Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-04-14 · 15 (14.4.1849) · p. Spalte 235-236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
15 (14.4.1849)
Date
1849-04-14
Page
Spalte 235-236 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9893973--5868-3534946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 Kritiken. Handbuches der jüdischen Literatur (A—H) den Freunden der Wissenschaft übergebe, kann ich nicht umhin, da ein geschichtlicher Abriß der jüdischen Bibliographie erst mit dem letzten Thkile erfolgen wird, vorläufig einige kurze Bemerkunzen herzufttzen, welche den Maaßstab zur Beurtheilung umrißlich darbieten wögen. Als vorzüglichster Gradmesser literarischer Kultur und Thä'tigkeit ist seit Konrad Gegner allgemein die Bibliographie anerkannt, indem in ihr die ganze Summe des im Schriftthume niedergelegten Wissens, die materielle Kunde von deri in der Literatur aufgehäuften Schätzen des Geistes sich abspiegelt z aber das Verlangen nach dieser Kunde entsteht bei Forschern der Literatur bekanntlich erst mit dem Erwachen einer Ahnung von einem geschichtlichen Pragmatismus in der Literatur, und dies ist auch der Grund, daß häufig in den Begründern der Bibliographie auch die Schöpfer der Literaturgeschichte begrüßt wurden. M ach ad o in Portugal, Antonio in Spanien, Liraboschi in Italien, Brune t in Frankreich u. A. waren als Neubegründer der Bibliographie auch zugleich die ersten Baumeister ihrer nationalen Literaturgeschichte. Und eben darum daß in der Regel die Bibliographie neben der Schöpfung einer Literaturgeschichte entsteht, konnte für die jüdische Literatur, da eine Ahnung von einer geschichtlich-organischen Durchdringung ihrer vorhandenen Geistesschätze selbst in der neuesten Zeit kaum Erblüht ist, erst jetzt der Gedanke an eine mit geschichtlichem Bewußtsein gearbeitete Bibliographie aufkomme n. Das vorliegende Handbuch umfaßt in seiner Oekonomie die bibliographische Darstellung der gcsammten Erscheinungen der jüdischen Literatur, insoweit dieselben seit der Erfindung des Bücherdrucks durch die Presse bekannt geworden, und in dieser Umgrenzung liegt natürlich die Ausschließung einer bibliographischen Beschreibstng der viel reichern Schätze der Handschriften, welche später eine besondere Bearbeitung finden werden. Die Schriften über Juden und Judenthum von nichtjüdischen Verfassern, da solche für die gesammte jüdische Literatur, namentlich für die der älteren Zeit, von großer Bedeutung sind, habe ich in getroffener Auswahl aufzunehmen für ra'thlich gehalten, zumal sie in einer Geschichte der jüdischen Literatur nicht unbeachtet bleiben können. In dieser meiner allgemeinen Aufgabe habe ich mich sachgemäß nicht auf gewisse Länder beschränkt, sondern das Schriftthum der Juden aller Länder und in allen Sprachen, wie es durch die Presse verbreitet wurde, als zur Bibliotheca judaica gehörig angesehen. Ebenso betrachtete ich das Schriftthum über Juden und Judenthum nichtjüdrscher Schriftsteller von dem umfassendsten Gesichtspunkte, der nur durch eine Unzulänglichkeit der Hilfsquellen beschränkt wurde. Mit dieser Aufgabe war aber, wie man leicht einsehen kann, ein doppelter Aweck angebahnt; einmal sollten alle Erzeugnisse des jüdischen Geistes auf jedem Gebiete der Wissenschaft, und dann alle mchtjüdischen Schriften über Juden und Judenthum, die sich aber nur über bestimmte Kreise der Wissenschaft ausdehnen, vorgeführt werden. Es ist also natürlich, daß in der 238 bibliographischen Beschreibung der Schriften jüdischer Autoren weder irgend eine Wiffenschaft ausgeschlossen wurde, noch irgend eine Schrift darum unerwähnt geblieben, weil sie in einem dem Orientalismus fremdländischen Idiome abgefaßt ist; und in der Aufnahme der nichtjüdischen Schriften über Juden und Judenthum diejenigen Schriften desselben Autors, welche in dieses Gebiet nicht gehören, unbeachtet bleiben mußten. In den Schriften erster Klaffe fand ich es doch für rathsam, die Leistungen neuerer jüdischer Schriftsteller auf dem Felde der schönen Wissenschaften, da dies ohnehin theils nur ein Ergebniß der neuesten Zeit, theils vorzüglich nur in Deutschland von Bedeutung ist, 'von dem Materiale dieses Handbuches um so eher auszuschließen, als ich ohnehin das Jahr 1840 als meine Abgrenzung im Allgemeinen angenommen. Nur wo die Belletristik Juden und Judenthum zum Stoffe hat, oder wo die schönwissenschastlichen Erzeugnisse eines Autors nach gewöhnlicher Anschauung aus einem judenthümlichen Geiste geflossen, habe ich mir eine Ausnahme gestattet. Außerdem mußten auch die anonym erschienenen Schriften, da das Handbuch nach alfabetischer Ordnung der Verfasser bearbeitet ist, für gewöhnlich wegbleiben, dafür aber habe ich am Schluffe des ganzen Werkes die anonymen Schriften nach alfabetischer Ordnung ihrer Titel bibliographisch geordnet und beschrieben. In die Reihe der Schriftsteller- Namen ha.de ich in gewissen Fällen auch diejenigen Namen gestellt, die, wenn auch von ihnen selbst kein Buch zu erwähnen war, Schriften über sich hervorgerusen, namentlich habe ich dies berücksichtigt, wenn dieser Name in der jüdischen Literaturgeschichte von Bedeutung und die Schriften über ihn nicht sehr zahlreich sind. Eine eigentümliche Schwierigkeit bot aber die bibliographische Beschreibung der hebräischen Wecke dar, da in der Regel die Hebräischen Büchertitel blos symbolisch sind und für den Inhalt gar keine Auskunft geben. Ich mußte daher allenthalben, um die bibliographische Angabe nicht zwecklos zu machen, nächst dem symbolischen Titel auch gleichsam einen inhaltlichen Titel geben, der je nach Crforderniß und Notwendigkeit groß und klein ausfiel, und ich bedauere nur, daß ich, wenn auch selten , bei manchen mir nicht zugänglichen Schriften dies unterlassen mußte. Eine andere Einrichtung, die ich im Interesse der Literatur hier eingesührt, sind die biographischen Angaben bei den jüdischen Autoren in unten stehenden Noten, namentlich ist dieses fast durchweg geschehen, wenn der Druck ihrer- Schriften nicht in die Zeit ihres Wirkens fällt, und ich bedauere nur, daß der Mangel an ordeallichen Vorarbeiten sich dabei nur zu häufig geltendgemacht. Daß ich die für oder gegen Juden und Judenthum, schreibenden Proselyten ausgenommen und deren hierher gehörige Schriften bibliographisch beschrieben, wird man ganz in der Ordnung finden, und ich will nur nach berühren , daß ich sie von christlichen Autoren, wo ein Sternchen vor ihren Namen angebracht ist, dadurch unterschied, daß ich nach ihrem Namen die Abkürzung «JC, (Judaeus Conversus) anbrachte. Bibliotheca Iudaica

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.