Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1849)
- Date
- 1849-04-14
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
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75 liche Ergebniß der Grundanschquuna, dr'e das von ibm wilder zur Geltung gebrachte Gesetz ins Dasein gerufen, datz, wie jede fluchwürdige That, forrzeugcnd Fluchwürdiges schafft. Es ist die in der That unwiderlegliche Schlußfotge der Bosheit, die Konsequenz des Uebermuths und der Ideengang der Dummheit, die, als diabolische Potenzen bei solchem Verfahren den Vorsitz führen — mit einem Worte: es ist die bekannte Wolfslogik gegen das Lamm, die in der ganzen grauenvollen Geschichte der Mißhandlungen des jüdischen Volkes mit immer gleich bleibender, brutaler Dialektik geltend gemacht w rd, zur ge echten Strafe dafür, daß es mit verstockter, heilloser Skepsis noch immer an dem unermeßlichen Segen der christlichen Liebe ungläubig zu zweifeln wagt. Daher immer dasselbe Panier, dieselben Waffen, dieselben Manöver und Parole, nur nach Zeit und Umständen in der äußern Form verschieden. In der Thar läßt die unverkennbare Verwandtschaft der Geister zwischen der Eminenz zu Ancona und den Kreuzrittern an der Spree, jedes Wort der Vertheidigung, jede Appellation an Vernunft und Gewissen nur als nutzlose Verschwendung erscheinen, da unsere Gegner in ihren Deduktionen sich als die -modernen Gänse des Kapitols geriren, durch die unisonen Stimmen der Unvernunft das Land zu retten meinen, und dafür, allem Anschein nach, wie ihre römischen Vorbilder, auf Staatskosten fetirt werden. Gegen solche Macht im Bunde mit dem bösen Willen kämpfen auch die Götter vergebens. Zaghafte Gemüther wollen daher bei der Wahrnehmung der unüberwindlich scheinenden Tücke, im Widerstand gegen die dämonischen Gewalten verzweifeln, die schwache Hoffnung auf das einstige Schwinden derselben muthlos bis in die fernste Zukunft rückend. Wir theilen diese Kleinmüthigkeil nicht« Der zu verjüngtem Leben erwachse, eine neue Weltgestaltung verheißende Geist der Prüfung, Sichtung und Läuterung, der jetzt mächtig über Staaten und Lander weht, und mir undezwinglicher Kraft auf die gründliche Ausscheidung aller unreinen, das Leben der Völker trübenden Elemente dringt — dieser unbesiegliche Weltcroberer, vor dessen blinkendem Schwerdt übermüthige Tyrannen zittern, wird auch das höllische Treiben jener elenden Kettenschmiede der Menschheit, deren besonderes, als leichte Beute erscheinendes Ziel das lang geknechtete, mit allen physisch»n und moralischen Henkerkünften gepeinigte Israel ist, für immer zu Schanden m .chen, und die Schmach auf ihr eignes, finstre Pläne brütendes Haupt zurückwälzen. Darum laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei. Wie der angebellte Mond ruhig in der Höhe seine Bahn dahin wandelt, unbekümmert um die Mißcöne da unten: so wollen auch wir, im Bewußtsein des reinen Strebens nach den edelsten Gütern her Freiheit, den ohnmächtigen Hohn verachten, womit die Unverbesserlichen, im verbissenen Ingrimm über den endlichen Sieg desLichts und Rechts sich kleinlich zu entschädigen trachten. Berrin, 28. März 1849. I. M. Hoppen heim. Deutschland's vereinigte Staaten« Wien, 22, März. Allmalig beginnt man in den Provinzen die Versassungsurkunde nicht blos anzustaunen, sondern mit praktischem Auge zu studiren. Es ist kein Wunder, daß man gleich am §. 1 ein tüchtiges Pensum hat und daß die Diskussion sich aller Wahrscheinlichkeit nach bei ihm länger als bei manchen folgender tz aufhalten wird, denn er eröffnet einen ansehnlichen Theil mancher Stadtbevölkemng die Aussicht m eine i/ita nova, und hinter den Ghettogittcrn kann man natürlich den Augenblick nicht erwarten, wo die schöne Aussicht sich in Wirklichkeit verwandelt. Das ersteRaisonuement über diese Frage, welches wir aus Teplitz in der „Prager Zeitung" finden, scheint uns wichtig genug, um hier mitgetheilt zu werden: Zu den Fragen ans und neben der Reichöverfassung, deren baldige Losung, weil sie in das tägliche Leben eiugrcifen, und die Gerichte wie die Administrativbehördeu rathlos finden, Noth thut, gehört auch die in Betreff der Emancipation der Juden. Sie ist doppetgliedm'g: 1. Einige fragen sogar: Spricht denn die Reichs- Verfassung auch wirklich die Emancipation der Juden aus'? Die Bejahung dieser Frage unterliegt wohl keinem Zweifel, denn wie ließen sich sonst folgende Bestimmungen denken? - ,,Der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig" (§. 1 der Grundrechte). „Für alle Völker des Reiches giebt es nur Ein allgemeines österreichisches Reichsbürgerrecht" (§. 23 der Verfassung). „Die Freizügigkeit der Person innerhalb der Reichsgrenzen unterliegt keiner Beschränkung" (§. 25), „Jede Art von Leibeigenschaft, jeder Unterthänigkeits- oder Hörigkeitsverband ist für immer aufgehoben" §• 26). „Alle österreichischen Reichsbürger sind vor dem Gesetze gleich" (§. 27). „Die öffentlichen Aemter und Staatsdienste sind für alle zu denselben Befähigten gleich zugänglich" (§. 28). „Jeder österreichische Reichsbürger kann in allen Theilen des Reichs Liegenschaften jeder Art erwerben, so wie einen jeden gesetzlich erlaubten Erwerbszweig ausüben (■§. 30). . Wohl drängt sich dazwischen das bisherige Verhältnis der Juden zum österreichischen Staate, welches kein staatsbürgerschastliches gewesen, wie man sich hierüber, ohne in der Vorzeit nachzusehen, und in die Ursachen und die Etttstehuttgöart der höheren Besteuerung und der übrigen ..in Betreff ihrer bestandenen harten Ausnahmsgesetze einzugehen zu brauchen, schon aus neueren 15*