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Der Orient · 1849-02-24 · Heft 8 (24.2.1849) · p. Seite 40

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 8 (24.2.1849)
Date
1849-02-24
Page
Seite 40 (sequence 7)
Language
German
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40 auswandern, denn ein AbzugsgeLd von 15 Proc. nebst dreijähriger, Familiensteuer sind ein förmliches Verbot .des Wegziehens. Aber auch nicht ausfierben dürfen die Juden, denn * die schärfsten Anordnungen sind erlaffen worden, die Familienstellen vollzählig zu erhalten, damit die Steuer vollzählig erhalten werde! Da die Juden extra eine Verzehrungssteuer zu zahlen haben, so müssen die nicht im Lande Wohnenden eine Entfernungssteuer von 2 Kr. täglich entrichten, und jene Juden, die sich über das Gebot des Koscherfleisches hinaussetzen und beim Christen essen, verfielen einer Fiskalstrafej Der Jude darf keinen Grund besitzen; er darf keine christlichen Gesellen, Lehrlinge, Arbeiter, Dienstboten, nicht einmal christliche Ammen halten, und die freien Künste darf er nur im Ghetto ausüben. Kein Jude ist Advokat, Lehrer oder Professor, und trotz aller Auszeichnung im Heere wird er in den seltensten Fällen Offizier. Ferner waren die Juden bis in die letzte Zeit besondern Steuern unterworfen, sodaß z. B. Nikolsburg mit 620 Familien an Judensteuern jährlich 14,000 Fl. zahlen mußte, wofür die Gemeinde solidarisch haftete, sodaß der Vermögende die Taxe der Armen mitbezahlen mußte. Nach Darstellung dieser Lage fragt die Denkschrift: „Welche neue Zukunft soll die neue Zeit den Juden bringen? Mit der ganzen Entschiedenheit unserer Seele, als Menschen, als Bürger, antworten wir: Es gibt nur Eine Antwort auf diese Frage, sie heißt: völlige Emancipation, vollkommene, ungeschmälerte Rechtsgleichheit. Als Söhne des Volks rufen wir den Abgeordneten am konstituirenden Reichstage zu: Verrath begingt ihr, Verrath am Wolke, Verrath an eurer Sendung, Verrath an unsers Staates ganzer Zukunft, wenn ihr nicht festhieltet am Grundprinzipe der Gleichberechtigung aller Staatsbürger. Die ein Viertel-, ein Achtel-, ein Sechzehntel- Emancipationsvörschläge sind in ihren Voraussetzungen falsch, in ihren Bestimmungen zweckwidrig, in ihren Erfolgen unheilbringend, und nur die völlige Gleichstellung für den Staat vortheilhaft und heilbringend. Als Juden spricht das Komite im Namen seiner Glaubensgenossen es aus: Wir können, wir dürfen uns nicht zum zweiten Male brandmarken lassen. Wir sind uns unserer Bürger- und Menschenwürde bewußt und fodern für gleiche Pflicht auch gleiches Recht. Nicht von der Gnade des Menschen erwarten wir die Verleihung unsers Rechts, sondern von der Gerechtigkeit des Volks und seiner Führer fordern wir die Anerkennung unsers Rechts. Man jage uns fort oder mache uns frei. Man spreche nicht von Gefahren, die uns selbst drohen. An den freien, gleichberechtigten Juden wird Keiner sich wagen, nur den unberechtigten, geknechteten Juden glaubt jeder Bube ungestraft höhnen und zerren zu dürfen. Und wenn auch, drohten selbst Gefahren, was haben die Vertreter sämmtlicher Gemeinden über diesen Punkt vernommen: Lieber materiell erschlagen, als noch länger geistig todt! war ihre einstimmige, einmüthige Antwort. Oesterreich wird nicht allein sich den Stempel der Barbarei auf die zur Freiheit erhobene Stirn aufdrücken wollen!" Wir citirten die bedeutendsten Stellen dieser Denkschrift, welche vom mährischen Oberlandesrabbiner Hirsch und noch 13 Repräsentanten unterzeichnet ist. Eine solche Sprache ist von den Juden Oesterreichs noch nicht gehört worden, und man war jetzt um so weniger darauf gefaßt, da die radikalen Elemente in Wien größtentheils ihrem Einflüsse zugeschrieben werden, und selbst die Militärbehörden eifrigst nach langnasigen Jnkulpaten forschen. Allein trotz dieser Schrift ist die Entscheidung der österreichischen Kammer über• §. 16 der Grundrechte („Die Religionsverschiedenheit begründet, keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger") sehr zweifelhaft. Die Tiroler, Steirer und Oesterreicher (außer Wien) sind entschieden gegen die Gleichstellung der Juden, die Czechen möchten die Emancipation holbiren, und nur die Polen sind ganz dafür gesinnt. Das Ministerium erkennt nur zu wohl dieses Krebsübel und wäre wohl gesonnen, es total auszubrennen, aber es greift weder in dieser noch m einer andern Rechtsfrage der Kammer vor. Indem man die Gemeindeordnungen annahm, wurde ohnehin schon allen Vorurtheilen und allem Egoismus das Scepter in die Hand gegeben, dennoch wird man vielleicht den Juden noch extra einen Riegel vorschieben, damit sie nicht in den Rechtsstaat eintrsten. Die Aufregung über diese Frage ist in beiden Lagern heftig und dürste größere Folgen nach sich ziehen, Als es vorerst den Anschein hat. Schon berichtet man aus Böhmen, daß in wenigen Wochen Hunderte von Juden nach Amerika auswandern, und zwar die vermögendere, und andere wollen Nachfolgen, um den Wirren zu entgehen. Die Kammer geräth in ein Dilemma; entweder das Recht oder das Volk muß sie berücksichtigen, da beiden kaum zu genügen ist. (D. A. Z.) Personalchronik und Miscellen. Berlin. Die „Kreuzzeitung" schimpft noch immer auf die Juden, „die Vorläufer des Christenthums."— In der ersten Kammer wird eine Opposition gegen die Juden sich erheben, da sie ihrer Zusammensetzung nach zumeist reaktionär sein wird. •— Ein Gymnasialdirektor weigert sich hier, jüdische Lehramtskandidaten aufzunehmen. Frankfurt ct. M. Zur Feier der Grundrechte haben mehre Juden große Bälle gegeben. — Ein poetisches Merkchen von Moritz Hartmann: „Reimchronik des Pfaffen Mauritius" macht hier viel Aufsehen. Verlag von C. L. Fritz sche< Druck von Z. H. Nagel.

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