Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1849)
- Date
- 1849-04-28
- Page
- Seite 87 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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87 Erfolges erfreute. Unter den Zuhörern befanden sich Grillparzer, Hebbel, Münch-Sellinghausen. Bl..... Olmütz, 9. April. Die besseren Rabbiner unseres Landes streben mit aller Macht dahin, eine bessere Organisation der jüdischen Gemeinde-Verhältnisse zu erzielen und in der That ist solches bei der neuen Stellung der Juden zum Staate höchst nothwendig. Unser gelehrte Fasset hat für sein Werk ,,Tugelld- und Rechtslehre" ein schönes anerkennendes Dankschreiben vom Kaiser bekommen und als er mit in der Deputation der jüdischen Mährer am 28. März vor dem Kaiser erschien , wurde er vom jungen Kaiser erkannt und mit Auszeichnung angeredet. Wie wir Hörern, ist Hr. Fasse! gegenwärtig mit der Bearbeitung eines Werkes Mischpte El 'Dora) beschäftigt, welches das mosaisch-rabbinische Eivilrechl behandelt; der erste Theil dieses Werkes, das Personmrccht, ist bereits fertig und soll nächstens im Drucke erscheinen. Aus Mähren , im April. Zu den wichtigen Erscheinungen im literarischen Gebiete der jüngsten Zeit gehört unstreitig das in den letzten Monaten des Jahres 1848 erschienene Werk: „Tugend- und Rechtslehre, bearbeitet nach den Prinzipien des Talmuds und nach der Form der Philosophie von Hirsch B. Fassel, Rabbiner zu Proßnitz." Dieses Werk läßt nicht nur einen tiefen Einblick in das Tugend- und Rechtsprinzip des Talmuds machen, sondern beleuchtet auch die Absicht der Apostel bei der Stiftung der neuen Religion, und wie sie ganz im Sinne des rabbinischen Jndeuthums gehandelt haben. Der bochberühmte Gelehrte, Präsident der k. t Akademie der Wissenschaften, Hr. Dr. Baron von H a mmer-Purgstal spricht sich in einer Zuschrift an den Verfasser üü. Wien den 26. März 1849, sehr belobend über dieses Werk aus, unter andern sagt dieser tiefe Denker: „Zeitgemäßer könnte ein solches Werk unmöglich erscheinen, als in dem gegenwärtigen Zeitpunkte, wo so manche Ihrer Glaubensgenossen als Herausgeber schlechter Blätter alle Grundsätze der Tugend- und-Rechts-' lehre bei Seite gesetzt haben, da muß ein solches Werk die Christen überzeugen, daß diese Verkehrtheit schlechter Politiker nur denselben allein, aber nicht den im Talmud enthaltenen Prinzipiender Tugend- und Rechts- Lehre zur Last fällt." Roch belobender spricht sich der .nicht minder als Gelehrter anerkannte frühere Staatssekretär, Herr Dr. Baron von Feuchtersleben in einer Zuschrift an den Verfasser über dieses Werk aus. Da eine solche Zuschrift eines so hochgestellten Mannes, den Schreiber eben so-ehrt als den Empfänger, so möge dieselbe in Extension hier ihren Platz finden. „Herrn Hirsch B. Fassel, Rabbiner in Proßnitz. Geehrter Herr! Entschuldigen Sie gütigst durch die zeitraubenden und dringlichen Verhältnisse, welche mit der Ablegung meiner ministeriellen Stellung verbunden waren, und.mir jede Muse und jeden Impuls zu wissenschaftlichem Verkehr verleideten, — daß ich Ihr mir schon vor so langer Zeit zugekommenes Werk: „Tugend- und Rechtslehre" erst jetzt zum Gegenstand meines Dankes und meiner achtungsvollen Anerkennung mache. Die Lektüre desselben gehörte zu den ersten reiner« Genüssen, die meinem Geiste nach einer Reihe verworrener und durch das- Zwischcnwirken materieller Interessen und egoistischer Kämpfe vielfach getrübter, schwieriger und dabei noch persönlich verantwortlicher Aufgaben — wie zur innem Erholung gegönnt waren, und ich bitte meinen Dank dafür, wenn er auch spät kommt, als nicht minder empfunden, anzunehmen. Ihre höchst schätzbare Schrift ist ein erster Schritt in einer wissenschaftlichen Angelegenheit, welche m ihrer inuern und äußern Bedeutung für die Kenntniß des geschichtlichen und wissenschaftlichen Zusammenhanges philosophisch-politisch und religiöser Entwickelungen von großer Wichtigkeit ist. Möge er nicht der letzte bleiben! Möge der Werth der talmudischtn Ueberlieferung, den tiefer blickende Forscher nie verkannten, immer deutlicher und anerkannter werden, und dadurch allmätig Vorurteile verschwinden, die leider noch so hartnäckig der höher« Einigung der Menschheit sich in den Weg stellen! Nehmen Sie, geehrter Herr, dafür, daß Sie zu dieser Erkenntnist auf dem Wege der Wissenschaft beigetragen haben, den Ausdruck der Hochachtung an, mit der ich verharre — — Feuchter sieben. Wien, am 1. Februar 1849,." Wo solche Stimmen christlicher Gelehrten für ein rabbinisches Werk sich erheben, benöthigt es zur Anempfehlung keiner weitern Worte. S. F. Leipzig, 14. April. Das hiesige „Tageblatt" veröffentlicht Folgendes von zwei'der christlichen Zuhörer, die bei der in der vorigen Nummer gemeldeten Emancipatlonsfeier in Leipzig anwesend waren. Der Verfasser des untenstehenden Gedichtes ist ein christlicher Geistlicher ans Gotha: „Die Eman eip ationsfe i er der hiesi g en israelitischen Religionsgemeinde. Dem Einsender wurde am vergangenen Ostertage der hohe Genuß zu Theil, in der hiesigen Synagoge der Geist und Herz erhebenden Emaneipationsfeier der durch die deutschen Grundrechte ihrer natürlichen Menschenrechte endlich theilhaftig gewordenen Israeliten beizuwohnen. Nicht vermag es die Feder, den tiefen Eindruck zu schildern, welchen die gehaltreiche, mächtig ergreifende Predigt des Herrn Dr. Jellinek auf die anwesenden Bekenner verschiedener Religionen hervorbrachte; aber verpflichtet hält sich der Unterzeichnete, seine Mitbürger aufmerksam zu machen auf das seltene Talent der hin-