Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1849)
- Date
- 1849-03-17
- Page
- Seite 54 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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54 und Vorurthcttew, von Eigenmacht und Willkür. Auch sie/ sind in Arkadien geboren» M — z. Deutschlands vereinigte Staaten. Frankfurt a. M. , 1. März. Von Moritz Hartmann's „Reimchronik" ist das zweite Heft erschienen. — Die Verfassungsfrage ist für die Juden speciell wichtig. Kommt ein kompaktes Deutschland mit dem König von Preußen an der.Spitze zu Stande, so kann es den Juden nur erwünscht sein, wird aber durch den Eintritt Oesterreichs der Bundesstaat gelockert, so kann die österreichische Negierung manchen verderblichen Einfluß in Betreff der Juden ausüben, da die Freiheit in Oesterreich auf thönercn Füßen ruht. — Dr. Theodor Creizcirach hat diesen Winter Vorlesungen hier gehalten, die von großem Beifall gekrönt waren. — Riesser sprach sich in einer Rede sehr kräftig dafür aus, daß in B a iern die Grundrechte eingefuhrt werden. Kremsrer, 1. Marz. Die Abstimmung des Reichstags, daß eö fortan keine Staatskirche in Oesterreich geben soll, ist für die Judenfrage sehr wichtig. Es ist dies die Vorhalle der Emancipation. Noch ist die Hauptschlacht über §. 16, der die Gleichberechtigung aller Konfessionen ausspricht, nicht geliefert. Wir wünschen den Oesterreichern einen Sieg, d. h. die Annahme; denn die Verwerfung wäre eine schreckliche Niederlage für Oesterreich. Deutschland gegenüber. Die Nichtannahme würde nur zeigen, daß Oesterreich nicht reif ist, die Juden zu emancipiren. — Die hierher gesandten jüdischen Deputation sind sehr thatig. Hamburg, 1. März. Unsere Stadt war von jeher der Durchgangspnnkt jüdischer Armer und Unglücklicher. Dieses Jahr ist durch das große Jahr 1846, das manche Erwerbsquelle verstopft, besonders besucht von armen Handwerkern und Reisenden. Was nun tu diesem Punkte Aufopferung, Eifer, Menschenliebe und Milde betrifft, so verdient unser würdiger Dr. Kley den vollen Ruhm der Oeffentlichkeit. Es giebt wenig Menschen, die sich so liebreich und zuvorkommend, so freundlich und hingebend der armen Wanderer annehmen, wie dieser echte Nachkomme der D\3Dm m. Bei der vornehmen, anfgektärten Hartherzigkeit moderner jüdischer Reichen konnte ich nicht umhin, dieses wack'ern Mannes besonders zu gedenken. Bevlin< 1. März. Bruno Bauer ist durchgefallen als Kandidat für die preußische II. Kammer, und zwar wegen seiner Schrift über die Judenfrage! Seine Wahlinänncr haben ihm nämlich vorgeworfen, daß seine affektlose Kritik für die Sache der Freiheit höchst unzuverlässig fein, da sie sich bethören lassen konnte, gegen die Gleichstellung der Juden die Feder zu ergreifen. Hr. Bauer hat 1842 wohl nicht gedacht, daß die Judenfrage ihn 1849 eine Klippe für ihn bilden werde. Seine Evangetienkritik hätte ihm keinen Abbruch gethan, da die Apostel die Religion der Liebe predigten; die Juden verehren aber, wie Hr. Bauer weiß, einen eifervollen rachsüchtigen Gott, der bis ins. dritte und vierte Geschlecht bestraft. — Hr. Sachs giebt hur ein periodisches Blatt in hebräischer Sprache heraus. ES soll die Stelle des „Kerem Ehcmed" vertreten. Wir wünschen ihm geistige und materielle Unterstützung, da die jüdische Wissenschaft ohnedies im Argen liegt. — Mit vielen Vergnügen haben wir hier von dem neuen Lehrer-Seminar in Hannover vernommen. Wir möchten aber auch wissen, ob Hr. L.-Rabbiner Meyer Sorge tragen wird, daß gute Schulbücher für Geschichte, Literaturknnde, Propädeutik u. s. w. ausgearbeitet werden. Die vorhandenen Hilfsbücher reichen wahrlich nicht aus. Ich verbinde damit den Wunsch, es möchte ein jüdischer Gelehrter ein geschichtliches Lesebuch für Haus und Schule ansarbeiten. Bis jetzt haben wir noch kein Aeqmvalent für die jüdisch-deutsche Literatur in diesen Genre. Trotz der Vielschreiberei haben wir noch kein modernes „Scheerit Jisrael" für die Jugend, Frauen und Ungelehrte. Natürlich sind gerade für Volksbücher tüchtige und gelehrte Kräfte nöthig. — Unsere liebe „Kreuz-Zeitung" schimpft wacker auf den Abgeordneten Jak.o by, der vom Volke mit tauten Vivats empfangen wird. — Dr. Sachs hat für das Gedeihen der Kammern gepredigt. Gerade sind seine Glaubensgenossen in der Kammer nicht seine politischen Meiunngsgenossen. Berlin, 6. März. Endlich soll unser Gememdewesen seine Auferstehung feiern, indem man damit umgehet, eine konstituirende Versammlung für die Gestaltung des Gemeüldewesens zu wählen. Dabei sind einige Demokraten so thöricht, das aktive und passive Wahlrecht für Jedermann zu verlangen, ohne Rücksicht auf Census. Ich nenne dieses Ansinnen thöricht, weil die Analogie des Staates durchaus falsch ist. Eine Gemeinde ist eine Gesellschaft; wer zur Erhaltung dieser Gesellschaft nichts beisteuert, hat auch kein Recht, an ihrer Gestaltung sich zu betheiligcn, während im Staate Jeder durch seine Geburt alle Rechte erwirbt, und durch indirekte Steuern sowie durch den Militärdienst zur Erhaltung des Staates beiträgt. — Dr. Z u nz ist nicht in die II. Kammer gewählt worden. — Die Reform- Partei sucht auf die neue Organisation der Gemeinde großen Einfluß zu gewinnen. Leipzig/ 6. Marz. In Frankreich sorgen die Socialisten dafür, daß der Geist des Midrasch nicht verschwindet. In einem socialistischen Bankett zu Ehren der Februarrevolution äußerte der Abbe Chatel: „Kain war der erste Proletarier und Abel der erste Aristokrat."