Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 9 (3.3.1849)
- Date
- 1849-03-03
- Page
- Spalte 137-138 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8555529-9893953-9893967--5813-3534853- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18t bediente sich Gott, um ein Jedes die ihm passende Form annehmen zu lassen.^ Wir können hieraus deutlich ersehen, daß Philo sich in Betreff der Idem oder Kräfte ganz der platonischen Anschauung entschließt und wir daher an jenes Gespenst von göttlichen Kräften oder Mittelkräften nicht zu denken haben, welches in dem Gehirn der meisten Darsteller der Philonischen Philosophie spukt, weil sie an Worte sich binden, ohne den philosophischen Gedanken. herauszufinden, dm sie ausdrüLen sotten und vmmnftiger Weise nur ausdrucken können. Wir werden später sehen, was die Kräfte überhaupt bei Philo bedeuten. (Fortsetzung folgt). Literarische Aualekten. I. Blrrtgeschrchte. Das Mährchen vom Menschenblute, welches die Juden am Passah brauchen sollen, ist seit Manaffe den Israel bis auf die neueste Zeit genügend widerlegt und in seiner totalen Nichtigkeit dargestellt morden. Der Pöbel hat nicht desto weniger ein unverwüstliches Geda'chtniß für die Vorurtheile seiner Väter und eine höchst schwache Fassungskraft für da's aufklärende Wort der Wahrheit. Wir versuchen auf biedersten Veranlassungen zurückzugehen, die eine so furchtbare Mähre ins Dasein gerufen haben. Am Vorabende des Passah wurde, zur Erinnerung an die Blutplaqe in Egypten, rother Wein gekauft, am Abend getrunken und beim Ausspritzen'desselben das Wort: Blut gesprochen. (MagenAbraham- §. 472 Lit. 13, vergl. §. 473 Ende, und die Hagada bei jmDtf Ql unt) bei nnom 'KM Dl.) Verbinden wir. hiermit die beiden geschichtlichen Fakta, daß am Vorabende des Passah der Stifter der christlichen Kirche gekreuzigt wurde (Sanhcdrin 40 s ksiitio Amst.), und daß unter Kosru 11 von Persien die Ermordung vieler Christen und die Niederreißung von zwanzig christlichen Kirchen in Jerusalem durch die mit den Persern vereinigten Inden am Osterabend 610 stattgefunden, so konnte eine ebenso abergläubige als fanatische Zeit hierin genug des Stoffes, finden, um daraus das Eingangs erwähnte Mährchen auszuspinnen: Der Jude braucht am Paffahabend Menschenblut! Josef Weiffe. II. SpUlLgeschichte. In dem Gebete Alenu le-schabeach, vor dem Satze: Und wir knien und-beugen uns huldigend vor dem König aller Könige, war es in mancher Gemeinde Sitte, daß der Betende ausspuckte. Dies hat Veranlassung gegeben, daß man das uralte, von einer großartigen Weltanschauung durchdrungene Alenu durch Regierungsdekrele (Berlin, in den Jahren 1703, 17)6, Wien, 1842) verpönte, indem man das erwähnte Aus- 138 spucken als Zeichen des Hasses gegen tue im Alenu vorhergenannten Erdenvölker zu deuten beliebte. Dieser Spuck steht jedoch nicht vereinzelt, und findet auch in Gebeten, wo von keinem Volke auf Erden die Rede ist , seinen Pendcmten, so z. B. soll das Modim de-rabanan nicht eher angefangm werden, bis nicht vorher ausgespukt wurde (Magen Abraham §. 121 L. 1), ebenso wird vor dem Lora-Kusse (ibid. §. 139 L. 14) eine gleiche Vorschrift gegeben. Offenbar wollte man damit bloe einem Ausspucken während oder nach der Handlung des Verbeugens oder des Loraknffes zuvorkommen, was einer Verletzung der schuldigen Ehrfurcht ähnlich gewesen wäre (siehe Mischna Sanhedrin XI, 1 und Gemara daselbst 10! a), ohne daß weiter bei allen diesen Vorschriften eine völkerfeindliche Tendenz zum Grunde lag. Hiermit wollen wir im Interesse der Wahrheit und unserer Ehre den erwähnten Brauch erklärt, keineswegs gerechtfertigt oder gar empfohlen haben, und wenn Lure Sahab (O. CH. 472, 9), derVermeidung des rothen Weines am Passah, um Verdächtigungen auszuweichen, das Wort spricht, so sollten unsere frommen Männer umsomehr beim Alenu dem angewöhnten Brauche entsagen, als überdies das Ausspucken an geweihter Stätte unanständig (Mischna Berachot 54 a)$ und wenn die spätere Zeit, trotz des dagegen erhobenen Bedenkens (Faj. 62 b), für unser Ber Ha-Keneset dergleichen nicht untersagte, so sollten wir hierin lieber dem Beispiele der Kabbalisten (vergl. Mag. Abr. 15!, 9) und unserer Brüder vom portugiesischen Ritus folgen, und einer Gewohnheit entsagen, die von so Vielen, selbst von berühmter, Kasuisten, aus Unbekanntschaft mit der eigentlichen Quelle mißdeutet wurde. Joseph Weiße. ■ ■ ' * *;•* III. Das Verbeugen der KaraiLen- Der Orient (1841, Nr. 5 Ende) erklärt ben Umstands daß die Karaiten sich gegen Sonnenuntergang verbeugen, als Zeichen der Verachtung gegen die nach Sonnenaufgang sich verneigenden Pharisäer. Der Grund liegt ganz anderwärts. Im Tempel war die Bundeslade an der westlichen Mauer'angebracht; der Prophet (Ezech. 8, 16) erzählt mit Entsetzen, wie man mit dem Antlitze gegen.Sonnenaufgang, mit dem Rücken aber gegen den Hechal des Herrn sich verbeugt, und noch die Spätrabbinen haben den Satz: myDD; dies dürfte die am Buchstaben haltenden Karaiten bewogen haben, ihre Verbeugungen nach Westen zu richten, während wir uns östlich, als der Gegend Jerusalems, neigen, wie es die Mischna. (Berachot 30) und schon Salomo (I Kön. 8, 48) erwähnen. Vergl.. Orach Chajim §§. 94 und 150. •-/ Joseph Weiße. " " IV. Eine kleine Anfrage. Ich arbeite schon längere Zeit an einer. Geschichte der mährischen Großrabbinen seit der ältesten Zeit bis.auf die Studien. Literarische Änalekten.