Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1849)
- Date
- 1849-04-07
- Page
- Seite 71 (sequence 5)
- Language
- German
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71 Berlin, 26. Marz. Am Jahrestage der Märzrevolntivn hat der Prediger der Genossenschaft eine Rede gehalten. Die Genossenschaft hat auch den Sabbat ganz abcvgirt und dafür den Sonntag eingesetzt. Breslau, 25. März. An dem regen politischen Leben unserer Stadt betheiligen sich sehr veele Juden im verschiedenartigsten Sinne. Es giebt radikale und gemäßigte Klubbmänner, wie in jeder andern Konfession. Die Namen Honigmann, Allerbach, Friedmann u. s. w. sind dem Volke sehr geläufig. Die judenfeindliche „Kreuzzeitung" kann hier auf wenig Sympathien zählen. Frankfurt a. At., 20. März. Die hiesige Gemeinde wird 18 Mitglieder zur Eutwerfnng eines neuen jüdischen Gemeindestatuts wählen. — Riessers Rede in dem Welcker'schen Antrag machte eine tiefe Sensation und die Blätter der kaiserlichen Pariei erheben ihn bis in die Wolken. Riessers Reden zeichnen sich durch eine erhabene Sittlichkeit aus. Selbst Gag ern bezeigte ihm seine Bewunderung für die Rede. Wir glauben in Riesser noch einen künftigen deutschen Minister zu sehen. Hannover, im März. Vor Kurzem wurde hier in diesem Blatte der hiesigen Anstalt für Lehrer gedacht und ich theile Ihnen hier eine Bekanntmachung mit, welche die Verwaltungskommission in Bezug auf diese Anstatt versandte. Aus dieser werden Sie ersehen, was in dieser Anstalt gelehrt wird und daß auch Fremde sich dabei betheiligen können; es wäre aber im Interesse der Anstalt zu wünschen, daß die Verwaltungskommission einen ausführlichen Plan über Anlage und Ausführung dieser Anstalt veröffentlichen möchte, damit das Publikum über dieselbe genau bei der Benutzung unterrichtet sei. Die Bekanntmachung lautet: „Nachdem am 7. November v. I. die Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer unter Leitung des Oberlehrers Dr. Frensdorfs mit? Zöglingen eröffnet ist, soll nach dem Passahfeste d. I. eine neue Aufnahme von Zöglingen stattsinden. Sie müssen 15 Jahr alt sein, einen guten moralischen und religiösen Lebenswandel bescheinigen, die nörhigen Vorkennrnisse besitzen und Nachweisen, daß für ihre Wohnung und Unterhalt dahier auf angemessene Weise gesorgt sei. Der volle Kursus ist ein dreijähriger; die Unterrichtsgegenstände vorläufig die Bibel mit Kommentaren, hebräische Grammatik, Mischna, biblische und jüdische Geschichte, Religion, deutsche Sprache, Pädagogik, Weltgeschichte, Geographie, Raturlehre, Schönschreiben, Rechnen und Gesang. Den Unterricht erthcilen der Landrabbiner Dr. Meyer, Oberlehrer Dr. Frensdorfs und mehrere Hilfslehrer. Das Schulgeld beträgt halbjährig 6 Lhlr. Die Meldungen zur Aufnahme sind baldmöglichst bei dem mitunterzeichneren Landrabbiner Dr. Meyer einzureichen, und haben sich die Aspiranten spätestens Montag den 16. April Hierselbst einzusinden, da am 17. die Vorprüfung stattfindet und am 18. der neue Kursus beginnt. Hannover, den 5. März 1849. Die Verwaltungs-Commission der Bildungs- Anstplt für jüdische Lehrer. Unger, Regierungsrath. Dr. Meyer, Landrabbkner. A. Bereu d, Banquier. Salomon Cohen, Banquier. Dr. Frensdorfs, Oberlehrer. Wien, 23. März. Wir stellen hier einige Urtheile von verschiedenen Standpunkten aus über Jellinek zusammen. Durch eine Gegenüberstellung der verschiedensten Urtheile sind wir erst in den Stand gesetzt, uns ein klares Bild zu machen. Ich übergehe hier einen wehmülhigen Nachruf, der zur Märzfeier in der „Gratzer Zeitung" Herm. Jetlinek nachtönte. Fenuer von Fenneberg, ehemaliger Oberkommandant, der Wiener Volkswehr, schreibt in seiner Geschichte der Wiener Oktobertage, 1. Theil, S. 119: „Hermann Jetlinek war ein edler, großartiger Charakter. Größer als Mensch denn als Schriftsteller, dessen Hegel'sche Umschreibungen der Zeitläufte nur den Wenigsten klar waren, wenn sie auch den tiefen Geist und dm kühnen Willen erkannten, hat Jetlinek für die Sache der Demokratie gewirkt und gestritten bis an sein erhabenes Ende. H. Jellinek war klein und schwächlich, ohne die geringste Kenntniß von der Handhabung der Waffen. Niemand hätte von ihm gefordert, daß er an dem Kampfe thätigen Antheil nehme, aber Jellinek verschmähte es fern zu bleiben. „Wenn ich auch keine Waffen fuhren kann, so soll man doch keinen der Wortführer der Demokratie im Kampfe vermissen, " sagte er zu dem Geschichtschreiber dieser Tage, und H. Jellinek begab sich am 28. Oktbr. unbewaffnet auf eine der Barrikaden, wo der Kampf am heftigsten wüthete, und blieb Stunden lang, von Kugeln umsanst, auf daß kein Flecken die Sache der Demokratie beschmutze." — H. Pröhle schreibt in der „Kölner Zeitung": „Jellineks verkümmerte Gestalt wird sich jedem tief eingeprägt haben, der ihn jemals gesehen. Er war philosophisch, gebildet. Er disputirte gern, war aber leicht aus dem Felde zu schlagen, wenn mau ihm mit Witz und Satyre enlgegentrat, die ihm, wie den meisten Philosophen, nicht zu Gebote standen, denen er selbst durch seineAnsdrnck'e und durch seine ganze Art und Weise, sich die Dinge Zu konstrniren, unzählige Angriffspunkte bot. Aber er konnte dann sehr leicht noch einen Sieg erfechten, indem er den Gegner beschämte durch die Art und Weise, wie er dergleichen Angriffe anfnahm. Er sah ihm dann so kindlich heiter mit mildem Lächeln ins Auge und wartete so geduldig und freundlich die Zeit ab, vis sein Opponent geneigt sein würde zur ernsthaften logischen Erörterung der Sache zurnck'zukehren, daß er in diesem Punkte allen philosophischen „Tiftlern" als Muster dienen kennte, und zuweilen noch da, wo er schon aus dem Felde geschlagen war, eine völlige Ueber- , legenheit zeigte. Diese und andere kleine Züge, deren wir uns von ihm erinnern, hängen mit der Seelengröße zusammen , die er von allen Opfern der Militär-Herrschaft beim Sterben am meisten bewies. Niemand hätte