriedigung gedachter Gemeinde-Bedürfnisse hinter der kleinsten Gemeinde selbst im Großherzogthum Posen zurückstehen soll. Wenn nun in Hinsicht der religiösen Wirren keine momentane Ausgleichung beider Parteien möglich ist, und deßhalb die Bestimmungen der Gesetzgebung abzuwarten sind, so ist dieses doch nicht der Fall in Hinsicht der andern Bedürfnisse der Gemeinde, deren Befriedigung der Wunsch eines jeden rechtlichen Gerneindemitgliedes ist. Daher ergeht gegenwärtiger Vorschlag, die definitive Regnlicung der Gemeinde- Angelegenheiten bis Weihnachten dieses Jahres oder bis Johanni k. I. auszusetzen, hingegen die vorläufige theilweise Regulirung, Behufs der Genügung der unabweislichen Gemeinde-Bedürfnisse schon jetzt stattsinden kann. 1. Die Beträge der Ausgaben für jene Zwecke sind wie folgend: