Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1849)
- Date
- 1849-04-07
- Page
- Seite 72 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 72 dies von dem verkümmerten Gelehrten, von dem verweichlichten Menschen erwartet, um so weniger, da die Aufrichtigkeit, mit der er seine Ansicht von den Dingen aussprach, wie er sie sich nun einmal zurecht gelegt hatte, ihm kurz vor seinem Tode in dem Rufe der Gemeinheit brachte. Er hatte nämlich erklärt, ihm fehle es all persönlichem Muthe; seine Aufgabe sei es nicht, an den Barrikaden zu stehen, sondern zu schreiben; da e« indessen doch für den Augenblick das Bedürfniß fühle, sich an den Dingen, die unter seinen Augen vergingen, zn betheiligen, so wolle er die Ausübung der Polizei in die Hand nehmen, und. den Redakteur eines Blattes, dasden Kroaten zuweilen etwas das Wort redete, im Namen des freien Staates verhaften. Ich weiß nicht, ob er freiwillig hiervon abstand, oder ob man ihn daran verhinderte. Was den persönlichen Muth betrifft, so fand derselbe sich in dem Augenblicke bei ihm ein, wo es ihm klar wurde, wofür es zu sterben galt. Denn nachdem er vcrurtheilt war, legte er sich den Fall schnell im Geiste zurecht. Er brachte heraus, es sei gut, daß nun auch durch seine Hinrichtung die Juden und die Journalisten in Oesterreich einen Märtyrer haben würden; es müsse dies bei den späteren Zuständen des Landes an ihrer Lage noch einmal vergolten werden. Und in der That, sie können es gebrauchen! Nachdem er so die ideale Seite von seinem traurigen Geschicke glücklich herausgefunden hatte, starb er eines deutschen Deukers würdig. Die drei Jäger, welche die Büchsen an legten, auf diesen Hirsch .(das bedeutet, wenn ich nicht irre, der Name Jetlinek), trafen ihn schlecht, und er hat mehr Todesqualen ausgestanden, als alle Anderen. Der Himmel hat den Schmerzensschrei gehört, mit dem er hoch in die Luft sprang, als die Schüsse gefallen waren. Es heißt, daß man zuletzt mit Kolbenschlägen und Bajonetstichen seinem Leben habe ein Ende machen müssen. Friede seiner Asche. •JÖtcit, 24. März. Alls Anlaß der noch immer häufig vorkommenden Gesuche, welche Inden sowohl bei der Regierung, als bei der hiesigen Stadthäuptmarmschaft wegen Bewilligung zum hiesigen Aufenthalte einreichten, hat die k'ön. Landesstelle die Weisung erlassen, daß bei dem Umstande, daß nach den Grundrechten §. 1 das Religi on sbekenntniß k e in en Unter sch ie d in B ezi eh u ng au s p o l i ti s ch e und bürgerliche Rechte begründet, über solche Ausenthaltsgcsuche keine weitere Verhandlung einzuleiten sei, sonderll daß die fremden Juden lediglich nach den bestehenden 'allgemeinen Paß- und Frcmdengesetzeu wie alle übrigen Fremden zu behandeln-kommen. Berlin, 25. März. Der bekannte Komponist und Gesanglehrer Julius Stern hat vom König in Anerkennung seiner Verdienste im Gebiete der Tonkunst den Titel Musik-Direktor erhalten. Erist also der zweite Jude in Preußen, dem eine solche Auszeichnung zu Theil wird. Bekanntlich ist Meyerbeer General- Musik-Direktor. Leipzig, 29. März. Die Stadtverordneten haben einstimmig in Folge der Bestimmungen der deutschen Grundrechte beschlossen, fortan bei Aufnahme von nichtsächsischen Juden, lediglich nach denselben Grundsätzen zu verfahren, wie bei Aufnahme von Ausländern zur Anwendung zu bringen sind. Oesterreichische Nebenländer. Krakau , im März. Ein Reisender ans Krakau theilt zur Charakteristik dortiger Zustände folgendes mit: Der jetzige Präsident in Krakau, Herr Michalowski, früher der Emigration angehörig, hat vor 14 Tagen eine'Verfügung erlassen, wonach die in den benachbarten Dorfschaften angesessenen Israeliten, Mann für Braun mit 500 st. Strafe angezogen wurden-,. weil nach den alten Schindlerschen Statuten den Israeliten nicht gestattet war, auf dem platten Laude sich anzusiedeln. Auf die Beschwerde eines Kaufmanns, L. Juttkowitz, der sich auf eine Besitzung deS Grafen Potozki niedergelassen hatte und welcher dem Präsidenten erklärte: Wir Israeliten sind doch jetzt österreichische Unterthanen und haben also der Konstitution zufolge gleiche Rechte wie alle übrigen österreichischen Staatsbürger, wie kommt es also, daß man uns wegen Uebertretung eines Verbots bestrafen will, welches, so lange es rechtsgiltig bestand, niemals mit Strenge cxekntirt wurde und jetzt gar keine Giltigkeit mehr hat? — erwiederte der Präsident: ,,Jch halte mich an die alten Statuten, so lange kein neues Gesetz vorliegt". Das ist also in Wahrheit die Emancipation, welche den Juden ans dem Papiere verheißen ist und ein Pole ist es, welcher den Juden die von der Regierung gewährte Emaneipation zu Wasser macht. — Ein Pole allerdings; aber das soll das brüderliche Verhältnis' der Polen und 'Juden in Galizien nicht stören; obwohl es gerade' darauf abgesehen ist. Die Jude» wissen recht gut, daß sie ihren polnischen Brüdern trauen dürfen, sie sind auf Grund der Mittheilnngen des Herrn Rabbiner Meisel überzeugt, daß die polnischen Deputaten auf dem Reichstage für Emaneipation gestinimt hätten und daß Herr von Michalowski zwar ein Pole, doch aberein entschiedener Reaktionär ist. Sie habe'ss nur den Wunsch, daß alle Beamten in Galizien entweder echte Polen oder aufrichtige Oesterreicher wären. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I.H. Nagel.