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Der Orient · 1849-04-21 · 16 (21.4.1849) · p. Spalte 241-242

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
16 (21.4.1849)
Date
1849-04-21
Page
Spalte 241-242 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt des Orients. - — Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte mrd Literatur. M 16. Leipzi g, den 21. April 184». Inhalt. Kritiken. Kurze Uebersichten. Predigt von Salomon. Angez. von Dr. Beer. — Jur Bibel von Prof. Friedreich. Angez. von Wunderbar. (Fortsetzung.) — Studien. Literarische Analekten. Chefez b. Jazliach von Dr. Fürst. — Unst.-rblichkeit. Iahtwort. Krieg. Bon Dr. Lewysohn. — Heber einige seltene jüdische Nitualien. Von L. Dukes. (Forts.) — Ankündigungen. Kurze Ueberfichten. 8) Der neue Himmel und die neue Erde oder die bürgerliche Gleichstellung der Juden in Hamburg, eine am 17. $ebi% 1849 bei dem Sabbath - Gottesdienste gehaltene Predigt von Gotthold Salomo tu Hamburg, 1849. 8. 16 S. Druck von I. I. Halberstadt. Mit Vergnügen ergriffen wir diese Predigt und durchlasen sie; es erfmiete uns wahrzunehmen, daß die neue Zeit dem alten Redner, dem Nestor unter den heutigen Kanzelrednern in Israel, auch n e u < Kraft verliehen habe, in frommer, sinnreicher und gemütvoller Weise auszusprechen, was jeder religiöse, denkende und gefühlvolle Deutsche israelitischen Glaubens an dem Lage empfand, als die Fesseln endlich gebrochen wurden, die uns fast zwei Jahrtausende umschlungen hielten. Die neue Zeit fürwahr, sie bringt uns neue Menschen, neue Generationen entsprießen, denen allmä- Lig die alten Leihen, die alten Kampfe dem Gedächtnisse sich entwinden, gleichwie im Taumel stürzen sie über bas Errungene her, Manchen genügt es kaum; alles Bestehende muß erst stürzen, die Welt aus ihren Fugen gerissen sein, che sie Athem schöpfen und sich erholen. Man gedenkt nicht mehr der Mühsale und Anstrengungen, welche es kostete, —der Schwierigkeiten und Hindernisse, welche zu überwinden waren, sowohl nach außen als nach innen, nicht nur daß die Freiheit uns werden konnte, sondern auch daß wir sie zu handhaben und zu behaupten in den Stand gesetzt wurden. War die sociale Bildung der deutschen Israeliten etwa vor 100 Jahren oder auch später schon so europ-äisirt, daß wenn z. B. das preußische General-Judenreglement von 1750 die 'Gleichberechtigung gebracht hatte , sie solche ohne Quasigewiffenszwang würden haben ausüben und benutzen können?* Waren nicht aber auch die Vorurtheile der nicht jüdisch en Glaubensgenossen damals noch so beschaffen, daß es den Juden leicht gewesen wäre, die von oben ihnen verliehenen Rechte in Ruhe genießen zu können? — Darum vor Allem Heit und Dank den Männern, welche seit Mendelssohn und Lessing auf unsere Lage dahin arbeiteten, um uns für jene Freiheit vorzubereiten, — den Männern, welche durch Wort und That, durch Lehre und Leben sich bemüheten, die Nebel und Dunkelheiten zu verscheuchen, die hier und dort sich dagegen aufgethürmt hatten, — den Männern, welche einerseits den Sinn für Wissenschaft, Kunst und nützliche Handwerke bei unserer Jugend anregten, wodurch wir faktisch zu deutschen Staatsbürgern uns heranbilderen, und welche andererseits nicht ermüdeten, die Sache der Gleichstellung als eine eminente Forderung des Rechts und der Humanität den Völkern mit beredten Worten immer und immer darzustellen — den Männern endlich, welche sich bestrebten, den Heilgen Schrein unserer Religion zu erschließen und vor aller Welt'darzuthun, daß Gottesfurcht und thätige Menschenliebe, beruhend auf Erkeuntniß und Weisheit (nicht aus blindem Glauben), das Wesen des Judenlhums bilde, und unser Gott kein partikularistischer Nationalgott, sondern der ewige Gott aller Zeiten und Völker sei! — Zwiefach willkommen, war es uns daher, die Schilderung der Gesinnungen und Gefühle beim Anbruche der rieuen Freiheit aus dem Munde eines Mannes zu vernehmen, der durch sein gediegenes Wort und seine mit Sachkenntuiß, Wärme und . Begeisterung verfaßten Schriften seit 40 Jahren schon nach allen Seilen hin *) Noch im I. 1807 als nach dem Posner Frieden gegründete Aussicht vorhanden war, durch den Einfluß Napoleons die volle Gleichstellung der Juden zu erlangen, widerstrebte ein sehr großer Theil einer namhaften deutschen Gemeinde solchem Ansinnen, aus Furcht, die Religion möchte darunter leiden! 16

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