Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-04-21 · 16 (21.4.1849) · p. Spalte 243-244

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
16 (21.4.1849)
Date
1849-04-21
Page
Spalte 243-244 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9893974--5873-3534956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

244 243 Kriüken. Salomon. — kräftig mitwirkte, um der Freiheit , die wir nun mit Gottes Hilfe errungen, sruchtrcichen Boden zu verschaffen. Sinnvoll ist Ps. L26 (dem Munde altfrommer Israeliten als gemächlicher Festtischgesang geläufig) zum Texte gewählt und die Sehnlichkeit der Zustände nach der Rückkehr aus der babylon. Gefangenschaft, dem Zeiträume der Abfassung jenes Psalms, mit den Zuständen unserer Tage wird im Eingänge und in den 5 Abschnitten', worein die Predigt zerfällt, folgendermaßen ausgesührt: 1) Auch wir sind überrascht, D'D^rD nach 70—80jährigem Kampfe mit einem Male die volle Freiheit in Deutschland erlangt zu haben; 2)'wir sind entzückt ijig pin&7 ltt, denn „wer nicht frei ist als Bürger — ist nicht frei als Mensch", der Genuß blos materieller Rechte ist „die Freiheit des Thiers, der vernunft- Losen Kreatur", jetzt erst haben wir „menschliche Freiheit", darum kann also erst jetzt unsere Sprache — Gesang werden! riD — 3) Unsere Freude wird durch Theilnahme der Völker erhöhet upM HDW TN, denn die andern Nationen waren unfrei so lange noch Bedrückte in ihrer Mitte lebten, sie empfinden daher in unsrer Befreiung auch den Erstehungsruf ihrer eignen Freiheit und muffen sich mit uns freuen. — 4) Unsere Freude wird verklärt durch den Hinblick auf Gott, von dem die Freiheit kommt. UmD&y m Jn nzw. Wie damals nicht Cyrus, sondern Gott die Verschmachteten an labende Quellen führte, so hat auch jetzt die himmlische Fürsorge Israel getragen und gepflegt! — 5) Unsere Aussicht trt die Zukunft wird immer schöner und heller! Giebt es auch noch Manchen unter uns, der mit dem Maaße der bis heute errungenen Freiheit und Gleichheit nicht ganz zufrieden, weinend auf das winzigeGefäßmit den gewonnenen Saatkörnern^ schauet, yiiri -jt£»o xW ITOl f?’ allein „nur noch UM ein Kleines, und die einzelnen Akhren werden reiche Erndren." rnobtt am ru-o n:p n3. . Die Predigt schließt nun mit der zuversichtlichen Hoffnung, daß die Freiheit uns nie wieder entrissen, ein Band der Liebe' um alle Völker sich schlingen und der Vater der Menschheit einen neuen Himmel und eine neue Erde zum Heil und Segen schaffen werde! Vielleicht würde eine in dem letzten Verse des so wohl gewählten Textes sich darbietende Andeutung noch zu benutzen gewesen sein, um auch unserer Heimgegangenen Brüder zu gedenken, die so lange harrend und duldend für Erringung der Freiheit wirkten, das Ziel ihres Strebens aber hienieden nicht erlebten (weinend gingen sie hin, ertragend die Last einer lange dauernden beschwerlichen Aussaat, vergl. Benseew hebr. Wörrerb. Art. während das junge frische Geschlecht wonnig und keck die Früchte und Errungenschaften davon tragt, als sei sie ein Garben Haufen, den man ohne Mühe und Sorgen bei freundlichem Wetter von dem Felde in die sichere Tenne heimbringt! Möge der geehrte Verfasser diese kleine versuchte Ergänzung seines sinnigen Vortrags nicht übeldeuten und hoffen Friedreich, zur Bibel. wir ihn vielmehr noch lange auf so treffende Weise als rüstigen Arbeiter im Weinberge des Herrn freudig begrüßen zu können! Dresden, Auf. April J849. Dr. B. Beer. 6) Zur Bibel. Naturhistorische, anthropologische und medicinische Fragmente, von I. B. Friedreich. Zwei Theile, gr. 8. 1. Th. VII und 334 S 2. Th. IV und 215 S. Nürnberg, 1848. Verlag von Bauer u. Raspe. Angezeigt von R» I» Wunderbar in Riga. (Fortsetzung.) Dann begiebt sie sich in den kalten, dunstigen Keller, wo gewöhnlich Kartoffeln, Rüben, Obst u. fl w. in großen Massen aufgeschichtet sind, und mit ihren Ausdünstungen die Luft erstickend machen; dann, wenn es nicht schon zu Hause geschehen, badet sie hier in der Wanne gewöhnlich so warm, als sie es nur ertragen kann, und steigt hierauf die Stufen hinab in die Quelle, und ein altes Weib stoßt sie bis unter den Wasserspiegel, wenn sie nicht selbst dft Kunst unterzutauchen versteht, und ist nur ein einziges Härchen des Kopfes unbenetzt geblieben, so wird sie wieder hinabgestoßen, bis derWasserspiegel den ganzen Kopf bedeckt. Ist nun die Frau aus dem Wasser heraus, so trinkt sie etwas Kaffe oder Spirituöses, geht in die Kälte zitternd nach Hause und legt sich vor Frost zitternd zu Bette. Frauen, die auf Dörfern leben, wo kein gemeinschaftliches Bad ist, und die zu arm sind, sich selbst eine Badevorrichtung schaffen zu können, müssen im Winter, die Hacke in der Hand, oft Stunden weit einen Bach oder Fluß aufsuchen, sich in die Eisdecke ein Loch einhauen und sich nackt hineintauchm. — Wie nachtyeilig die bisher geschilderte Art und Weise des Badens ist, wie sehr sie dem mosaischen Zwecke der Reinigung und Gesundheitserhaltung widerspricht, ist einleuchtend. Man berücksichtige nur vorerst den Ekel, der sich bei mancher Frau erstellen wird und allein schon hinreichen kann, sie krank zu machen, wenn diese daran denkt, sich in ein solches gemeinschaftliches Bad begeben zu müsstn, in welchem vor ihr schon viele Andere waren; man frage nur jede Israelitin, die nur einigermaßen gut erzogen und an wahre Reinlichkeit gewöhnt ist, wie ihr zu Muche wird, wenn sie bedenkt, daß sie nicht allein mit Frauen aus der Hefe des Volkes, die den Schmutz sichtbar und fühlbar auf sich tragen, sondern auch mit allerlei kränklichen Personen ein und dasselbe Wasser zum Baden gebrauchen muß; man berücksichtige z. B° wie häufig der weiße Fluß unter den jüdischen Frauen vorkommt (?) , und wie sich nach und nach eine Menge dieses Schleims in dem Wasser von den Badenden ansammeln muß, und nun denke man sich das Gefühl, mit welchem eine reinliche Frau in ein solches Bad eintreten wird, die befürchten muß, daß kurz vor ihr eine oder mehre mit diesem Flusse behaftete das Bad verlassen haben. Und dieses nennt man ein Reinigurigsbad! — Gehen wir aber nun zu einem bei weitem größeren Nachtheile dieser gemeinschaftlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.