Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 15 (14.4.1849)
- Date
- 1849-04-14
- Page
- Spalte 229-230 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8555529-9893953-9893973--5865-3534943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
229 Studien. Hillel der Nettere. 239 ihrer Richtung aufgeboten haben. Wer aber im ganzen Syrredriurn war würdiger, zur Rechten Hille l's Platz zu nehmen" als der fidixcciog dvrjg xal rovr.o rov deSisvcu y,qzixxcovu? — Aller Augen richteten sich auf Schammai, den auch Herodes um so mehr sich gefallen ließ, als er bereits sich genöthigt sah, gegen ihn den Großmüthigen zu spielen, angeblich aus Achtung gegen seinen in jener berühmten Sitzung bewiesenen Frekmuth, in Wahrheit aber aus Furcht vor den Massen, die hinter ihm standen. Die Erhebung Schammai's auf den zweiten Präsidmtensitz im Synedrium war also jedenfalls ein Triumph für die Nationalen. Es ist schwer zu bestimmen, welchen Einfluß dieselben auf das fernere Wirken des durch ihre Hilfe Erhobenen genommen,— Lhatsache ist, daß der neue Ab-B et - D in seine Strenge bis zur Schroffheit steigerte, seine Konsequenz bis zur Versteinerung härtete. So suchte Extrem gegen Extrem sich geltend zu machen, was die später durch Titus herbeigeführte Katastrophe sicherlich um ein Jahrhundert beschleunigt hätte, wenn nicht der große Nasi, der sanftmüthige Hillel, eine mildere Form vertreten. Daß dadurch in der Quader- Halle selbst, bei aller Uebereinstimmung der beiden Häupttr im Prinzip, doch in der äußern Form bald ein Dualismus zum Vorschein kam — dieser allerdings unerfreuliche Umstand war nur eine traurige Folge der dualistischen Verhältnisse überhaupt, deren Einflüssen auch das Synedrium sich nicht ganz zu entziehen vermochte; seinen Grund aber in der mosaischen Verfassung, anstatt — wie ein unbefangener Blick in die Geschichte lehrt — in dem antinationalen Streben der idumäischen Eindringlinge zu suchen, zeugt — mild gesprochen — von großer Naivität. —-- 3. Ehe wir weiter gehen, wollen wir hier zunächst eine Frage erledigen, die in chronologischer Beziehung für unfern Gegenstand von großer Wichtigkeit ist; es ist die Frage, wer denn unter Sa^isag bei Iosefus (Antiq. XIV. 9, 4) eigentlich zu verstehen sei, ob der Nasi Schemata, der Gefährte A b ta l i o n's,-— oder der Ab - B e t - D i n Schammai, der Gefährte Hille l's. Wir unsererseits entschei- 11) Der Ab-Bet-Din saß im Synedrium zur Rechten des Nasi. — Maimon. Sanh. 1, 3. — 12) Scharfsinnig ist die Konjektur Iost's (Gesch. der Jsr. Anh. zum 11. 23. 8), wonach unter TloXXCcav nicht Hillel, sondern Abtalion zu verstehen sei, und zwar auf Grund folgender Etymologie : Pollion habe ursprünglich Btollion oder Prollion gelautet, — im Hebräischen sei dann noch ein n prostheticum (das arabische Elif unionis) hinzugekommen und so entstanden, wie (Pesach. 11.9 a} statt Severus. — So glänzend nun diese Konjektur auch ist, so verwirft sie dennoch ihr wahrheitsliebender Eigerithümer, wie es scheint, aus chronologischen Gründen. Um so mehr denn ist es zu verwundern, daß Hr, Dr. Jost in seiner kleinern Gesch. (Th. 11. S. 27) die fragliche Konjektur für sehr wahrscheinlich erklärt. Vielleicht wird unsere gegenwärtige Erörterung den unermüdlichen Geschichtsforscher zu feiner frühern Ansicht zurückführen. — Wie Lu Pollion sich verhalte, dürste indessen nicht den uns für Schammar, und zwar aus folgenden Gründen: 1) den Namen Schemaja (rpyotp) geben Sept. (1 Reg. 12, 22; Jer. 29, 31 u. a. a. O.) und Josef. (Antiq. VIII. 10, 3) ganz analog durch 2afialccg (so daß v entsprechend durch cu vertreten wird), während es in den fraglichen Stellen (Antiq. XIV. 9, 4; ib. XV. 1, 1; ib. 10, 4) stets Zafiscig (was offenbarauf Schemmaea hinweist} heißt; 2) Josefus (I. c.) nennt durchweg IloXXicov »or [izug, während die Mschna (Abor 1, 10; Chag. 16 s) regelmäßig Schemaja erst nennt (woraus also hervorgeht, daß dieser Nasi war — ib. b); 3) Jo sefus nennt den Samens einen Schüler Pollion's {IloXXicov .. %al Ha^dag 6 zovtov fLccd'rjTrjg — Antiq. XV. 1, i), wovon jedoch die jüdischen Historiker späterer Zeit in Bezug auf Schemaja nichts wissen, wohl aber erwähnen sie, daß Schammai anfangs ein TD^n, und später nach dem Ausscheiden Menachem's aus dem Synedrium ein -pj-j desHillel war (Josison, Sakku to, He ilprin sub toc. y?n)3,s 4) nach Josef. (Antiq. XV. 10, 4) waren Pollion und Sameas noch im siebzehnten Regierungsjahre des Herodes in amtlicher Wirksamkeit; denn — wie daselbst erzählt wird, kam Augustus in demselben Jahre nach Syrien, welcher Begebenheit zu Ehren Herodes einen prächtigen Tempel bei Panium erbaute, was aber vom Volke so bitter und so laut getadelt wurde, daß er sich einerseits zu mancherlei Koncessionen genöthigt sah, andererseits aber auf den Gedanken kam, das Volk einen Unterthanen-Eid schworen zu lassen. Auch Pollion und Sameas (heißt es daselbst) so schwer zu enträthseln sein. Es war im Zeitalter der Mischna nichts seltenes, den Namen eines berühmten Lehrers mit einer dessen Charakter und Eigenthümlichkeit bezeichnenden Benennung zu vertauschen. So wurde \srnnJ in 'Vftö, und nach Einigen auch in nmp, NDN in m u. A. verwandelt, — warum also nicht auch Pollion in (Preis würdig er)? oder in (Glanzstern Jes. 14, 12)? Wer aber durchaus an Pollion festhalten zu müssen glaubt, der denke sich dieses Wort aus TloXiog (grau) entstanden; demnach würde es die Übersetzung von jptn (des bekannten Beinamens Hillel's) sein. Es konnte diese Namensverstümmelung um so leichter entstehen, als der Name Po ll t o n damals wirklich gebräuchlich war. H er ödes' Söhne kehrten bei ihrer Ankunft in Rom bei Pollion, dem Freunde ihres Vaters, ein.(Jos. Antiq. XV. 10, 1). — 13) Beachtenswert!) ist auch der Umstand, daß Josefus, so oft er Pollion erwähnt, auch dessen religiöser Richtung gedenkt (so Antiq. XV. 1, 1: UoXXLcov 6 <f>ctQ ißalcg; ib. 10, 4: IloXXicovci rov ctg lg aZo y)r was er bei S ameas nicht thut, trotz dem dieser nicht minder eifriger Parusch war. Josefus'Verfahren ist nur dann erklärlich, wenn man unter Pollion den Hillel versteht, der bekanntlich einige Zeit den Essener Menachem zum Gefährten hatte, was natürlich nothwendig machte (besonders anfangs, wo der Eigenname noch nicht berühmt war), um eine Verwechselung der Personen zu vermeiden, zum Namen noch die nähere Bezeichnung hinzuzufügrn; nach und nach setzte sich diese Bezeichnung als Beiname fest. — 15