Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-03-03 · 9 (3.3.1849) · p. Spalte 135-136

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
9 (3.3.1849)
Date
1849-03-03
Page
Spalte 135-136 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
79% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9893967--5812-3534852
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

185 186 Studien. Die Philonische Philosophie. und äiDtvcrjaig. So in der Schrift quod deus sit immuL, p. 73, wo er evvoict erklärt als svaTtoxeifAhfiv ovöcn> vorjüib und öiciTtbqGig ai$ vorjastög Sle^oSov.— Wir haben jetzt diese voTjosag &i£o<5og, das Sich- Äeußcrn des göttlichen Logos und deshalb II. die sinnliche Welt zu betrachten. Ihr ist das ovhov (i&rj ov), das Negative, die Materie, die an sich alles wahren Seins entbehrt und nur insofern Existenz hat, als sie von dein Wahren, von den göttlichen Ideen erfüllt wird. Wie Gott das Sein zukommt. so ihr das Nichtsein, wie Gott die unversiegbare Duelle des Lebens ist, so ist sie etwas Lebloses, Todtes (xj (isv vXrj vehqov o Sh &eog nXsov xi ij £gorj „nTjyri xov frfjv“ cog avxog slnsv aevvaog) de prof. 152. Denn ohne Form gedacht, ist die Materie ein leeres inhaltsloses Nichts, ein reines Abstraktum, dem alle Realität fehlt.31 „Moses, sagt er, erkannte die Nothwcndigkeit, daß bei den seienden Dingen das Eine die wirkende Ursache, das Andere das Leidende sei, und daß die wirkende Ursache sei die reinste und klarste Vernunft, welche besser ist als die Tugend, besser als die Wissenschaft und besser selbst als das Gute und Schöne; das Leidende aber (die Materie) unbeseelt, durch sich selbst unbeweglich, bewegt aber, geformt und beseelt den der Vernunft verwandelt es sich in das vollkommenste Werk, in diese Welt." de m. opif. p, 5. seqq. Daß diese formlose Materie belebt, mit einem wirklichen Sein erfüllt, und nur ihr, die an sich selbst nichts Schönes hat, aber die Möglichkeit in sich tragt, sich zu Allem zu gestalten— (^rjShv el~ savxrjg s%ov6y xalov, Swa^Evr/ Sh ysysodai ndvva), der Kosmos gebildet wurde — das hat die göttliche Güte zur Duelle, 3!) Wir haben hierbei nicht an einen „kosmologischen Dualismus" zu denken, wie ihn Da ha e (a. a. O. B. 17t ff) und rindere bei Philo behaupten, da der Materie, als dem rein N e g a ti v e n . gar kein Sein und am allerwenigsten Selbstständigkeit zukommt, was doch nothwendig wäre, wenn man dieselbe als ein anderes, gleichthatiges Prinzip neben Gott hinstellen wollte. Wiederum soll bei Philo die Scheu ,-die göttliche Majestät zu verletzen" der Grund gewesen sein, dies zweite Prinzip, als unabhängig von Gott, anzunehmen und dadurch die Entstehung des Bösen nicht in Gott, sondern in der Materie zu suchen. Wir sehen.hier wiederum, .wie auf falsche Voraussetzungen falsche Ansichten gegründet werden. Ebensowenig wie Plato eine ewige, selbstständige Materie annimmt, die Gott als Chaos vorgefunden (vergl. Hegel a. a. O. II, S. 220), weiß Philo von einer solchen; vielmehr ist die Materie nach ihm selbst aus Gott hervorgegangen, da Gott nicht blos der Sr\puovgybg} sondern auch der xzi6xr\g der Welk ist. Vergl. die schon angeführte Stelle d6 somniis I, 230, wo es heißt: ov [iovov dg zovfiqpavhg ijyaysv (ra neevzoe), aXXa xal d ngozEQOv ovx rjv ETtOLrjösv ov drjfiLOVgyog p,ovov aXXd xal xxLGzrjg ccvzdg wv., Dadurch allein ist es auch möglich , daß Philo Gott den 7coi7]X7jg zcov oXcov nennt. Vergl. Keferstein a. a. O. S. 3 ff. welche der Materie Nichts Von dem bessern Sein vorenthalteu wollte, ibid. 8.32 Näher bestilnmi wird von Philo als Bildner der Materie de r g ö t tl ich e Logos. So sagt er de 80miui8 II, 277: dapi^axLaxov ovoav ty\v xeov Ttavveov ovoiav EGirniaxiGE (tl 5 'd'Eog) Kal UXV7ZCOXOV ßXVTCGlÖS XCil &7L01QV E^OQCpCOÖE WCil XeXeLGIclag xov oXov iffopgayiGE Kofffiot' sicovt, xat9 löea xcß ectvxov Xoyxp. ■ Stn einer andern Stelle heißt cö'33: die Welt ist entstanden und nothivendig durch einen Urheber entstanden. Der Aoyog des Schöpfers selbst ist der Siegelring, durch welchen jedes Einzelne geformt wurde (o Sh xov jtoLovvrog Xoyog avxog eotiv ffj GcpQayig fj xtiv ovtcöv EXUG70V (.iE^bgcpcoxat) ] dadurch hat Alles von Anfaiig an eine vollkommene Gestalt erhalten, weit es Abbild ist des vollkommenen Xoyog, Diese Formbildmtg des Xoyog geschieht ltitit dadurch, daß sich seine Ideen in der Materie abdrücken, das heißt, daß die Materie, welche die Möglichkeit hat, alle Unterschiede ans sich hcrauszufetzen, die Kraft bekommt, diese Möglichkeit zur Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Ideen sind nun nicht von Außen wirkende Kräfte, sondern das lebendige Allgemeine, das von Innen 'heraus wirkt und sich speci al i sirt. „Diejenigen, sagt Philo,u welche die unkörperlichen Ideen für leere, wahrheitslofe Namen halten, heben das nothwendige Wesen der Dinge auf, welches das vorbildliche Muster von Allem ist, das eine bestimmte Dualität hat und nach welchem Jegliches spcciatisirt und in ein bestimmtes Maaß gebracht nnut1." Die Ideen könnten daher nicht negirt werden, wcmi mau nicht zur Formlosigkeit der Materie zurückkommen wolle, dein: „dieser Uttkörperlichen Kräfte, deren wahrer Name „Ideen" ist. 32) Diesen Gedanken hat Philo mit Plato gemein, auf den er sich auch an der Stelle mit den Worten bezieht: omg %al xeov ccQ^atfov sinh zLg, „dya&ov sivea zbv nazzget x. t. X- Ob dies gerade die Platonischen Worte sind, können wir nicht bestimmen; den Gedanken aber finden wir bei ihm ausgesprochen. Im Limäus p. 29 sagt er: dyaQ'bg r\v, ayctifreo $g ovösig tzeqI ovdsvog ovSenozs syyLyvEzca, cp&ovos zovzov S'sxzdg cov navza o zi {.idXiGzu yEVEG&cu sßov- Xrj&r} naQanXr/GLtt savzep ..... ■ßovXrjft'Eig 6 ftsog dyad'd fihv napzet cplavQOV Sh prjShv slvca %aza övvapuv, ovzco örj netv o6ov tjv ogazov nagaXoißcbv ov% ,'qGv%tccv dyov äXXu KLVOVf.iEVOV nXrißfisXcog xul uzanzcog, sig zagiv avzo rjyaysv ex zrjg. aza^iag, ^rjrjGcz^Evog exeIvo zovzov navzcog äpLELvov. Zum richtigen Verständnisse dieser Stelle vgl. Hegel a. a. O. II. S. 219 ff. . Daß die Welt durch die Güte Gottes entstanden sei, ist ein Üieblingsgedanke unseres Alexandriners und wird häufig von ihm ausgesprochen;, so 0?. ch(Tub. 228: xfjg xazaGxsvijg atzLav zr]v äya&oxTixa zov Sr}(.uovQyov und a. v. ä. Stellen. — So lehrt auch die Kabbala: nnÄj/n N13 pV, übniDH DlüH Nlü F)1D ]'N in^lV D’ö’il1? nD. Schomer Emu n im 35 b. 33) ve p>'»k. 112. 34) De vict. uffer. 355.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.