Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1849)
- Date
- 1849-02-24
- Page
- Seite 38 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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38 verschiedene Kategorien für Pas Schulrufen. Freitag Abends -• lautet die Parole: „zu Kaboles- SchMs"! nfanp) Samstag Morgens ergeht durch die Straßen der Ruf: „zu Schekome"! MDM);.gegen zehn Uhr ertönt es: „in die Schuld, oder „in d e r Schuld. Es, sind nämlich zwei Parteien, die seit Jahrzebenden einen Casus-Streit führen, und noch ist er bis-jetzt nicht entschieden. Es sind bereits mehrere wichtige Scheelot u-Teschubot darüber gewechselt worden, die meisten Rabbiner entschieden sich über für ipY).: Ein Rabbiner soll sogar am Osterabend den Propheten'Elija erwartet haben, um ihn persönlich über den Dativ und Akkusativ zu befragen. Ein anderer entschied sich für den Lei de fall, weil wir in „Goles" sind. Nachmittags hört man im an* ctante-Tone: „zu Minche"! Sind wir nicht, Hr..Redakteur, ein „weises und vernünftiges Volk"? — Um jetzt wieder auf den Fanatismus zurückzukvmmen, so trägt er die Schuld an der theilweisen Demoralisation so vieler Juden in Mähren, die durch das heimliche Wesen, überhaupt jeden moralischen Halt verlieren, und sich allmälig gewöhnen, an Allem zu zweifeln und selbst den Gottesgedanken aufzugeben. Was thut aber überhaupt der jungpolnische Rabbi für die sittlichmoralische Heranbildung seiner Gemeinde? Lassen Sie mich dies noch kurz untersuchen. Der jungpolnische Rabbi hält vielleicht, wenn es hochkommt, fünf Deraschot im Laufe eines Jahres. Der Inhalt solcher Vorträge ist Ihnen wohl bekannt. Sabbat ha-Gadol wird die Gemeinde in Chemie unterrichtet, und die Frauen erhalten die Anweisung, wie sie „kaschern" und „glühen" sollen. Bewiesen Gelegenheiten hört man gewöhnlich die Expektoration , wie unser „Dor" schlecht ist , indem in früher» Zeiten die „Maschgichim" eifriger waren, die „Noschim Zidkonijes" bei den „Mazzes" die ganze Nacht wachten, die Männer zum Schöpfen des Mizwe-Wassers gingen — und Rührung bemächtigt sich des Publikums bei solchen inhaltschweren Reden und die „Noschim Zidkonijes" schluchzen in Thränen aufgelöst, unb die „Balebatim" gehen in sich und geloben im Stillen, mit der Zeit — nicht fortzuschreiten. Den Anfang oder den Schluß bildet ein Stück „Charifes", das Publikum staunt über die Gelehrsamkeit ihres Rabbi und die Frauen, von rri HTHp hörend, glauben sich in der Küche, und erzählen sich, wie „Jentel" und „Vögele" und „Cheile" und „Peßele" And „Sprinzele" die Gänse füttern, und ein Ben-Tora fängd an „mefalpel" zu sein, und der infallkble Rabbi gebärdet sich als unüberwindlicher Gladiator u. s. w. Wie erhebend dies Alles in der Synagoge ist! Sabbat „Schuba" ist eine zweite vermehrte Auflage. 2fn diesem Tage werden der Gemeinde lange Sündenregister vorgehälten, daß z. B. die Frauen ihr eigenes Haar tragen, die Leute zu-wenig fasten u. s.^w. Das Pilpul-Stiergefccht fehlt auch nicht. Gewöhnlich glauben beide Kämpfer Sieger zu sein und das Stiergefecht enoigt mit mni D’Dn 33];t2 D’niytio 6. Die Hauptmomente erfolgen aber am Kol- Nidre-Abend. , Das Publikum muß a tout prix gerührt werden, und um dies Ziel zu erreichen, fängt der Rabbi selbst zu weinen an,, und er weint und weint bis alle Zuhörer weinen, und Rabbi und Gemeinde sind „zwei Herzen und ein Schlag"! Darin besteht die ganze öffentliche Thätigkeit des Rabbi. Muß da nicht die Gemeinde geistig und sittlich erstarken? Der Rabbi ermahnt nicht, daß man vom Schacher, vom Wucher, von der Habsucht laste, sich der allgemeinen Kultur und Bildung anschließe, den „Goi" oder „Orel" ebensowenig wie einen „Barjisroel" — „mermmme" sein dürfe — das wäre „Schetus" für den „Charis" und „Bcki". 'Es giebt in jeder Gemeinde eine Anzahl unwissender Menschen, deren Gemülh für das Gute und Edle empfänglich ist, wenn es ihnen nur klar und deutlich dargestellt wird. Diese Menschen'verkümmern geistig und moralisch, und es ist eine Wohlthat, daß sie noch durch die Werkheiligkeit an Gott erinnert werden. O, wir, die „große Nation" sind ein ,,weises und vernünftiges Volk"! M — z. Deutschland's vereinigte Staaten. Wien, 2. Febr. Der Belagerungszustand hat manche Emen hervorgelockt, die am Hellen Tage sich nicht zu zeigen wagten. Hr. Stern, dessen hebräische Reimereien während" der Freiheitstage Wien's jedtn Boden verloren, besingt jetzt im „Humoristen" die Freiheit, die von der Gnade des Kaisers verliehenen, welche bis jetzt entstellt gewesen unb durch Windischgrätz erst zur wahren Anerkennung gekommen sein> soll! Wie ein Jude der Herrschaft mit „Pulver und Blei" das Wort reden kann, mag Hr. Stern, dessen deutsche Gerichte hebräisch klingen, begreifen. Wenn er die Geschichte seiner Glaubenebrüder kennen möchte, so müßte er wissen, daß die Freiheit der Juden seit der französischen Revolution von 1789 datirt, und daß die Juden in Deutschland nie ohne Revolution frei geworden waren. Als die Jugend , der Hr. Stern so gram ist, in Wien herrschte, war keine solche Anarchie wie sie jetzt sich in blutigen Spuren zeigt. Odec spricht aus den Proklamationen des „Psychologen" Melden uicht die Anarchie, die Willkürherrschaft? Allein von einem Mann von so naiver politischer Bildung wie Hr. Stern, der ,die Freiheit für ein Gnadengeschenk wie eine goldene Medaille ansieht, darf uns nichts wundern. 8utor ne ultra crepidatn; £r. Stern bleibe bei seinen Selichot und Kinnot und verschone die Freiheit mit seinen deutschen Bußpsalmen. Stern und Saphir, wie lieblich ist es, wenn Brüder in Eintracht zusammenwohnen! — Trotz der hiesigen Schaudpreffe giebt es doch mehre Journale, die sich der Juden warm annehmen. Zu diesen gehören die „Ostdeutsche, Post" , die „Presse^ und die „Allgemeine Oesterreichische Zeitung". —- Die Familie Rothschild will der Regierung kein Geld borgen. Dgs Säbelregiment Welden's flößt also kein Vertrauen ein. Berlin, 6. Febr. Jak o b y ist hier zwei Mut zum Abgeordneten für die zweite Kammer gewählt worden. -- Dr. Zunz hielt in einem hiesigen Wahlbezirke eine ausgezeichnete radikal-demokratische Rede. Zunz ist radikal, weit