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Der Orient · 1849-03-03 · Heft 9 (3.3.1849) · p. Seite 42

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 9 (3.3.1849)
Date
1849-03-03
Page
Seite 42 (sequence 3)
Language
German
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- 42 - verheißenen Rechtsgleichheit unter den jetzt obwaltendm Verhältnissen die höchste und . bedauerlichste Kalamität erblicken, die sie möglicherweise treffen könnte. Nicht die Verweigerung des ihnen von Gott und Welt gebührenden Rechts, .sondern die neuerliche Sanktionirung eines Jahrhunderte laug gegen sie verübten Unrechts und das auf solche Weift durch ein abermaliges Gesetz erneuerte Privilegium verehrter Schmach und alten Haffes ist das Schrecklichste, das in einer solchen Verfügung läge. So lange der Absolutismus nach oben und nach unten gleich drückte, so lange der Bauer geknechtet, der Bürger in allen Schritten bevormundet, und jede freiere Bewegung verpönt war, hat man auch in dem Judendrucke nur eine unglückselige Konsequenz jenes Systems .erblickt, mit welcher die Würdigkeit oder Unwürdigkcit der Inden in keinem Zusammenhang stand. Aber wie tief müssen wir jetzt in -der Meinung des Volkes sinken, welche neue Nahrung würde einem furchtbaren Hasse geboten, wenn von dem Lichtstrahl der neuen Freiheit, die alle Staatsangehörigen in gleichem Grade beglücken sollte, wenn die sinstern Gänge des Judenghettos unerhellt blieben; wenn indeß das Prinzip der Rechtsgleichheit die Privilegien des Adels gebrochen, die Fesseln des Landmanns gesprengt, nur in Betreff der Juden das alte fluchwürdige Privilegium fort erhalten, und 700,000 Staatsangehörige fortan als Parias unter freien Männern unverdient ein schmachbelastetes Leben zu führen verurthcilt würden. Aber fürchterlicher noch als völlige Rechtlosigkeit ist für uns der Gedanke der Abfindung mitleidiger Koueefstonen, so viele auch ihrer gemacht werden sollten. Denn kann und wird man in jener nichts als einen Akt der Gewalt erblicken, gegen welche die Ohnmacht nichts vermag, so erregen einzelne gewährte Konzessionen nur' zu sehr den gegründeten Verdacht , als wenn wir des vollen Maßes der Freiheit noch nicht werth wären, und in sittlicher oder intellektueller Beziehung tief unter der übrigen Bevölkerung ständen. In gleicher Weise müssen wir uns entschieden gegen den Wahn erklären, als fürchteten wir traurige C'xccsse der durch unsere, Emancipation irritirten Völker. Wir .werden uns der uns gewordenen Freiheit nie überhebeu und solche provoeiren; aber wir werden sie auch nicht fürchten und muthig jedem Kampfe entgegengchen für die Freiheit, die, bei Gott! uns mehr gilt, als Eigenthum und Leben. Dies sind unsere, in der Ucberzeugnng der ganzen böhmischen Judenheit tief wurzelnden Ansichten, für die wir leben und sterben, und wir stellen die Bitte, Ew. Hochwohlgeboren wolle dieselben in dem Kreise ihrer vielen Freunde und gleichgesinnten Volksvertreter bekannt geben und ihren wohlverdienten Einfluß geltend machen, damit sie die gebührende Beachtung und Würdigung finden mögen. Sie sind der Mann, auf den wir vertrauungsvoll blicken, und wir leben der sichern Hoffnung, daß wir in unserm Vertrauen nicht werden getäuscht werden. Genehmigen Sie höchst verehrter Herr Appellationsrath, die Versicherung unserer ungeheuchelten Hochachtung, von welcher nicht nur die Prager Judenschaft, sondern auch die des ganzen Landes ganz durchdrungen ist. —- Vom Centralkomite der Israeliten Böhmens. -— Breslnu, 18. Febr. Als im März 1848 sich das Volk für die Emancipation der Juden auösprach, da konnte man niclss vcrmuthen, daß gerade die Volk'ssnhrer, die Schriftsteller und Journalisten es fein werden, die den Judenhaß und Judenhohn aufs Neue heraiffbeschwöreu würden. Und doch ist dem so! .Wir sprechen hier nicht von der sogenannten guten, loyalen Presse von Blättern, wie „Schild und Schwert" und „Geißel" oder „die neue preußische Kreuzzeitung". Diese Blätter predigen den Judenhaß ehrlich, sie kämpfen gegen alle und jede Freiheit, mithin auch gegen die der Juden. Sie geben sich für nicht besser aus als sie sind, sie gleichen dem Räuber, der dir offen und gewaltsam das deinige entreißt, vor ihm kannst du dich hüten, seinen Angriff kannst du abwehren. Ohnmächtig aber bist du gegen den, der dir Freundschaft heuchelnd naht , dir um den Hals fallt, um dir dabei deine Uhr stehlen zu können. Jene sind ehrlich zu nennen im Vergleich mit diesen. Und an die Letzteren gemahnten uns diejenigen d e m o kr atisch en Blatter, die wo sie Etwas von einem Manne zu berichten, besonders zu tadeln haben, der beschnitten ist, das -gehässige „Jude" „Israelit" hinzuzusetzen nie vergessen. Und das thun Blätter, deren Tendenz' ist: das Wirken für die Freiheit des gestimmten Volks, mithin auch für die des Juden! Pflicht der Presse ist es, solche Acnßernngen der Inhumanität besonders in sonst freisinnigen Zeitungen schonungslos aufzudecken. Der Orient hatin seiner ersten diesjährigen Nummer schon eine Zeitung an den verdienten Pranger gestellt, auf den alle Judenfeinde, besonders aber die demokratischen Judenfeinde der öffentlichen Meinung gegenüber gehören, das war ' Die neue rhe in ische Zeit u n g, O rg a n der Demokratie. Ihr folge heute eine zweite, die „Allgemeine Oderzeitung". In ihrem Berichte ans Leipzig über die „Grenzboten" einem in der That sehr vormärzlichen Blatte, wird zu erwähnen nicht vergessen, daß ihre Begründung eine Spekulation des Israelit e n K it ra n d a sei, daß Kuranda nach dem März ,,a n f d i e Reaktion der Juden (!) und Philister" gerechnet habe, daß für Gustav Freitag „jetzt der Sabbat in der Journalistik beginnen werde" So wenig wir irgend Jemanden das Recht atstreiten werden, über öffentliche Personen und Blätter sein Urtheil abzugebew, ja so nöthig wir es erachten, daß die Kritik schonungslos alle jene Ausgeburten volksfeindlicher, doktrinärer Journalistik

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