Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-03-10 · 11 (10.3.1849) · p. Spalte 157-158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
11 (10.3.1849)
Date
1849-03-10
Page
Spalte 157-158 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9893968--5824-3534869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

157 Studien. Literarische Miscellen. 158 Ij 1): Verneinung fand auf der einen, .Bejahung auf der an dern-Seite statt. Auf der einen Seite stehen in unseren Quellen die Dichter, auf. der andern Cicero^ Livius, Tacitns. Lasten wir nun unbeachtet, ob der Kultus des Aeneas in der Familie des Cäsar einheimisch sei, so ist die Frage, von welcher Grundvorstellung aus bildete sich der Mythus und Kultus des Aeneas bis auf die Zeit des Cäsar und seiner Nachfolger? Die Phantasie des Verfassers ist S. 111, daß der Name Aivuug, „r>on «LL und vdvo} vivo, vcuvo, vsivo" abzuleiteri, so viel sei als „Jmmerri nn ende"; meine Phantasie ist, daß er, abzuleiren von alvsvo (mit welchem (Stamme SSuttm. Lexil crfoct zusammengestellt) Befehlshaber bedeute. Damit stimmt wenigstens der Ncime seiner Gemahlin Kq&vgcc chie Herrscherin), der Mutter Venus (venei-nri, L i t e t a x i f ch e Mi stelle n. Entg e gnung.") In der mir erst etwas spar zugegangenen Nr. 3 des Literaturblattes werde unter Andern auch ich. von Herrn Dr. Frankel angegriffen und zwar in einer Weise, die hinlänglich das reizbare Temperament darthut, welches Hr. F. hier nicht zum ersten Male darlegt. Da Hr. F. auf meine Rüge nicht eingeht, sich vielmehr mit einer allgemeinen Abfertigung gegen mich begnügt, so erlaube rch mir, hier noch einmal auf dieselbe hinzuweisen, um dieses Verfahren in ein helleres Licht zu stellen, weit entfernt, die Arbeiten des Hrn. F. recensiren zu wollen"). Ich habe aas einer in der Schmidtschen Zeitei'. . Venus...Cloacina; cluere enim antiqui purgare dlcebant, Flin. h, n. XV, 30, die Reinigende, Sühnende): Bei- ' des personificirce Eigenschaften des Herrschers, letzteres dasselbe, wie plus der Beiname des Aeneas;'denn plus heißt 1) sühnend (pium far, piacuium etc.), 2) nach einer der Sprache gewöhnlichen Uebertragung . (et'. inviäia malitia) — fromm,?iu8 Aeneas ist demnach ursprünglich der sühnende Aeneas; piu8 bezeichnet das Priestergeschäft, das jeder pater kamUia« als Inhaber der Familiensacra hat, und nach diesem Sinne ist auch wohl das kirchliche piüs Christus (z. B. in derSeelenmeffe).zu fassen. Der ursprüngliche Sinn des Wortes hat sich also, wenngleich die Dichter unter Augustus die pietas des Aeneas auf die Kindesliebe deuteten, und damit eine Beziehung zu Augustus selbst fanden (Övid fast, Ml, 709) fortwährend neben der abgeleiteten Bedeutung erhalten. Diese Deutung aber, so naturgemäß sich der spätere Charakter des Kultus an sie anschließt, kann doch auf Richtigkeit nicht eher Anspruch machen, als bis alle Erscheinungen des Aeneaskultus über Griechenland' und Italien verbreitet sind, und, in einem Zeitraum von 1000 Jahren vielfache Einwirkungen und Umgestaltungen erfahren mußten, eine an sich große und umfangreiche Arbeit, rechne ich aber dazu noch das Bereich aller andern in Bezug auf Troja zu besprechenden Kulte, so ergiebt sich wohl, daß ich abgesehen von des Sokrates weisem Spruch, der an die Grenze unseres Wissens mahnt, behaupten 'darf, es sei die Masse der. nöthigen Vorarbeiten zu groß , als daß mit) wissenschaftlichem Ernste ein Thema, wie es der Verfasser stellt, auf zwanzig Druckbogen erschöpft werden, könne. .Der Wunsch, den Innern organischen Zusammenhang zwischen der frühesten, und später» Zeit zu erkennen, äst gewiß zu billigen, und was zu seiner Verwirklichung geschieht, zu loben. , In sofern habe ich das Buch, das sonst in angenehmen Styl und in klaren Sätzen geschrieben ist, als beachtungswerth hervor, ohne indeß auf eine Relation, die von weiteren zu weit führenden Entgegnungen begleitet sein müßte, mich einzulassen. ' Reval. O. Zeyß. ' - (Zeitschrift für Alterthumskunde.) *) Ich gebe diese Entgegnung nur im Auszuge, d. h. nach Ausscheidung dessen, was nur ftylistischen oder ästhetischen Werth hat, und ich hoffe, daß Hr. Dr. Wiener, dem im Grunde doch nur die wissenschaftliche Widerlegung Hauptsache ist, dieses Verfahren der Redaktion entschuldigen wird. Es soll mich herzlich freuen, wenn Hr. Dr. W., bei seiner Belesenheit in der Geschichtslrteratur, recht bald mit einem größeren Aufsatze auftritt. Red. ") Als Beleg, daß noch viel über die Arbeiten zu sagen ist, führe ich hier beispielsweise die im Orient, Iahrg. 1846 von Hrn. F. gelieferte Biographie des R, Juda Minz an. Ohne die von G ir o n d i in Kerem Chemed 111, 89 ff. über diesen ausgezeichneten.'Rabbiner Paduas gegebenen Mittheilungen zu benutzen, sagt Hr. F.; „ wann er gestorben, kann von mir nur muthmaßlich angegeben werden, weil die besten und sichersten Quellen hier versiegen." Nachdem Hr. F. noch über die Plünderung Padua's Vieles sagt, kommt er zum Schluffe, daß R. Juda Minz gegen 1455 oder 1445, wie er 1. c. p 761 will, geboren und um 1535 als 80jähriger Greis gestorben sei, da ec 1532 noch gelebt habe. Hr. F. will nicht allzugewagte Hypothesen aufstellen, weil sie „der Wissenschaft mehr Schaden als Nutzen brächten, indem Mancher nachher bas Zweifelhafte für Gewißhit annimmt und für baare Münze ausgiebt. „Daß nicht die besten und sichersten Quellen, über das Todesjahr R. Iehuda's versiegt, hätte Hr. F. nicht nur aus der schon' genannten Abhandlung Girondi's, aus der auch hervorgeht, daß die in Rede, stehende Plünderung Padua's 1509 statt hatte und daß R. Juda bei seinem Tode älter als 100 Jahre war, sondern auch aus pny iriD und Wolf (dtt,!. bv-br. Ni, 333) erfahren können. R. Juda starb nämlich zu Padua 1508. Zn der Behauptung, daß derselbe erst 1535 gestorben sei, gelangt Hr. Fr. dadurch, daß er im 12. RGA desselben die Worte vorfand Din PIDD1? -pDD) DDp. nny run, wonach er also 1532 noch gelebt haben müßte; indessen hat sich F., der die Fürther Ausgabe vor Augen hatte, hier durch einen Druckfehler täuschen lassen, und muß es, wie auch in der Venetianer- Ausgabe richtig steht, heißen ein Fehler, der auch schon in der neuesten Ausgabe des nnnn N*»p P« 29 a not. 4 gerügt wird. Hr.F. wird mir allerdings entgegnen, daß ihm die cicirten Werke nicht zu Gebote stehen. Aber dann muß er auf den Ruhm eines Biographen nicht gar zu stolz sein und sich damit begnüge ir, „mit der Feder in der Hand gar viele starkbändige Quartanten und Folianten von nDlfiPn &u durchlesen" und was.er bei einer solchen Lectüre ermittelt, nicht als unbedingte Wahrheit ansehen. ofe'Nb |D)N pN4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.