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Der Orient · 1849-02-24 · Heft 8 (24.2.1849) · p. Seite 39

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 8 (24.2.1849)
Date
1849-02-24
Page
Seite 39 (sequence 5)
Language
German
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39 er ein ausgezeichneter Geschichtsforscher und ein selbstständiger, energischer Charakter ist. — Horwitz, der Redakteur der „Parlamentszeitung" hatte eine Stimme in einem Wahlbezirke. — Die „Kreuzzeüung" will die Juden aus Jerusalem herbeirufen, um gute Bürger zu bekommen. Beiden preußischen Juden hat der Absolutismus wenig Hoffnung. — In Breslau ist Dr. Wollheim gewählt worden. Geiger war Wahlmann. - Vom Main, 27. Jan. Dr. Heinrich Weil aus Frankfurt a. M. ist von der französischen Regierung zum Professeur Charge de eours bn der Universität Besan^on und zum ^grogtz bei den Fakultäten ernannt worden. In dem von der Kommission darüber erstatteten und dem „Moniteur" einverleibten Berichte gesteht dieselbe mit ehrenwercher Freimüthigkeit ein: Dieser ausgezeichnete, aus der Berliner Schule hervorgegangene Gelehrte, habe sich als ein gefährlicher Nebenbuhler erwiesen, und man kann annehmen, ohne ihn würde der Konkurs schwächer ausgefallen sein. - Leipzig, 5. Febr. Ein bei Gustav Mayer (Leipzig, 1849) erschienene Broschüre „Brustbilder aus der Paulskirche", welche überhaupt konservativ gehalten ist, entwirft folgendes Bild von unserm alten Kämpen für die Emancipation seiner Glaubensgenoffen: „G a b r i e l Ri eß er, ein Rechtsgelehrter aus Hamburg und nach Frankfurt a. M. gewählt für Lauenburg, gehört ihr noch unmittelbar an. Es ist der Gegendruck nach dem Drucke, dem wir es zuzuschreiben haben, baß an jedem Punkte unseres erschütterten Welttheils, in Paris und Genua, in Wien und Venedig, in Berlin und Anhalt-Dessau die Juden eine hervorragende Rolle bei der Neugestaltung der Verhältnisse spielen. Hier zum Vortheil, da zum Nachtheil der Sache, aber stets mit Wirkung. Daß sie Verstand und Eifer in einem Grade besitzen, an dem sich besonders die germanische Raffe ein Beispiel nehmen sollte, wissen wir längst. Auch daß sie, wenn schon selten schöpferische Künstler, doch häufig meisterhafte Virtuosen sind. Aber denen nnrer uns, die ihnen alle Eigenschaften lieber, als die der Liebenswürdigkeit zugestehen, dürfen wir Hrn. Rießer entgegenhalten als einen überzeugend liebenswürdigen Menschem Bescheiden, trotz bedeutender Gaben, zuversichtlich nur für die gute Sache und ßin Patriot. Von der kosmopolitischen Völkerverwässerung, von der kläglichen Auflösungs- und Verallgemeinerungspolitik, welche die Juden, da sie ihrer Heimathlosigkeit nahe lag, erst in die Literatur und dann von den Linken Seiten h^r in die Kammern eingesiihrt haben, ist kein Tropfen und kein Gedanke in Herrn Rießer. Die deutschen Unbilden, die sein von ihm heißgeliebter und mit glühendem Ehrgefühl verteidigter Stamm erleiden mußte, haben ihn nicht einen Moment wanken gemacht im Glauben, in der Hingebung an unser Vaterland. Solche Charaktere sind werth, es.mit zu begründen -Rießer ist von hoher Gestalt, deren beleibten Obertheil er nicht sehr geschickt trägt. Sein hastig rasches Wort scheint stets aus beengter Brust zu kommen und er verrenkt in der leidenschaftlichen Rede die Schultern, trocknet sich den Schweiß von dem blonden Kcauskopfe und rückt an der Brille. Allein dies Alles verbindet sich nur zu einem um so stärkeren Ausdrucke jener innigen Wahrheit, die gleichsam durch alle Poren ihren Ausgang sucht. Er war es , der die Ereignisse des 18/ Sptbr. mit der tiefsten sittlichen Entrüstung in der Paulskirche musterte und verurtheilte, denn er konnte „den Eindruck dieser Ereignisse nicht hinwegwischen von seinem Gemüthe, wie man den Staub von seinen Füßen schüttelt. Wenn man uns gesagt hat, daß auch die Leidenschaft ein Recht habe, in der Politik.ein Wort mit zu reden, so möge man auch der Leidenschaft meines empörten Rechtsgefühls etwas zu Gute halten." Bl....> Kremsrer, 9. Febr. Gestern berichteten wir über verschiedene Adressen und Petitionen, welche die katholische Geistlichkeit an den Reichstag senden zu müssen glaubte. Heute liegt ein intercffantes Gegenstück vor, nämlich eine „Denkschrift von dem zur Wahrung der bürgerlichen und politischen Rechte der Juden bevollmächtigten Komite der mährischen jüdischen Gemeinden". Der Inhalt solcher Bittschriften ist gewöhnlich bekannt, und besonders der weh- und demüthige Ton, der meist darin vorherrscht. Aber von dieser Denkschrift gilt nichts weniger. „Sie hätten bis jetzt nur geschwiegenweil sie mit Zuversicht darauf pertrauten, das Recht Aller werde auch das Recht des Juden.sein. Jeder Zweifel daran schien ihnen eine Versündigung an der Erleuchtung der Vertreter des Volks. Die Nichterfüllung ihrer Hoffnungen, die Verkennung des Rechts schien ihnen eine Unmöglichkeit. Die Sektionsberathungen aber haben sie aufgeschreckt. Ein Thejl der-Volksvertreter liegt jetzt noch in den Fesseln des alten Wahns und Vorurteils, und sie wollen den Grund zum neuen Rechtsstaat mit dem alten Unrecht legen, unbekümmert um den Schrei der Entrüstung jedes Rechtschaffenen, unbekümmert um den brandmarkenden Tadel der ganzen erleuchteten Zeit. Diesen gegenüber glauben sie nicht längen schweigen zu dürfen, da Hunderttausende auf Jahrhunderte hinaus wieder um die heiligsten Güter, um Menschen- und Bürgerglück, um Menschen- und Bürgerehre betrogen werden sollen. Um des Vaterlandes willen dürfen sie nicht langer schweigen, da es sein Heil und seinen Frieden nicht finden kann und nicht finden wird, so lange noch eine Menschenseele in ihm atmet, die es vor -Gort der Ungerechtigkeit, der Gewaltthat., des Raubes ihrer heiligsten Güter anklagen darf." Hierauf werden die Lasten geschildert, welchen die Juden in Mähren unterworfen sind. Obwohl nur bekannte Daten Vorkommen, wie wir sie aus/dem Rechts- oder vielmehr Unrechtsleben der Juden in allen Staaten kennen, so gewährt doch das Gesammtbild einen schauerlichen Eindruck. Das pharaonische Gesetz, daß die Juden sich nicht vermehren dürfen, besteht noch in Mähren und Böhmen; die Heiraten sind daher verweigert, die Familienstellen, 5400 in dieser Provinz, dürfen nicht vermehrt werden.. Hiermit ist der Demoralisation und Korruption die heimlichste Pforte geöffnet. Der Jude darf, nur im Ghetto wohnen, und der Tagesaufenthalt ist.ihm bisher noch in mehren Orten nicht gestattet, in Olmütz und Brünn darf keiner wohnen. Der Jude kann aber auch nicht

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