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Der Orient · 1849-03-03 · Heft 9 (3.3.1849) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 9 (3.3.1849)
Date
1849-03-03
Page
Seite 43 (sequence 5)
Language
German
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43 verfolge ttufc geißle, eben so energisch nitiffcu wir darauf dringen, daß der Jude nicht überall wiedergekant werde. Nur in der Synagoge giebt es Inden, im Staate und in der Literatur sind sie Deutsche Reaktionäre Schriftsteller jüdischen Glaubens können aber einen Maßstab für BenrthMmg der Jndenheit ebenso wenig abgeben, als gehässige demokratische Schriftsteller für Beurtheilung der Demokratie. Dlxi. Derlttr, 8. Febr. Die Regierung geht damit um, Seminare, für Lehrer zu errichten, und zwar nach konfessionelltr Scheidung. Es sollen nämlich protestantische, katholische und jüdische 'Seminare ins Leben treten. Doch stünde es Jedermann frei, auch die Seminare einer andern/Konfession zu besuchen.; In Oesterreich ist mau noch unschlüssig, ob ein Jude neben einem Christen wohnen dürfe. Natürlich müssen die Juden mehr Sympathien für Preußen als für Oesterreich haben. Frankfurt er. M., im Febr. Aus der hier erschienenen „Reimchronik des Pfaffen Mauritius" (Moritz Hartmann), die sehr viele Sensation erregt, theile ich Ihnen folgende, den Märtyrer Herm. Jellinek betreffende Stelle mit. Seite 27 —29 der Chronik heißt es: „Er war ein Philosoph — und schauen Wollt' er das Wesen aller Dinge — Die Falte über seinen Brauen, Auf seiner Stirne bebend spielte Und wand sich gleich dem Schlangenringe Der Weisheit Ewigkeitssymbole -- Auch war es ja nur nach dem Wohle Der ganzen Welt, nach dem er zielte. Und-wandeln sah man den Gedanken» 2luf seinem blaffen Angesicht, . Den mächtigen,, der alle Schranken, Den Leib'' auch, der ihn trägt, zerbricht. — Er war ein Stern — zu früh verraucht, Ein Ätorgenroth — zu früh verhaucht, Ein sunger Hirsch — zu früh gefallt, Ein Glas voll Glut — zu früh zerschellt, Ein neues Schwert — zu früh gesprungen, Ein weiser Spruch — zu früh verklungen. Sein Name sei den Enkeln lieb: Er starb, weil er die Wahrheit schrieb." Aus Mähreu, 10. Febr. Die Zuschrift der mährischen Juden au den Reichstag in Kremsier, welche aus der Feder Hirsch's geflossen ist, hat Viele, die dessen religiöse Richtung nicht theilen, mit ihm ausgesöhnt. Durch. Ton und Haltung der Zuschrift hat sich Hirsch als Alaun von Energie, Festigkeit und Würde gezeigt. Die mährischen Juden waren gewohnt, zu winseln, zu jammern und zu bettelnHirsch hat sie gelehrt, kraft ihrer Menschenwürde ihr gutes Recht zu fordern in einer männlichen und energischen Sprache. Krewsiev, 6. Febr. Von allen Seiten strömen jüdische Deputationen an unfern Reichstag herbei. §. 16 der österrrichischeu Grundrechte entscheidet über die Emancipation der Juden. Wer würde glauben, daß es so vieler Deputationen bedürfe, um das einfachste und klarste Recht zu erlangen? Indessen ist auch die katholische Geisilichkeit nicht müßig. Sie ist bestrebt, die Einancipativu zu hintertreiben, sie, die ad majorem dei gloriam die Inquisition wieder einführen möchte. Die frommen Väter Jesu regen sich wieder in ganz Oesterreich, um die Geister zu beherrschen. Wir rathen der Regierung, die Juden zu emaneipiren , wenn sie nicht mehr als eine halbe Million unerbittlicher Gegner sich erziehen will. Kremsier, 12. Febr. Die Juden frage hat mich auch nach dem mährischen Kapitol gelockt, und ich habe von meiner Heimath eine Wallfahrt nach der gelobten Stadthaus der unsere Freiheit kommen sott, unternommen. Manche Persönlichkeiten habe ich hier zum ersten Male gesehen, und zu diesen gehören Hirsch und Meisel. Ersterer machte einen guten Eindruck auf mich; es ist ein Mann voll Energie und Thatkrast und steht für die Juden mit Leib und Seele ein. Seine ,,Denkschrift" machte hier viel Aufsehen und die beschränkten Tyroler stutzen nicht wenig über die männliche Sprüche eines Juden. Auch Meisel ist entschlossen und birgt unter der polnischen Tracht ein demokratisches Herz. Sie kennen seine Antwort auf die Frage, warum er auf der Linken sitze? „Weil die Juden keine Re cht e haben" erwiederte er. Hingegen ist Mannheimer alt, sehr alt geworden. Er ist kriechend den Ministeriellen gegenüber, fast- und kraftlos in der Geltendmachung seiner Ansichten, schwankend in der Politik, so daß wir auf seine Rede m der Judenfrage gar nicht gespannt sind. Die Juden können nur durch Entschiedenheit siegen; keine Halbheit, kein Jammern und Betteln! M — z. Kremsie? ,6. Febr. Die A. O. Z. schreibt über die Emcmeipation: Von mehreren Deputirten aus allen Parteien sind uns Zuschriften ihrer Wähler mitgetheitt worden,' die deutlich das Getriebe blicken lassen, welches gegen die Emancipation in Bewegung gesetzt wird» Bauern schreiben an ihre Vertreter, wie ihnen der Herr Pfarrer die Hölle schon auf dieser Erde prophezeiht, wenn sie mit Juden zusammen wohnen müßten, andere drohen ihrem Mandatare geradezu mit Todschlagcn, falls er für die Emancipation stimmte;'" eine Zuschrift, welche uns ein Herr Abgeordneter aus dem rechten Centrum, der übrigens seinem Wahlbezirke von vornherein erklärt hat, dafür zu stimmen, aus demselben, einer nicht unbedeutenden Landstadt erhalten hat; sagt geradezu, die meisten Hausinhaber seien den Juden viel Geld schuldig, und würden diese das Bürgerrecht erhaltcu r so dürften bald alle Häuser in ihren Händen sein. Da haben wir denn endlich einen wahren, stichhaltigen Grund gegen die Emancipation. Nicht die Religion, am wenigsten die Christi, spricht dagegen, sondern das Interesse! Mögen alle Kapläue, Pfarrer, Bi schösse, Domherrn, Erzbischöffe, Kar- 9 *

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