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Der Orient · 1849-03-10 · 11 (10.3.1849) · p. Spalte 151-152

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
11 (10.3.1849)
Date
1849-03-10
Page
Spalte 151-152 (sequence 4)
Language
German
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152 151 . Studien. Hlllel der Aeltere. Erweiterungen und Berichtigungen desselben zu veranlassen. Der Umstand, daß.derselbe, wie in der erwähnten Note ferner bemerkt wird, nur mit „Ausscheidung eines gewissen Lheiles" im LB. Aufnahme gefunden, kann der Beurtheilung keinen Eintrag thun, da dev ausgeschiedene Theil, nach der Versicherung des Hrn. Red., nur auf das Christenthum speclell Bezug hat, mithin der Biographie HUlel's, um deren Erweiterung allein es uns hier zu thun ist, fern liegt. 1. Die Grundlage, aus welcher Hr. B. seinen Bau aufführe, ist zuweilen eine schwankende; das Bild, das er ron der Zeit entwirft, da Hillel die Na si-Würde erlangte, scheint mir kein treffendes. Die Verwirrung, die damals auf dem religiösem Gebiete stattfand, war nur eine Folge der politischen Mißverhältnisse, die ihrerseits wieder eine Frucht des Ehrgeizes und der Herrschsucht der idumäischen Eindringlinge waren. Die Einmischung Pom pejus' in die Angelegenheiten Iudaa's hatte die durch die Makkabäer herbeigesührte Ordnung der Dinge bis auf den Grund erschüttert; selbst das Synedrium mußte weichen, und an seine Stelle traten fünf Gerichtshöfe gleichen Ranges, parallel den fünf Provinzen, in welche der römische Feldhauptmann Gaburus das Land abgetheilt hatte. Erst Jutius Cäsar stellte aus Dankbarkeit für dm Beistand, den die Juden ihm auf seinen Feldzügen gegen Alexandrien geleistet, die alte Ordnung in Jerusalem wieder her/ Die Katastrophe durch Pompejus hat aller Wahrscheinlichkeit nach Schemaja und Abtalion im Amte gefunden und mithin diesem ein Ende gemacht. Die BeneBattZra, denen wir während des Interregnums begegnen, können demnach nur zu den erwähnten fünf Pro vinzial gerich ten gehört habend Nur so erklärt es sich, warum sie im ersten Abschnitt von Pirße Abot, wo die Reihenfolge der Präsidenten des Synedriuins angegeben wird, stillschweigend übergangen werden. Indessen waren die damaligen Lehrer in Israel keineswegs, wie Hr. B. behauptet, so sehr von Stolz und Hochmuth geblö'het, daß sie aus politischen und eigennützigen Beweggründen sich gegenseitig verfolgten und verketzerten, daß Jeder nach Macht und Ansehen auf Kosten des Andern strebtet Im Gegentheil dürfte die bewunderungswürdige Selbstverleugnung der Beire Bat^ra den schlagendsten Beweis von der sittlichen Kraft und Stärke liefern, von welcher die damaligen Lehrer in Israel beseelt waren. Niemand hatte jenen Männern zugemuthct, sich ihrer Würde zu begeben. Wäre es ihnen mehr um eigeunütze Zwecke als um das Wort Gottes zu thun gewesen, so hatten sie die obschwebende Frage wegen der Darbrin- 1) Josef AG. XIV. e. 5, §. 4. ~ 2) Jost Gesch. b. Jsr. 3, 5. Anh. 9. — A Das talmudische : bezieht sich auf eine Zeit, zwischen welcher und der Hille loschen ein Zeitraum von mindestens 100 Jahren lag. vergl. Jebamot 62 b. — gung des Pesach-Opsers am Sabbat nur nach eignem Gun dünken zu entscheiden brauchen; wozu die bescheidene Frage nach einem Gesetzkundigern als sie? Roch standen sie fest, noch hatte ihre Autorität von keiner Seite her Widerspruch erfahren. Was also drängte sie, sich vor dem ganzen Volke bloszustellen? Hr. B. scheint den Text der betreffenden Stelle (Pesach. 66 a) unrichtig zu geben; denn er liest: p'ltpjpO, während es 5>nnn heißen muß, wie man sich durch Nachschlagen in den korrektesten Ausgaben leicht überzeugen kann, und wie dies ganz besonders noch aus dem weitern Verfolg des Talmud an der angeführten Stelle hervorgeht. Daselbst wird nämlich an den Umstand, daß Hille l, nachdem er gegen seine Vorgänger einige harte Worte hatte fallen lassen, bald darauf wegen Entscheidung einer religiösen Frage selbst in Verlegenheit gerieth, die Moral geknüpft^ npbnoo »fron Nin D^n dn , nn'nan-^. War« tiefe Anknüpfung denkbar, wenn Hillel der Angegriffene gewesen wäre? Es ist Hrn. B. wohl schwerlich entgangen, daß einer der berühmtesten Nachkommen Hillel's die Veno Batära unter die bescheidensten Charaktere zählt, die die jüdische Geschichte überhaupt kennt, und offen eingesteht, daß er obgleich in vieler Beziehung einer Selbstverläugnung fähig — ihrer doch keineswegs in der Beziehung fähig sei, in welcher die Bene Batvrcr sie seinem Ahnherrn (^?n) gegenüber bewahrt habend — Eine dergleichen unrichtige Anschauung scheint- Hr. B. in seinem Urtheil über den Geist der Hillel'- schen Schule in ihrem gegnerischen Verhältnisse zu/der -Schammaischen zu setzen; Hr. V. trägt den erst später sich entwickelten adversatorischen Charakter dieser beiden Schulen auf deren Gründer zurück, während die Geschichte doch nur von einer Verschiedenheit derselben hinsichtlich des Temperaments, keineswegs aber von einer gegenseitigen syssematischeu Opposition weiß. Der Talmud kennt nur drei Origin al-Stceitfälle zwischen Hillel und Schammai/ ein vierter war nicht mehr original, und bei einem fünften gab Hillel nach.b Darauf beschränkte sich also die ganze amtliche Gegnerschaft Hillel's zu Schammai. In wie fern nun noch S ch am mal ein,,Hauptgegner" oder auch nur überhaupt ein Gegner Hille l's genannt werden kann, und in wie fern noch die „reformatorischen Ideen"un Hillel ihren Vertreter gefunden, und zwar im gegnerischenVerhältniß zu Schammai, dürste nunmehr leicht zu beurtheilen sein. (Fortsetzung folgt.) - 4) j. Kil.23b. HDD "" nO"^3 TON »m 'uuqi 'wtwo jmrin&sn vergl Mezia 84 b ff. — 5) 'Dl niDlpQ '.tt Sabb. 15 a. — ' 6) rpEü bbn HM OP mvi-ib. 17a. —

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