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Der Orient · 1849-04-14 · Heft 15 (14.4.1849) · p. Seite 77

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 15 (14.4.1849)
Date
1849-04-14
Page
Seite 77 (sequence 9)
Language
German
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77 - 'des gemäßigten Fortschritts dazustehen, ein Reflex nach rfc mancher Seite hin wäre in diesem Falle unbezweifclt^ -es läßt indessen auch hierin die allgemeine Intelligenz der hiesigen Gemeinde lichtere Gedanken mit Zuversicht erwarten. Mit Bezug auf den Aufruf in Nr. 5 des Orients erlaube ich mir C'w. Wohlgeboren 5 Thalcr zu überschicken, die ich tm Kreise einiger Freunde gesammelt habe. -Siikcm hierbei den edeln Gebern meinen herzlichen Dank ausspreche, so bitte ich Ew. Wohlgebvrm mit dem Ausdruck vorlieb zu nehmen -tini Hinan “triN *) D. L. Äewyso h n. Leipzig. 4. April. Ich theile Ihnen hier den Auszug eines größeren Aufsatzes mit, welcher in einem Wiener Blatte Aber die Emancipation der bisher anerkannten Kirchen und religiösen Gesellschaften erschienen ist. Der Verfasser äußert unter andern: „Auch die .Juden werden unsere Industrie in allen Zweigen heben helfen und unsere Thätigkeit zur gewünschten höher» Potenz steigern. Bisher war ihre Sphäre der Handel, die -Fabrikation, die Medizin und die Kunst in allen diesen Zweigen leistete sie Ausgezeichtteteö, und dennoch waren sie nicht monopolisirend, denn neben ihnen lebten eben so große Kauflmie, eben so geschickte Fabrikanten, eben so erfahrene Aerzte und eben so ausgezeichnete Künstler aus andern Religionssekten. Lassen wir sie nun mit ihren Kapitalien, mit ihrer Industrie, mit ihrem Fleiße und mit ihrer Genügsamkeit auch in die Sphäre der Handwerker, der Ackerbautreibenden, der Gelehrten treten, und sie werden bald die Fortschritte der Wissenschaft und^/die Erfahrungen des Auslandes auch bei uns verbreiten und Manchen, der noch von der Fußtapfe-seines Vorfahrs nicht abznweichcn wagte, zur gesteigerten Kraftentwicklung vermögen. Jedenfalls gereicht es den österreichischen Nationen zur größten Auszeichnung, daß sie es selbst warm, welche von den ersten Märztagen an allenthalben, und selbst der Krone gegenüber, den Wunsch aussprachen, auch die Juden emaneipirt zu wissen. WaS wäre auch die Freiheit, wenn auch nur eine Nation noch geknechtet bliebe? und die Negierung, welche längst die C'maneipatiori der Juden wünschte und sich nur durch die Privilegien der Provinzen an deren Ausführung gehemmt fühlte, ergriff mit Bereitwilligkeit diese Gelegenheit, und je rnirfc dieses längst gedruckte Volk bereits durch die Konstitution vorn 25. April v. I. und eben so faktisch in dem darauf gefolgten Wahlgesetze für gleichberechtigt erklärt- Der Reichstag, den Willen der ihn sendenden Völker im Auge haltend, hat die besonder« •) Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, den innigen Wunsch auszusMchen, daß in vielen Gemeinden von Seiten der Rabbiner oder Lehrer für jenen edlen Z-rveck kleine Sammlungen Veranstalter werden mögen. Leider sind die hier übersandten 5 Thaler bis jetzt das Einzige, was mir für diesen Zweck zugekommeir. Red. Jndcnsteucm aufgehoben, das jetzige Ministerium hob die Bezeichnung der Religion tm den Pässen auf, und der Kaiser setzte endlich ihre Emancipation in den Grundrechten der Oesterreicher oben an. Mit diesem Momente hörte eine ganze Nation, die seit einem Jahrtausend in rmserm Staate als ein Mittelding zwischen Fremden und Einheimischen lebte, auf, eine abgeschlossene Kaste zu bilden. Von nun an werden sie mit Liebe au ihrem Baterlande und an ihren Mitbürgern hängen und bereitwilligst jedes Opfer für das allgemeine Beste bringen. Am 28. v. Mts. war eine Deputation von Rabbinern ans Mähren und Schlesien beim Kaiser in Olmütz» um ihm für die Konstitution vom 4. März zu danken, die sie „zu Menschen gemacht." In der anerkennenden Antwort des Kaisers sind die Worte der Ansprache bemerkenöwerth „Meine jüdischen Mährer und Schlesier" (nicht wie bisher üblich: Juden aus Mähren und Schlesien). Unter den Rabbinern sind einige wirklich ausgezeichnete Männer. Sie wollen in ihren Gemeinden auch dahin wirken, daß aus dem Familienleben der Juden der häßliche Jargon allmälig entfernt werde und die Juden die Sprache auch im Hauswesen sprechen, die in der Gemeinde allgemein gütig ist. Dadurch würde freilich in der eigentlichrn Emancipation der Inden rücksichtlich des Gerneindclebens ein in seinen Folgen äußerst wichtiger Fortschritt geschehen. Wir erwarten von unfern mährisches und schlesischen Brüdern, daß sie die Zeit und deren nothwendige Konsequenzen beherzigen, und zum gemeinsamen Heile wirken werden. Bl.... Breslau, im März. Bei den jetzt zerklüfteten Anständen der jüdischen Gemeinden wird es nicht ohne Interesse sein, wenn ich die begeisterten Worte Dr. G e iger's herstelle, mit welchen er zur öffentlichen Prüfung der Zöglinge der hiesigen jüdischen Religionsunterrichts- Anstalt für den 1. April eingeladen. Diese Worte lauten: „Die innere Kraft einer Anstalt bewährt sich dann in vollem Maße, wenn ihr sowohl alle äußern Anhaltspunkte und Stützen, als auch die Wärme der allgemeineren Aufnterksamkeit entzogen worden und sie nur auf ihrem eigenen Schwerpunkte ruht. Unsere Anstalt hal diese Erfahrung, in der das Erfreuliche weit überwiegend ist, im Laufe des an ihr vorübergegangenen ecetgnißrcichen Jahres gemacht. Gewohnt, in stillem Wirken, in ausdauernder geräuschloser Pflege der edlen Krime in jugendlichen Herzen ihren Weg zu verfolgen, wmde sie durch die Beweise allgemeiner Theilnahmc stets erquickt; sie ward jedoch nicht eutmuthigt, als die öffentliche Aufmerksamkeit aus bedeutungsvollere und umfassendere Erscheinungen hin und von ihr abgelenkt wurde. Auch das enge Band, in welchem sie mit einer ofsiciellen Gemeinde-Verwaltung stand und welches ihr eine größere Sicherheit verbürgte, wurde anfgelöst. Die bestehende Gemeinde hat den merkwürdigen Versuch gemacht, sich

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