Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1849)
- Date
- 1849-05-05
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 90 — erklärt, hat sehr viel beigctragen zur Festsetzung des Grundsatzes der Gleichheit aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze, ohne Unterschied des Glaubens. Sie zeichnet sich aus eben so durch gründliche Kenntniß der Geschichte wie auch durch fleißige und umsichtSvelle Benutzung der Quellen. Es ist daher dieser Schrift ihres gediegenen und anziehenden Inhaltes, sowie ihrer Einkleidung und herrlichen Sprache wegen, eine größere Verbreitung zu wünschen, um somehr, da überraschende Thatsacheu in Betreff der 'früheren Judenverfolgungen äus den besten Quellen dargeboten werden. Auch im Anhalt-Dessauischen ist die Emaneipation zur faktischen Wahrheit geworden, indem Dr. Gustav Philippsou als Abgeordneter der dortigen Kammer gewählt und der Kaufmann H erzfetd als Bürgermeister der Stadt Grobzig ernannt worden ist. Wir sehen also in kurzer Zeit zwei Juden, die als Bürgermeister fungiren. Bl. Berlin, 28. April. Bei der neuen Organisation der hiesigen jüdischen Gemeinde sind auch das Mitglied der ersten Kammer, Geh.Kommerzienrath Wilhelm Beer und das Mitglied des Magistrats Dr. Jacobson sehr thätig. Die Ausführung der allgemeinen Vorsteher- Wahlen erlitt durch die Bestimmungen des Belagerungszustandes einigen Aufschub, da man nämlich, obgleich der Gegenstand von aller politischen Natur entfernt ist, doch keine Vor- und Wahl-Versammlungen ohne Genehmigung der Behörde auordnen wollte. Auch von Seiten der im Schooße dieser Gemeinde noch künstlich genährten Orthodoxie werden dem Organisationsgeschäst hier und da Schwierigkeiten bereitet, und das Acltesten- Kollegium mußte schon gegen Gemeindebeamteu seine Autorität durch Verweise geltend machen. TVorms, 12. April. Die Emaneipation hat bereits arrch in uuserm kleinen Ländchcn Früchte getragen. Hier wurde dieser Tage ein Jude aus freier Wahl der Gemeinde als Oberbürgermeister mit 1200 Fl. Gehalt installirt, und auch später zur Großherzoglichen Tafel gezogen. Wer die früheren harten Bedrängnisse der Juden in Worms mit den fetzigen Zuständen vergleicht, wird über unser wunderbares Geschick staunen müssen. Prag, 19. April. Am 16. d. M. wurde einer Deputation der Israeliten Böhmens von Sr. Majestät dem Kaiser in Olmütz eine Audienz ertheilt, wobei dieselbe ihren Dank für die verliehene bürgerliche und politische Gleichstellung in folgender Adresse ehrerbietigst vortrug: „Ew. k. k. apostolische Majestät! Tiefbewegt, aber freudigem Herzens wagen wir vor Ew. k. k. Majestät geheiligten Throne zu erscheinen, um im Namen der gesammten böhmischen Judenschaft unfern tiefgefühlten Dank für das kaiserliche Wort auszusprechen, welches uns, so wie viele Hunderttausende unserer Glaubensgenossen, aus der Schmach vergangener Jahrhunderte befreite und bürgerlich uut? politisch als gleichberechtigt mit den übrigen Staats-Angehörigen erklärte. Und indem wir mit Wehmuth noch einmal den Blick in die Vergangenheit aus nnnmehro Hingeschiedene Zustände werfen, wo wir in dein uns 'mit Gott verbindenden Glauben nur eine trennende Scheidewand, in dem freien Bekenntuiß eine lähmende Fessel erblicken mußten,-so geschieht es blos in der Absicht, um an dem uns bisher.Versagten die Größe des Gewährten zu ermessen und so das Gefühl der Dankbarkeit gegen Ew. k. k. Majestät in unauslöschlichen Zügen unseren Herze.» einzuprägen. Nicht die materiellen Vortheile, nicht die in Folge der von Ew. k. k. Majestät den Völkern gnädigst verliehenen Verfassung im weiteren Umfange auch uns zu werdenden Rechte fmt> es, die unser Herz mit Jubel und mit froher Aussicht für die Zukunft erfüllen, nein! mehr als alle Rechte gilt uns das Recht, und mehr als alle Güter der Welt gilt uns die Freiheit. Aber der Gedanke, nun einem großen Vaterlande anzugehören, das uns nicht mehr als Schützlinge m kümmerlicher Weise duldet, sondern in uns seine gleichberechtigten Sohne erblickt, der Gedanke, eine Heimath gefunden zu haben, in der wir mit allen Fäden unseres Lebens und Strebens, mit allen unseren Hoffnungen und Wünschen festwurzeln können, dieser Gedanke ist es, der uns mit ungetrübter Farbe durchdringt und zum innigsten Dank gegen Ew. k. k. Majestät und gegen Gott, der das Herz der Regenten lenkt, begeistert. Was unsere Vorfahren nicht hatten, und was wir noch schmerzlicher als sie entbehrten, ein freies Vaterland, das werden wir, als heiliges Vermächtniß empfangen, ans den treuen Vaterhänden Ew. k. k. Majestät, auf unsere Kinder vererben und mit ihm unsere unvergängliche Liebe für dasselbe und die begeisternde Bereitwilligkeit, Gut und Blut dafür zu opfern. Und indem wir unsere unwandelbare Treue und Anhänglichkeit an unseren Kaiser und Herrn / von welchen wir stets durchdrungen waren , vor Gott dem Allwissendm wiederholt bezeugeil und betheuern, geben wir zugleich die heilige Versicherung, daß wir die an uns sich nun freier entwickelnden Kräfte zum Heile des Gesammtstaates, zur Ehre des Vaterlandes und zum Frommen unserer Mitbürger verwenden und gebrauchen wollen. Im Geiste des von Ew» k. k. Majestät angenommenen Wahlspruches: „Viribus unilis“ wollen auch wir uns iin brüderlichen Vereine mit den treuen Bürgern des Reichs um den Thron schaaren und mit allen uns von Gott verliehenen Mitteln des Staates Heil fördern und kräftigen. Und sollte der Moment kommen, wo das Vaterland der treuen Hingebung aller seiner Söhne bedarf, wo es sie Alle zum äußersten Kampfe ruft, dann sollen auch unsere Herzen warm schlagen in frischer, lebendiger That , in treuer Hingebung und liebender Aufopferung. Muthig und in freudiger Begei-