Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 16 (21.4.1849)
- Date
- 1849-04-21
- Page
- Spalte 245-246 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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24« Kritiken. Friedreich, zur Bibel. 345 Bä'dcr über, zu den Krankheiten und Ansteckungen, welche durch sie veranlaßt werden können. Durch das plötzliche vntertauchen unter ein mit der Temparcitur des menschlichen Körpers oft in keinem Verhältnisse stehendes Sumpfwaffcr, .n einer finstern und Erstarren bringenden Höhle, wird entweder die allgemein pathologisch aufgeregte Sensibilität hervorgerufen, die den ersten und wichtigsten Grund zu schmerzhaften und spasmodischen Krankheitssormen, zu Hysterie, Rheumatismus, Gichr 2c. legt. Ebenso nachtheilig wird ein solches kaltes Bad dadurch, daß durch die plötzlich bewirkte Kontraktion des Uterinalgefäßsystemes entweder Stockungen im Kreisläufe des Genital- und Pfortadersystems hervorgebracht werden, die entweder allmalige organische Destruktionen des Genitalsystems oder der Hämorrhoidalgefa'ße, oder cm zahlloses Heer krankhafter Erscheinungen einer dadurch bedingten abnormen Verfassung des Menstruationsgeschäftes zur unausbleiblichen Folge haben; woraus so oft Herzklopfen, allgemeines Zittern und Pulsiren im ganzen Körper, Husten, Blulspeien, Blulbrcchcn, Cardialgie, periodisch wiederkehrende Blutsturze aus der Gebährmutter hervorgehen. Daß Soirrhus des Uterus und der Eierst'cke, Wafsersucht der letzter», weißer Fluß, chronische HautausschLäge mit allgemeiner Verstimmung und krankhafter Reizbarkeit des Gesammtorganismus re. nicht selten hieraus entspringen, lehrt die Erfahrung. Nebst diesen erwähnten Nachlheilen kommt nun noch in Betracht, daß durch das Baden in einem solchen Reservoir des Unsiarhes sich auch Ansteckungsstoffe von Kranken auf Gesunde übertragen können, und hier ist besonders die. Syphilis zu befürchten. Man hat zwar dagegen behauptet, daß eine solche Ansteckung durch das Baden nicht geschehen könne; aber die Möglichkeit davon kann aus Folgendem gezeigt werden. Die Ansteckung kann nämlich geschehen, wenn auch nur ein Atom Gift mit einem Lheile des Körpers in Berührung kommt, wo entweder viele lymphatische Gesäße und Drüsen liegen, wo die bedeckende Oberhaut sehr dünn ist, oder wo auch nur die allerkleinste, etwa mit einer Stecknadel verursachte Verletzung sich befindet. Ist nun nur ein einziger Tropfen Gift im Wasser, so kann er sich an einem solchen Lheile des Körpers ansetzen und beim Herausgehen aus dem Bade erst recht eingerieben werden. Man wird aber ferner einwenden: wie kann das Gift ins Wasser kommen, wie kann es einer Andern sich mittherlen, da marr kaum eine Minute im Bade sich aufhält? Die Mittheilung kann aber in einem einzigen Augenblicke geschehen und das Gift kann auf folgende Weise ins Wasser kommen. Die Badende muß nämlich völlig untertauchm, da tritt Wasser durch Mund und Nase ein, es entsteht augenblicklich darauf ein unwillkührliches Schütteln und man speit das eingedrungere Wasser wieder aus; hat nun eine Person ein venerisches Geschwür im Munde, so wird dadurch venerisches Gift mit hinweggespieen, man spuckt auch wohl einmal aus, das Gift hangt sich an die steinerne Umgebung, wird nachher abgespült, kommt ins Wasser, und behält, da das venerische . Gift fixer Natur ist, lange Zeit seine ansteckende Kraft. Diejenige, welche einen venerischen Schleimfluß hat, verliert beim jedesmaligen Baden nach der Kürze oder Länge des Aufenthaltes im Wasser, mehr oder weniger Gift. Diejenige/die ein venerisches Geschwür an sich hat, theilt entweder dem Wasser von dem Eiter desselben Etwas mit oder kommt mir den Steinen in Berührung, und läßt sie hier nur das Geringste sitzen, so wird dies entweder abgespült oder dieselbe Stelle berührt eine andere und impft sich das Gift ein. Es kann also bei einem nur augenblicklichen Aufenthalte im Wasser, Gift verloren und Gift ausgenommen werden. Wenn man beim jedesmaligen Baden-das Wasser bis auf den Grund der Quelle ablassen und den Boden und die Wandungen derselben reinigen könnte, dann wäre die Gefahr vermindert; aber so baden oft mehr Weiber nach einander in einem und demselben Wasser. . Aus dem bisher Gesagten, sind die großen Gefahren, welche die gemeinschaftlichen Kellerquellenbäder der jüdischen Frauen mit sich führen, hinreichend erwiesen, und wollte man einwenden, daß man doch so wenig von den schädlichen Folgen dieser Bäder höre, so berücksichtige man nur, daß die meisten Aerzte, besonders die auf dem Lande, oft gar nicht wissen, wie es mit diesen Bädern beschaffen ist, und daher auch gar nicht auf den Gedanken kommen, bei vorhandenen Krankheiten darnach zu fragen, und daß falsche Scham' oder andere Ursachen die Frauen nicht selten abhalten, zuerst Erwähnung davon zu thun; andere bigotte Frauen stellen sich gar nicht vor, daß ein vermeintlich von Gott angeordnetes Geschäft, Nachtheil für die Gesundheit hervorbringen könne, und so wird nun diese so viele Krankheiten erregende Ursache gänzlich übersehen. — Sind nun die mir diesen Bädern verbundenen Gefahren hinreichend nachgewiesen, so ergiebt sich von selbst die Nothwendigknt, daß solche Badeanstalten überhaupt einer medicinalpolizeilichen Aufsicht und die vorhandenen einer Reform unterworfen werden müssen. Eine Verbesserung könnte auf folgende Art geschehen: a) es müssen durchlöcherte Badewannen ms Wasser Hinabgelaffen werden, die jedesmaS, wenn sich Jemand badet, herausgehoben und gereinigt werden können; b) es muß eine Pumpe angebracht werden, womit das Wasser öfter ausgepumpt wird, worauf dann die Quelle von Schlamm u. dgl. befreit werden kann; besser würde dazu ein Ableitungskanal vom Grunde der Quelle aus dienen; doch ist diese Ausführung meist unmöglich; endlich e) muß durch irgend eine Vorrichtung so viel erwärmtes Wasser hinzugegoffen werden können, daß eine mittlere Temperatur herauskommt. (Fortsetzung folgte *) An dem Tage, wo die Frau das Bad besucht hat, findet gewöhnlich wieder die erste eheliche Umarmung statt; sagt also eine Frau, sie sei im Bade gewesen, so gesteht sie damit ein, daß kürzlich der Beischlaf ausgeübt worden fei;'daher die falsche Scham, dem Arzte das Bad als Ursache einer Erkrankung zu nennen» 16