Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1849)
- Date
- 1849-03-03
- Page
- Seite 44 (sequence 7)
- Language
- German
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dinäle, ja selbst der heilige Vater Segen spendend oder anathematisirend, von. Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf pilgern, und im-Namen Gottes und .der Religion dieLeute ausfordcrn, wieder Zehent unt> 9,tol>o.t cm die Kirche zu liefern — wahrlich es dürste von keinem sonderlich großen Erfolge sein, und eher dürste Mahommed Anhänger finden, als die Kirche fromme Zchenftpender. Und man will die heilige. Religion als Grund vorsch.ützcn gegen die Befreiung der Inden vom alten demüthigenden Joche! Allons donc l Furcht vor Uebervortheilung im Gewerbe ist es, daß nicht der geschäftige Sohn Israels um einige Prozente mehr Gewinn ziehe, als der christliche Gewerbsmann — aber miöverftanden ist auch dieses Interesse. ■ " Denn gerade nicht so lange die Rechte und die Pflichten gleich vcrtheilt sein werden, so lange wird das Gewerbe beim Christen sein, das Geld beimJnden liegen, und dem Judenthume, welches der Christ haßt, wird mehr Vorschub geleistet durch Nichtemaneipirung .als durch Gleichberechtigung. Möge die, „Judenhetze" losgehen 1 ist sie unvermeidlich, sie wird um desto, heftiger aüsbrechen, als sie länger verschoben wird; denn der Eigennutz ist immer derselbe. Aber wir glauben nicht daran. Einzelne Beispiele der Rohheit sind nicht maßgebend für die Bevölkerung Oesterreichs. — Doch genug der Worte. Ein Abgeordneter im Reichstage (Popiel), wenn wir nicht irren, endete einmal seine Rede mit felgenden Worten, die auch ganz hierher passen : Wer begreifen will, der versteht, und wer nicht begreifen will, für den rede ich umsonst, und spräche ich einen Monat laug! Gnya, 9. Febr» Ihr mährischer Korrespondent M—z veranlaßt viele Debatten in Mähren; es liegt mir fern, ihm entgegentreten zu wollen, da er viele wunde Stellen unserer Zustände berührt. Als Gegendruck gegen seine donnernden Artikel möge eine schlichte Darstellung dessen dienen, was unser würdiger RabbinerJosef W e i ß e Schönes'und Treffliches leistet. Natürlich ist Hr. Weiße einer der gebildetesten Rabbinen. Seit vier Jahren bestehen hier, durch den Eifer unseres Rabbiners, eine Kleinkinderbewähranstalt, eine Elementarschule, dann drei Knaben- und zwei Mädcheuklassen. Außer den Predigten und Ritualfragen hält unser Rabbiner Vorträge für die erwachsene Jugend, liest er Schiur für eine kleine Jeschiba, ist Friedensrichter, besorgt das Armeninstituts-, Matrikel- und Shnagogenwesen u. s. it\ Wir wünschen , daß andere mährische Rabbinen cbm so fleißig und tüchtig wirken mögen; auch die jungpolnischen könnten der Wissenschaft durch ihre talmudischen Kenntnisse ungemein nutzen, wenn ihnen nicht das Minutiöse höher als die Wissenschaft stunde. Im Schulfache kann unser Rabbiner allen mährischen Rabbinen als Muster dienen. München, 12. Febr. Unsere Kammer hat sich für die Annahme der deutschen Grmidy'echte ausgesprochen; sie will daher eo ipso ine Emaneipation der Juden. Die Regierung ist mit der Kammer im Konflikte wegen dieses Punktes; doch läßt sich daraus nicht der Schluß folgern, als wenn sie der Emaneipation abgeneigt wäre, da der König in der Thronrede daraus hinwies. Dresden, 18. Febr. Unsere demokratische Kammer steht auf einem beschränkten Standpunkte in Betreff der Jud en. Die Regierung hatte die deutschen Grundrechte mit einem Dekret vorgelegt, in welchem die Emanzipation sehr zweideutig ausgesprochen war. Die Kammer hat nun die Grundrechte ohne alte Klauseln angenommen; jedoch blickte in der Debatte noch immer die Furcht vor ausländischen Inden durch. — Hier werden bald mihre Kultusreformen in's Leben treten. Man spricht sogar von einer Orgel.!0. Febr. : Hier waren mehre Juden zu Geschwornen vorgeschlagen und nicht ein einziger ist in der Wahl durchgekommen! — Die „V a t e r l an ds b«l ä t t er" bringen (folgenden Artikel von Je!linek: „Vor fünfhundert Jahrerw Betrachtung eines Reaktionärs Das Todte darf sich zeigen, Das Todre rmtf; ja schweigen, Am Todten ist Ar Halten, Am Ehedem, cm Alten, Das Todle hat sein Recht! Titus Ullrich. Es war eine traurige Zeit das Jahr 1348! Die schwarze Pest würhste in unserm deutschen Vaterlcmde und. verschlang unzählige Menschenleben als unwiederbringliche Opfer. Ein Trost bleibt dem Leser, der die Ereignisse des Jahres 1348 überblickt, daß nämlich die Juden schrecklich verfolgt, verbrannt und hingewürgt wurden, weil sie die Brunnen in ganz Deutschland vergiftet hatten. Was sft aber die schwarze Pest gegen das Unglück, das über unsere deutschen Gauen im Jahre 1848 hereingebrochen ist! Die schwarze Pest der Revolution hat alle Ideale einer schönen Seele grausam zerstört, und die zartesten Blüthen des historischen Rechtsbodens schonungslos zertreten. Zuerst wurden Barrikaden gegen die angestammten Landesväter errichtet, die doch ihre Kinder liebten, Orden vertheilten und für Sitte, Zucht, Anstand, Rrhe, Gesetz und Ordnung sorgten. Die schwarze Pest der Revolution bemächtigte sich der See len, und die Kinder des Landes empörten sich gegen die Oberhäupter der Staatenfamilie. Dann kam die Preßfreiheit, eine Erfindung des Teufels, der. den guten Geist der Censär entfernte, oone welche keine ordentliche Monarchie bestehen kann. Alle Bande der Ordnung wurden gesprengt, und die Schriftsteller, die ^nichts zu verlieren haben und von Aktien —den werthvollsten Papieren auf Erden — nichts verstehen, unterfingen sich, die Handlungen der Minister zu kritifireni, den Fürsten ein langes Sündenregister auszustellen, gegen: Orden und Titel, sogar gegen die wirklichen Geheimräthe M Felde zu ziehen! Nichts ließen sie unangetastet , die heiligen Rechte des guten, friedliebenden Bürgers, dessen Wahlspricch „mit Gott für