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Der Orient · 1849-03-24 · Heft 12 (24.3.1849) · p. Seite 61

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 12 (24.3.1849)
Date
1849-03-24
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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— 61 — weisen der großen Denker noch nicht ganz zugänglich, entspann sich jener jeden großen Geist bisher auszeichnende Jdcenkampf und dieser Prozeß war, so viel wir eben in der letzten Zeit noch zu bemerken Gelegenheit hatten, noch immer nicht beendet. Sein Aufenthalt Ln Deutschland, sein Besuchen der größten Universitäten, sein fortgesetztes philosophisches Studium vorzüglich Des Hegetianismus, förderten diesen zwar.gewaltig, dennoch war seine Entwicklung nicht gänzlich bei seinem (Eintritte in Oesterreich vollendet. Nichts desto weniger, war er schon zu festen unerschütterlich in die Seele eingewurzelten Prinzipien gekommen und dies ist was wir hier etwa hervorheben wollten, um die Größe des Opfers zu zeigen, die er der Welt gebracht hat. Er faimtc nämlich nur eine Position, dies Wesen des uns in verschiedenster Form und Sinnentäuschung umgebenden Urstoffö und der ewigen unabänderlichen Gesetze, innerhalb welcher diese Wechselwirkung der einzelnen Erscheinungen vor sich geht. Theismus , Unsterblichkeitslehre waren ihm fremd. Der Mensch galt ihm als -höchster Selbstzweck, Die Welt als diejenige /Anstalt, die er sich nach seiner besten Einsicht modeln und nach besten Kräften vervollkommnen soll. Jeder Eingriff in dieses dem Menschen zukommende Recht, galt ihm als Verbrechen, gleichviel von welcher Seite von Oben oder Unten dies auögirig. Dieses Prinzip auf Nationalökonomie und Politik übertragen, findet man begreiflich ihn als Aristokraten-, Plutokraten- und Dynastenfeind, als Demokraten, Soeialisten und Republikaner zu finden. Was sich nun als theoretische Ueberzeuguug ihm aufdrang, das glaubte er ohne Rücksicht auf die konkreten Verhältnisse aussprechen zu müssen, das stellte er vor seine Mitmenschen als unabweisbares selbst mit Gewalt zu. befriedigende Postulat hin. Das war wohl Ln den Augen praktischer, den Zweck und ihre Mittel wohl abwägender Menschen ein politischer Mißgriff, in den Augen der Gegenpartei aber ein Verbrechen, ein Verbrechen welches gerächt werden mußte. Und so diktirten ihm die auf Bajonetten sich stützenden Machthabcr die Strafe, dies Scheiden vom Leben zum Tode, das Entsagen „der schönen Gewohnheit des Daseins." Es war dies für ihn, der den Tröstungen der Religion unzugänglich war, der mit der Zerstörung Des Organismus, sein ganzes Sein abgeschnitten und ins Nichts zurückgeführt glaubte, und die ganze Sphäre der menschlichen Thätigkeit, sein Schaffen, sein Genießen und Leiden nur in diese Welt versetzte, allerdings ein schweres Verlangen. Eine noch härtere Form hatte es für ihn deshalb, weil er von der großen Bewegung, die ganz Europa ergriffen, in dem Augenblicke hinweggerissen wurde, wo sie einen starken Absatz machte und ihren hellleuchtenden Strahl von düsterem Gewölke getrübt fand. Nichts desto weniger unterzog er sich dem über ihn verhängten Geschicke mit jenem stoischen Gleichmuthe und jener festen Entschlossenheit, die das unerschöpfliche und schönsteMitgift der himmlischen Philosophie sind. „Jede Uebergangsperiode erfordert ihre Opfer" sagte er .und mit diesen Worten fügte er sich in die von dem ewigen Gesetze aufgestellte Nothwcndigkeit. Es liegt eine tiefe Wahrheit, ein tiefes Erfassen der weltlichen Verhältnisse in dieser Sentenz, aber eine noch tiefere Tugend, die reinste die es gibt. Und diese adelte seinen Tod, ihn. Er ist ein Märtyrer der Freiheit, der Menschheit. Einst wird diese dorthin angekommen sein, wohin er sie wähnte und dann wird auch er unter den Heiligen voranschweben, welche die nmgestaltete und zu ihrerWnrde emporgehobene Gesellschaft als leuchtende Musterbilder verehren wird. Friede seiner Asche! Aus dem Netzdistrikt, im März. Es hatte — wie wir neuerdings wieder erfahren haben — gar nicht viel gefehlt, so wäre der jüd. Gastwirth Kaatz in Posen zum Abgeordneten für die H. Preuß. Kammer gewählt worden. Daß dieses nicht geschehen, hat in Folgendem seinen Grund. Unter den Deutschen Demokraten hatten sich zwei Parteien gebildet, die eine war für Gastwirth Kaatz, die andere für L. G. Dir. Seeger. Die Majorität war lange Zeit auf der Seite des Erstem und dieser würde aucb unbedingt über feinen Rivalen den Sieg davon getragen, wenn nicht einige Tage vor dem 5. Febr. (Wahltag) un Schooße der Demokraten eine Zwiespalt ausgebrochen wäre und wenn nicht in Folge dessen bei einer am 3. Febr. stattgehabten Vorwahl sich fast sämmtliche j ü d i sch e Wahlmänner gegen K. und für S. erklärt hätten.* K. hatte aber immer noch eine ziemlich starke Partei, und diese wellte sich nun mit den Polen verbinden, um denselben den ihrerseits aufgestellten polnisch-demokratischen Kandidaten durchsetzen zu helfen. Wäre dies Manövre unternommen worden, so würde es ohne Zweifel von Erfolg gewesen sein. Aber Kaatz selbst ließ es nicht dahin kommen, indem er — im Interesse der Deutschen Sache, welche zu wahren und zu verteidigen er seit den Tagen des unvergeßlichen Märzes noch nicht aufgehört hat — zu Gunsten Seegers auf die Ehre, gewählt zu werden, verzichtete.^ Zur Anerkennung des Dienstes, welchen Herr K. durch feine Verzichtleistung der Deutschen Sache geleistet hatte, wurde sofort aus der Mitte der Konservativen und Demokraten eine Deputation von 30 Männern gewählt, welche sich am folgenden Tage zu Herrn K. verfügt und demselben den Dank der gesammten D eu sch en Einwohnerschaft der Stadt Posen überbrachte.*— 1) Fast sämmtliche jüdische Wahlmänner gegen K. Ist das nicht auffallend? 2) Dies geschah in einer anderthalbstündigen politischen Rede, die sehr häufig durch anhaltenden lebhaften Beifall unterbrochen wurde. 3) D. i. die Partei Narrmann's (Abg. in d. II. K.) 4) Inmitten dieser Deputation befanden sich die Notabilitäten Posens; Gen. v. Steinäcker fehlte auch nicht.

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