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Der Orient · 1849-03-10 · 11 (10.3.1849) · p. Spalte 155-156

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
11 (10.3.1849)
Date
1849-03-10
Page
Spalte 155-156 (sequence 6)
Language
German
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155 Studien. Der jüdische Kultus in Rom. 19 etc. p. Rose. Am. VIII, §. 23 und 24) z theils mit neu entstehenden Geschlechtern neue- Kulte emporkommen. So verfährt, z. B. der Rbetor post red. ad Quint. 8, 18 im Geiste des Alterthums, wenn, er die Rückkehr des Cicero, der von dem Volke von einer Art Offenbarung, die Entdeckung der katilinarischen Verschwörung ableitete (in Cat. 111, 8, 19) mit dem Gedeihen der Feldfrüchte in Verbindung bringt. Eine derartige Ansicht würde dem Cicero, wenn sich sein Geschlecht erhalten hätte, gleich allen Vorfahren der Vornehmen (de leg. 13, 22) das Wesen eines Gottes und göttliche Abstammung beigelegt, und somit einen hochangesehenen Familienkultus begründet haben. Aus der auch von den Alten anerkannten Abhängigkeit des Kultus vom Staatsleben (Hartung Stetig. d. R. 1. p. 263) folgt aber, daß eine durchaus neue Richtung des Volkslebens auch einen entsprechenden Kultus Ziöthig macht. So ging z. B. in Rom das Aufkommen und Wachsthum der Naturrelrgion Schritt vor Schritt mit der Gestaltung der Volksgewalt. ' Und als auf Grund der Volksgewalt sich die Feldherrnschaft, endlich das Cäsarenthum erhebt, so ist der Boden gebildet, auf dem ein Kultus, der alle anderen Familienceremonien überragt, stehen kann. Und die Sehnsucht des Volks danach läßt nicht auf sich warten; denn die immer bodenlosern Verheißungen von Landvertheilungen und Schuldenerlassen in Verein mit der Jagd nach dauernder Herrschaft der Vornehmen, mußten, wenn sie auch durch Einwirkungen griechischer SibyUinenbücher (<le divin. II, 54. Suet. Aug. 31* Klausen Aeneas Pen. I. p. 228) nic^t dazu gekommen wären, das Wild eines goldenen Zeitalters unter einem König, von dem sich in den Dichtern unter Äugustus so viele Spuren finden (Ving. ecl. 4, 5. janv redit et virgo, redeunt Saturnia regna), erzeugen. Der Gedanke eilt nun im Volksleben gewöhnlich der Verwirklichung voran, und sucht auf religiösem Gebiete, namentlich in Rom, durch Anschluß an Fremdes Gestalt zu gewinnen. So ging es auch jetzt. Das niedere Volk schloß sich, um seine irdischen Hoffnungen mit dem Himmel in Verbindung zu bringen, an die messianischen Ideen des jüdischen Kultus an, und die Juden wurden dadurch so bedeutend, daß Cicero sagen konnte: p. Flacc. 28. multitudinem Judaeorum flagrantem nonniinquam in concionibus, pro repubiica contemnere gravitatis summa fuit, und kurz vorher: 0d boc crimen hic locus abs te, Laeli, atque lila turba quaesita est. Scis, quanta_sit manus, quanta concordia , quantum valeat in concionibus. Summissa voce agam, tantum ut judices audiant, Neque enim desunt, qui istüs in me, atque Optimum quemque“ etc. Klingt nun meine Behauptung, daß bereits zu den Zeiten der catilinarischen Verschwörung jüdischer Kultus irgend welchen Änklang in Rom gefunden habe, wunderlich, so frage ich, würde Cicero, wenn er absichtlich übertreibt, die Macht der Juden haben Schrecken erregend nennen können, wenn sie 186 nicht ihren Anhang unter dem damals bedeutend gewordenen Pöbel gehabt hätten? Ferner, da die gegenseitigen Vorwürfe der Vornehmen (p. Süll. 7, 2‘i), als strebten sie nach Königsgewalt, darauf hinwiesen, daß im Volke ein Ankläng der Königsidee war, sollte da das Volk so sehr seinen früheren Charakter verläugnet haben, daß es diesmal nicht an. das fremde, in dem seine Ideen ausgesprochen, waren, sich an geschloffen hätte. Und wenn es den eben so fremden Chaldäern (p. Mar. XI 25 a quibus etiam dies, tamquam a Chaldaeis, petebantur) sich an schloß, warum nicht auch an die Juden, die doch irgend einmal den Anfang ihrer Bemerkbarkeit (cf. I-Jorat. Judaeus Apella Sat. 1, 5, 100, 1, 4, 143. 1, 9, 70) gemacht haben muffen?.und wo anders sollen wir uns diesen Anfang denken, als an dem von Cicero, und auch von andern, wenn gleich späteren Schriftstellern (Flut. Oie.?. Marius 17. cf. 1'acit. XF, 44) bezeichneten Zeitpunkte? Glauben wir aber den vorgeführten Zeugen, so gewinnt auch vielleicht der Vorwurf des sonst unerhörten Kinderopferns, das dem .Vatinius (cp. 5) und dem ( atilina in Vatin. 6, §. 14 und 15. Sali. Cat. 22), beides Anhängern barbarischer Religionsgebräuche, zum Vorwurf gemacht wird, einen Zusammenhang mit diesem wenigstens alle Zeit bald da, balddort vermutheteten Gebrauche der Juden. Aber der Kultus der Juden, wie es des Plinius Urtheil über die den Juden anfangs gleichgeschätzten Christen (c. X, 98. superstitio prava et immodica. Tacit. Ann. XV, 44.- extiabilis superstitio rürsus erumpebat, non modo pro Judaeam sed pro urbem, quo eunta undique atrocia, aut pudenda confluunt, celedianturque) zu zeigen scheint, hielt sich nur in den niedrigsten Kreisen des Volkes, und was und wie viel von ihm angenommen war, das konnte nach der damaligen Denkweise kaum anders als eine Art ZaubermiLtel zur Herbeilockung der allgemeinen Landvertheilungen und goldenen Tage der Königsherrschaft aufgefaßt werden. Wer diese Landvetlheilungen versprach, der war der Mann, an den sich die Königsidee anknüpfte und ihn zum Mittelpunkt des ganzen Kultus zu machen bereit war. Sie knüpfte-sich an Sullanische Verschworene, namentlich, an Cornelius Sentulus (in Cat. 111, 4, 9), und darauf stand bald dieser bald jener in Verdacht, als ob er es aufAlleingewaltabsehe und den Pöbel benutze, bis-endlich Cäsars Siege mir der AUeingewalt das Schreckbild eines Kultus, an den selbst die-Vornehmsten'des Staats gebunden wurden, wahr machte. Dieser Kultus war der der gens Julia. Durch ihn war Cäsar, weil der Inhaber jeglichen Kultus als Theil der heiligen Ceremonie erscheint, eine heilige Person. Diese Heiligkeit würde man ihm auch nicht abgesprochen haben, weil jeder Vornehme sich göttliches Wesen beilegte. Nur deshalb erhob sich Erbitterung, daß sein Grad der Göttlichkeit ein höherer, ein zur Herrschaft berechtigender,, und somit wieder ausschließlicher sein sollte. Um diese Art der Göttlichkeit zu bestreiten, entstand die Frage, ob Cäsar von der Venus abstamme (cf. Drumann

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