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Der Orient · 1849-03-31 · Heft 13 (31.3.1849) · p. Seite 67

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 13 (31.3.1849)
Date
1849-03-31
Page
Seite 67 (sequence 5)
Language
German
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67 - genüber von ihren Privilegien abzustehen. Wir hoffen aber auch, daß die Regierung nicht bloö Juden erschießen lassen, sondern die Juden auch in deren Recht schützen werde. — Merkwürdig aber bleibt es, daß die Auflösung des Reichstags und die Proklamirung der österreichischen Grundrechte gerade an Taanit Esther (7. März) stattfand. Unser Purim war ein doppelter. Nikolsburg, im März. In Folge der Emanzipation der Juden haben an einigen Orten bedauerliche Scenen stattgesunden. Wir hoffen, daß die Rabbinen in Mahren auch auf die Christen wirken werden, um denselben begreiflich zu machen, daß die Emancipation ein Akt des Rechts ist, das Jeder gelten lassen muß. — Der Landrabbiner Hirsch geht damit um, einen Hirtenbrief an alle Gemeinden zu erlassen,, worin er denselben an's Herz legen wird, sich der Emancipärion würdig zu zeigen durch Erfüllung aller staatsbürgerlichen Pflichten, durch einen versöhnlichen. konfessionellen Geist und durch Kraftanstrengung zur Aufrechthaltung der Verfassung. — Die mährischen Rabbiner haben jetzt einen großen Wirkungskreis gewonnen, indem sie ihren Gemeinden über deren neue Stellung im Staate belehren. Wien, 9. März. Fischhoff.* Wer sich gestern Abends in den ittumuiirten Straßen der wogenden Menschenmenge angcschloffcn, es getrost der friedlichen Zukunft überlassend, auf der konstitutionellen Grundlage weiter zu baüe'll, den überkam wohl zeitweise der traurige Gedanke, daß gerade derjenige, dem vom Schicksal das Glück beschieden wurde, einer neuen Zeit das ersteWort zu sprechen , nun, da diese Zeit ihren ersten Jahrestag erlebt, sich dessen nicht erfreuen dürfe» Da sitzt er einsam in der Gefängnißkammer — seine Gesellschaft ist ein Schwärzer!** Ec träumt vom 13. März, wo er unter dem Rufe ,,der Freiheit eine Gasse!" den Ständehof durchschritt, um den oben versammelten Ständen die Wünsche der Universität vorzutragen; er träumt vom Präsidium im Musikveremssaale, wo er die brandenden Wogen des Volksstromes in das gesetzliche Bett eindammte, vom 13. Juni, wo er in begeisterter Rede die Zuhörer zur Rettung der österreichischen Waffcnehre auffordcrte—; vom Frohnleichnamstage, wo die, „am Hofe" befindliche Generalität den Präsidenten des Ausschusses für Sicherheit, Ruhe, Ordnung und Wahrung der Volksrcchte", ehrend empfing; er träumt von dem Tage, wo ein Bezirk der Hauptstadt ihn zum Volksvertreter für den Reichstag wählte, er träumt, und, schon erwacht, glaubt er noch zu träumen. Zu solch bedeu¬ *) Bekanntlich ist Dr. Fischhof, der Märzheld und der Freiheitsmann verhaftet durch Willkür der Säbttherrschaft. Red. .°) Fischhof sitzt im Wollzeihaus und muß wahrscheinlich wegen Ueberfüllung des Raumes seine Gefangnißhalle mit einem wegen SchleichhandeL arretirten theilen. tendem Wirken hatte ihn das Glück auserkoren, auf daß sein endlich Loos so traurig sei! Doch nicht er allein glaubt zu 'träumen, nicht er allein ist in Unwissenheit über die Beschuldigung, welche ihm die Verhaftung zugezogen, wir Alle theilen seine Unwissenheit, und was mehr ist, der Ministerrath theilt sie mit uns. Unter solchen Vechättnissen erachte ich es für die Aufgabe der Presse, die hie und da laut werdenden Stimmen über den Gnuld der Verhaftung einer unbefangenen Prüfung zu unterwerfen,. damit auf solche Weise sich das allgemeine Urtheil kläre. Wer Fischbof nicht kennt, dürste seine. Verhaftung leicht mit dem 6. Oktbr. in Verbindung bringen. Aber auch ohne alle Berücksichtigung seiner Persönlichkeit zerfällt eine derartige Beschuldigung schon bei der Erwä- .gung folgender Umstände. Fischhof, der damals Ministerialrath war, hatte in Folge der in Galizien ausgebrochenen Cholera im Auftrag der Regierung eine Reise dahin unternommen und laugte erst am 4. Oktober Abends hier an. Fischhof war es, gegen den im Hofkriegsgebäude, als er für Latour das Wort nahm, ein Nationalgardist die Drohung schleuderte: „Traut diesen Märzhelden nicht, sie sind auch schon Verräther am Volke!" Das sind Momente, die mit der Annahme einer unmittelbaren oder auch nur mittelbaren Betheiliguug sich durchaus nicht vereinbaren lassen. Eine andere Version geht dahin, Fischhofs Wirken in der Permanenz des Reichstagsausschussts trage die Schuld seiner Verhaftung. Ich kann daran nicht glauben, um so weniger, da mehrere seiner damaligen Kollegen gegenwärtig in dem freien Wien frei herumgehen. Ein unsinniges Gerücht hat Prato einer Korrespondenz mit Karl Abcrt angeklagt, es darf uns daher nicht wundern, wenn man folgerecht da und dort auch an einen Briefwechsel zwischen Fischbof und dem ungarischen Agitator denkt. Die Vermuthung liegt nahe, da Fischhof aus Ofen gebürtig, sie liegt aber ganz außer dem Kreise der Möglichkeit für Alle, die ihn näher kennen; (und ihrer sind viele!) ihn und seinen besonnenen deutschen Charakter, seine ehrliche Gesinnung, seinen Haß gegen jede Jntrigne. Ich mußte ein Buch schreiben, wollte ich nur die Hauptmcmente ans dem öffentlichen Leben des Jnhaftirten im Laufe des letzten Jahres anführen, welche als Belege, für seine seltene Uneigennützigkeit, für seine Aufopferung und Selbstvcrlärigmmg gelten können. Doch ich beschränke mich hier auf die Mittheilung einer Aenßernng, wie sie mir aus fccrn Munde eines Beamten geworden, der ihm in vielen wichtigen Stunden zur Seite gewesen. „Was sic von Fischhoff haben wollen," sagte der Mann in senior schlichten Manier, „kann ich durchaus nicht crrathcn. Diese ehrliche Haut! Welchen Nutzen hätte jeder Andere ans dem PräsidentLnstnhle geschöpft, während Fischhoff uns durch seine Sorglosigkeit um sich

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