Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1849)
- Date
- 1849-04-28
- Page
- Seite 88 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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88 reißendsten Beredsamkeit des gedachten jugendfrischen Predigers, sowie die zuvorkommende Aufnahme in jenem Tempel anerkennend zu rühmen. Hoffentlich erscheint auch dieser erwähnte ausgezeichnete Vortrag recht bald im Druck, weshalb hier Durch näheres Eingehen in denselben nicht vorgegriffen werden soll. Lassen Sie, meine theuern Mitbürger! uns nicht zurückstehen gegen andere christliche Gemeinden, freuen wir uns vielmehr über das Zusam menstürzen der Scheidewand einer barbarischen Zeit, welche einen achtungswerthen Theil unserer Mitmenschen derjenigen Rechte beraubt hatte, die ihm nur die höchste Ungerechtigkeit vorenthalten konnte! Möge aber auch jenen, außerhalb unsers schonen deutschen Vaterlandes noch unter dem Drucke ungerechter Gesetze in Knechtschaft schmachtenden Israeliten recht bald die Morgenröthe der Freiheit aufgehen! und all, überall die christlichen Bruderhände sich ihnen darbieten, um sie Liebend auf den schönen Pfad der Freiheit zu geleiten! Das walte Gott! K...n. Gruß aus der Ferne an A. Iellinek. Ich weilte an der Pleiße Strande Au knüpten treuer Freundschaft Bande Mit manchem Manne ehrenwerth. Da Hort' ich in des LempcSs Pforte Der Lehrer heyre Gottesworte Und wie man seinen „Meister" ehrt. Au Dir auch lenkt' ich nielne Schritte, Erschien in Deiner Brüder Mitte, Sah beten sie zu . Gott dem Herrn; Und als Du sprachst zu Deinem Volke, Da schwand des Vorurtheiles Wolke, Ich sah der Liebe Hellen Stern. ' Heil Israel, wenn solche Lehrer, Der echten Liebe wackre Mehrer, Als Vorbild Dir zur Seite stehn. Möcht' Freund es dir durch Den gelingen, Aum schönsten Aiel empor zu dringen, Au dem wir als zum Vater stehn. Glück auf! Glück auf! damit die Erde. Voll Eintracht und voll Liebe werde, Besiegt des Aberglaubens Macht. Du waltest, Gotc, stets über allen; Laß uns durch Tugend dir gefallen! Es schwinde Wahnes Mitternacht! F. Pf. aus G. Uuffee, 15.Aprjl. Auch die Juden Oesterreichs oder richtiger die Oesterreicher jüdischen Glaubens, sind emancipirt, sie sind keine Heloten mehr. Spießbürger, Diener der alleinseligmachenden Kirche und manche Bure aukraten rümpfen die Nase; aber sie müssen gute Miene zum bösen Spiele mache. Das Schönste an der Sache ist : unsere Feinde müssen zugestchm „V?N.Jn?)DD Nta", Verlag von C. L. Fritzsche. was sie, hatte uns der Neichöiag emancipirt , in Frage oder gar in Abrede gestellt hatten.' Und dennoch, dennoch, noch baumelt der Zopf hie und da. Hie und da schieben Beamte noch die ,,Osterkompeienz" und die Vermögensschatzrmg aus. Sie müssen, meinten sie, die alten Gesetze so lange handhaben, bis neue Gesetze erscheinen. Dies ihr einziger und letzter Trost. Diesen Herren ist das ein zu großer Sprung, das jüdische Lastthier mit Eins in einen Menschen zu verwandeln. Atlmälig hatte der Jude zu seiner Menschenwürde gelangen sollen, par exeinple, ein halbes Jahrhundert hätte es jüdische Centauren geben können, halb Thier, und halb Mensch : in natura non esfc sallus. Seiht spricht das Oktroi in deutlicher Sprache: die bürgerlichen und politischen Rechte sind von dem Religionsbekenntnisse nicht abhängig. Der Hr. Landesrabbincr Hirsch mit mehreren tüchtigen Männern, als Hr. Ledrer aus Tricsch, einer wahren Zierde Mährens, Hr. Jakob Löwi, einer hervorragenden Persönlichkeit, Hr. Rabbiner Fasset und Weiße, die alle, nebst mehreren Individuen zum Konnte gehören, haben bereits dem Kaiser eine Dankadresse überreicht, die er wohlwollend hingenominen und beantwortet. — Mehrere Brautpaare, die nicht mehr Willens sind, aus dm Tod eines greisen Fmnilianten zu harren und zu warten, haben bereits ihre Gesuche wegen Hcirathsbewillignng höherii Orts emgelwacht, weil sie niedern Orts abgewiesen worden.* Nous Tcrrons.- Oesterreichische Nebenländer. Brody, 12. April. Ich habe Ihnen Angenehmes mitzulheilen, es hat sich bereits lhatsäch!ich bewiesen^ daß die Inden wirklich emancipirt sind. Im hiesigen Zollamte ist ein Jude als Praktikant, im Lemberger Landesguberninm als Conceptspraktikant angcstellt. Manche verknöcherte Bureäukraten behaupten zwar, die Emancipation trete erst-in Kraft , wenn die Verfassung beschworen worden; aber solch ein Ecuwand widerlegt sich wohl von selbst. Der Kaiser selbst verkündete die Konstitution von dem Augenblicke ihres Erscheinens als giltiges Grundgesetz des Staates, und es existirt demnach kein vernünftiger Grund, dem Volke einer bloßen Form wegen-gewährleistete Rechte ans wer weiß wie lange, zu entziehen. Dennoch ereignen sich hier derartige Fälle. Man will noch immer christliche Häuser auf Juden nicht übertragen, indem die Beamten vorjchützen, sie müßten dazu im gewöhnlichen Amtswege Auftrag erhalten. Bekanntlich war es den Inden verboten, von Christen Häuser zu kaufen, und sie waren daher bei solchen Anlässen gezwungen, das Gesetz zu umgehen, indem Christen nur ihren Namen dazu hergaben, und der Jude blos mit einer Geldfordernng ans dieser Realität stgurirte. Das ist sehr unrecht, da sie weder niedern noch höhern Orts anzufcirgen brauchen, sondern sie sollen ohne alle Anfrage gerrant werden. Red. Druck von I. H. Nagel.