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Der Orient · 1849-04-14 · 15 (14.4.1849) · p. Spalte 233-234

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
15 (14.4.1849)
Date
1849-04-14
Page
Spalte 233-234 (sequence 5)
Language
German
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233 Kritiken. Bibliotheca Judaica. 2M -^gleichwohl jedoch sehen wir Poll ion später bei Herodes in fast noch größerem Ansehen stehen als selbst Schammai. Herodes schont der den Unterthaneneid verweigernden Synedristen, Schammai mit eingerechnet, — wie bereits erwähnt aus Rücksicht gegen Pollion (svTQonjjg 8icc zov TIoX* XLcova vv%ovv8g . — ibi«1. XV. 10/ 4). Nur die Annähme, daß Scham mai in jener Sitzung blos als einfaches Mitglied gesprochen, Hyrkan aber als A b - B e r - D i n präsidirt, und ein Nasi damals gar nicht existirt habe — vermag alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Demnach hat das Rumpf-Parlament seine traurige Schein-Existenz so lange gefristet als Hyrkan noch einen Schatten von Autorität besaß; bis endlich auch dieser schwand, Hyrkan in die Gefangenschaft gerieth', und Herodes das Heft in die Hand bekam, — da mochte dieser selbst wünschen, das Synedrium zu regeneriren, ihm nach der frühern Weise wieder einen Nasi an die Spitze zu geben, um dadurch der hasmonäisch e n Dynastie auch hier den Weg zur Geltung zu verrammeln. Dazu kam noch, daß die BeneVBatora endlich ihre Unzulänglichkeit auf dem religiösen Gebiete selbst einsahen und in seltener Bescheidenheit sie offen eingestanden, — und so bedurfte es nur des Sieges Hill el's (Pesach. 66a.), um die Aufmerksamkeit des Volkes auf diesen zu lenken. Herodes willigte in die Erwählung Hillel's zum Nasi um so eher ein, als dessen sociale Antecedentien (Joma 35 b) ihm keine Besorgniß einflößten. Ein aus Babylonien eingewanderter Gelehrter, ohne Vermögen und Verbindung, —was konnte dieser dem Gewaltigen schaden? — Hille l's davidische Abkunft war entweder damals nicht bekannt, oder Herodes legte, Angesichts des noch immer gefährlichen Restes des ma kka bai scheu Hauses, keinen Werth darauf. Ueberhaupt scheint Herodes eine besondere Vorliebe für die Baby lon i e r-gehabt zu haben, denn auch für das Hochpriesteramt lies er einen gewissen Ananel aus Babylonien kommen (Antiq. XV. 2, 4). — Die Hinneigung zu den untern Klassen ist fast allen Emporkömmlingen eigen, und das aus psychologischen Gründen: der novus Ji o m o fühlt sich nur in der Nähe eines andern Glücksritters behaglich und wohl; jede Erinnerung an ererbte Größe drückt ihn nieder, er erblickt darin nur eine Protestation gegen die eigene Stellung. — Diese umständliche Auseinandersetzung schien uns nöthig, weil sonst die Erhebung Hillel's zum Nasi, sowie sie Pesach. 66 a erzählt wird, fast an's Mahrchenhafte streift; nimmt man aber an, daß die herodianische Politik ihr zur Basis gedient habe, — dann erhält sie Fleisch und Blut und Leben. Daß indessen alle Klügeleien und Berechnungen des Gewaltigen an dem felsenfesten, wenn auch nicht schroffen, Charakter Hillel's eben so wie an dein. des Schammai zu Schanden wurden, — baß Herodes in ihnen, trotz aller angewandten Lockmittel, ja ungeachtet der an sie verschwendeten Schmeicheleien — dennoch keinen Menachem gefunden,^ bekundet die Geschichte zur Genüge. — (Fortsetzung folgt.) Kurze Ueberfichten. 7) B i b I i u fc h v c a J u <\ a i e a. Bibliographisches Handbuch der gelammten jüdischen Literatur mit Einschluß der Schriften über Juden und Judenthum und einer Geschichte der jüdischen Bibliographie. Nach alfabetischer- Ordnung der Verfasser bearbeitet von Dr. Julius Fürst, Lehrer an der Universität zu Leipzig. Erster Theil. A—11. Leipzig, 1849, 8. Verlag von Wilhelm Engelmann. Preis 4 Thlr. netto. Es giebt gewisse literarische Erscheinungen, bei deren kritischer Beurtheilung die Verfasser ihre ganze Objektivität behaupten, können, weil die am schärfsten eingehende Kritik am Ende weiter nichts als ergänzen und hie und da am Einzelnen berichtigen kann, was natürlich der Verfasser selbst, insofern er täglich mehr sammelt und den Stoff sozusagen beherrscht, -noch am ehesten thun kann. Eine solche literarische Erscheinung ist auch unsere Bibliotheca judaica, welche der Verfasser ohne große Selbstverleugnung selbst anzeigen und sogar kritisiren kann, da es sich in einer Kritik dabei um weiter nichts als Ergänzungen und Berichtigungen handeln kann, die bei solchen Werken ganz natürlich sind. Jndeß will ich vorläufig durch diese Anzeige weiter nichts bezwecken, als dieses Werk, welches für jedes Fach der literarischen Thätigkeit durch seine gewährten Uebersichten unentbehrlich ist, dem Lesepublikum des Orient näher führen, zumal wir inDeutschland der kritischen Literaturblätter entbehren, und ich glaube, daß dies am Besten geschehen könne, wenn ich das von mir im Vorworte über Plan und Anlage des Werkes Gesagte vorerst vorführe. Es heißt daselbst: „Indem ich hier den ersten Theil eines bibliographischen!8) Als Herodes Jerusalem belagerte, riethen die in der Stadt sich befindenden H i l l e l und S ch a m m a i zu friedlicher Ausgleichung, d. h. Herodes gegenüber — zur Unterwerfung. Dieser beutete diesen Umstand nach seiner Weist aus, gab sich in den Augen des Volkes das Ansehen, als zähle er diese beiden einflußreichsten Männer zu seinen Anhängern, und überhäufte diese mit Ehrenbezeugungen aller Art. — Daraus aber, daß § i 11 g l und Schammai dem Volke zum Nachgeben gerathen, auf eine Sympathie derselben für den Thronräuber und Volksfeind schließen zu wollen, — hieße dem Propheten Jeremias eine Sympathie für Nebukadnezar (Jer. 27, 17) und Rabbi Jochanan ben SakLai eine Hinneigung zu Vespasian (Gittin 56 a) zur Last legen. Die schmerzerfüllten Patrioten wählten von zwei Nebeln das kleinste, lieber wollten sie einen Theil fahren lassen als das Ganze gefährden; denn sie dachten: die p o l i tische Fr eih eit. kann immer wieder gewonnen werden, nicht aber die Religion und die Nationalit ät. —

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