Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 11 (10.3.1849)
- Date
- 1849-03-10
- Page
- Spalte 153-154 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 Studien. Exegetische Studien. 153 Exegetische Studien , \ ' von . M B. Friedenthal. Dukes in seinen jüngsten Mittheitungen aus Josef 3 b n K a s pi 's handschriftlichem hebräischen Wörterbuche macht darauf mit Recht aufmerksam, daß neben rein sprachlichen, so zu sagen etymologischen Erläuterungen des hebräischen Wortschatzes, durch das Ueberwiegen religionsphilosophischer Studien, auch eine philosophische Lexikographie sich geltend gemacht, wie klar aus I b n Kasp i's Wörterbuch zu ersehen. Von sprachgeischichtlichem Standpunkte aus möchte ich noch hinzufügen , daß diese sogenannte philo sophrsche Wo Verklärung bereits seit den frühesten Zeiten, d. h. lange bevor sich noch ein grammatisches Bewußtsein herausgebildet, im Ludenthume sich geltend gemacht, und zwar schon um des-, willen, weil für die Ideen des Judenthums und dessen Phitosopheme stets die Argumente aus den Worten der Schrift geholt wurden, und es mußte als notwendig sich Herausstellen, die althebräischen Ausdrücke in ihrer philosophischen Begrenzung zu fassen, um sie dann als Argumente gebrauchen zu können. Die philosophische Agada in Midrasch und Talmud, die ältesten kabbalistischen Fragmente geben in ihren Deduktionen dergleichen philosophische Worterklärungen, wenn sie gleich nicht unserer philosophischen Anschauung entsprechen, und selbst Philo scheint bei seinen extravaganten Erläuterungen des olthebcaischen Ausdruckes der Schrift nichts weiter gewollt zu haben, als die Schriftworre nach seiner philosophischen Weise zu erfassen. Es wäre übrigens gewagt, die Behauptung aufstellen zu wollen, daß die philosophische Agada, die Kabbala und der jüdische Hellenismus in ihren philosophischen Worterklacungen blos der Willkür gefolgt sein sollen, vielmehr ist anzuneymen, daß diese Erklärungen mit der exegetischen Auffassung der Schrift in jenen Zeiten Hand in Hand gegangen, und das Eine durch das Andere bedingt war, und wenn sie sich von der Natürlichkeit des Wortsinnes zu sehr entfernten, so lag in der Verirrung der damaligen Exegese überhaupt eine bedeutende Mitschuld. Viel gründlicher wurden die phisophischen Worterklärungen später gegeben, als der wissenschaftliche Sinn erwacht war. Sa ad ja in seinem Emunot we-Deot, Jehuda Ha-Lewi im Kusari, Maimuni im More, Ahron b. Elijja im Ez Chajjim, Albo Ln den Jkkarim und andere jüdische Philosophen waren darin glücklicher; die philosophischen Worterklärungen bilden bedeutende Stücke ihrer Werke und ihr wissenschaftlicher Sinn hat sie vor Extravaganzen bewahrt. Im Sinne jener Philosophen uvb Lehrer des Judenthums erlaube ich mir nun einige exegetische Studien, oder vielmehr Worterklärungen hieraus meinen Werken mitzutheilen; neben dem Grundcharakter derselben, nicht vom etymologischen, sondern vom philosophischen Standpunkte auszugehen, haben sie, wie ich glaube, noch die Empfehlung, daß sie den etymologischen Resultaten nicht entgegen sind, und somit der wahren Exegese näher stehen, ohne daß ich übrigens dem Urtheile der geehrten Leser vorgreifen will. 1. und D'W.yyu Diese Ausdrücke werden bekanntlich häufig in der Genesis gebraucht und man sieht leicht, daß hier eine Verschiedenheit der Bedeutung sein muß. ü'üW ist der Ausdruck für den „Aether", welcher den ganzen Raum zwischen der Sonne und den Planeten erfüllt, und sodann für die gesammte „ätherische Region", was die Rabbinen auch ganz richtig durch die Gesammtheit der himmlischen Sphären bezeichnen. Mit dem Kompositum D'ö&y jrpy tt>irb aber die feuchte Lustmasse bezeichnet, die unsere Erde überall umgiebt, oder die „Atmosphäre" d. h. der Kreis der Dünste. Diese Dünste, welche vie Erde umgeben, oder diese atmosphärische Schicht, ist, wenn die Lustmasse dicht den Menschen sichtbar, wenn aber nur wenig und leicht unfern Augen durch ferneres Hinaussteigen völlig unsichtbar. Wenn es daher heißt, Gott habe im Anfänge die geschaffen und am vierten Tage Erst nniNQn, fo ist dies nur durch diese Erklärung verständlich. Am ersten Tage schuf Gott die Region der Sphären mit dem Aether und die Erde; allein die Sonne in ihrer ätherischen Region konnte, von den groben Dünsten der Atmosphäre behindert, keine Wirksamkeit auf die Erde äußern, es mußten erst die wässerigen Theile von den Dünsten am zweiten Tage geschieden werden, um das Durchdringen der Sonnenstrahlen möglich zu machen, was in eigentlicher Vollendung erst am vierten Tage geschah. Die Lichter waren also bereits am ersten Tage in nr>E&y mirbegriffen und es steht daher nicht, Gott schuf, sondern richtete die Lichter am vierten Tage ein. Ich will hier noch darauf aufmerksam machen, daß die Fragen über D'W und ppp&y und der Widerspruch zwischen ^riN pp unb" *yrn OV> bereits früh in der philosophischen Exegese angeregt wurde. Auch der geistreiche Salvador kehrte den Widerspruch heraus und suchte in seinem Werke diesen Widerspruch nach der hier gegebenen Erklärung, die ich 16 Jahre vorher in meinem rUlDN. npy 'D gegeben, zu lösen. (Fortsetzung folgt). Literarische Analekten I. Ueber das Aufkommen des jüdischen Kultus in Nom. Die Religion und namentlich die Ceremonie ist ein geistiges Erzeugniß der Volksbildung und steht namentlich mit dem Organismus des Staats in der engsten Verbindung. Eine Folge davon ist, daß wenn einzelne Gliedmaßen des Staats absterben, die entsprechenden Kulte untergehen (cke legg.il.