Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1849)
- Date
- 1849-02-24
- Page
- Seite 37 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studie» und Kritiken Zehnter für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen solid, Buchhandlungen auf ein Jahr. Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Lkteraturblatt mitgerechnet, zwe,i Bogen, und zwar an.jedem Sonnabend regelmäßig. Inhalt. Die Juden i n M ä h r e n. Eine Stimme der Wahrheit. — Deutschlands vereinigte Staaten W i e n. Nachteulen. Die Journalistik. Berlin. Jakoby Zunz. Wollheim Geiger. Vom^Main. Dr. Heinrich Weil. Leipzig.- Charakteristik Niesser's. Kremsier. Denkschrift der mährischen Juden. — Personalchronik und Miscellen. Berlin. Frankfurt a. M. — LB. d. Or. Die Inden in Mähren. Eine Stimme der Wahrheit. TV. Der Fanatismus der jungpolnischen Rabbiner ist so naturwüchsig , als wenn wir noch in der Zeit lebten, wo die Macht der „Gedolim" sich in dem Bann äußerte. Von jener Milde und Duldung , welche die Zeichen wahrer Frömmigkeit sind , ist in der > fanatischen Brust dieser beschränkten Helden dts Rabbinismus nichts zu finden. Gegen Alles, was sie nicht bei ihrer Penaten Karo und Jfferles finden, wüthen sie wie die frommen Väter der Inquisition. Jeder Ursprünglichkeit haar, sind sie die sktawischen Nachbeter alter polnischer Lehrer, deren Begriffswelt aus minutiösen Deuteleien und Spitzfindigkeiten bestand. Sie verdammen und verketzern Jeden, der nicht in ihr Horn stößt, und glauben den Untergang des Judenthums zu sehen, wenn Jemand so frei ist, anderer Meinung als die altpolnischen Herren Jfferles und Sabbatai Kohen zu sein; Die Juden verlangen Glaubensfreiheit vom Staate; die jungpolnischen Rabbiner aber wollen die Glieder der Gemeinde gefangen halten, und geben es nicht zu, daß Jeder/seine eigene religiöse Anschauung besitze. Nicht zufrieden, daß man sie in ihrer Traumwelt voll Aberglauben, Mährchen und Bornirtheit nicht 'stört, maßen sich diese Midrasch- Kunstreiter und Rambam-Gauklcr, diese Pilpul-Croatm und Poskim-Panduren noch an, das Gewissen jedes Einzelnen zu beherrschen, und wenn es von ihnen abhinge, so würden sie das Standrecht einsiihren für Alle, Jbie am 9. Ab nicht tu zerrissenen Kleidern, mit struppigem Barte sich auf der Erde herumwälzen. Gewissensfreiheit, Glaubensfreiheit, Denkfreiheit, Lehr- und Lernfreiheit sind für sie unbekannte Größen, und ihr Fanatismus steht dem der katholischen Geistlichkeit nicht nach, obwohl die jungpolnischen Rabbinen ^bis jetzt noch keine Beichte eingeführt haben. Dieser Fanatismus demoralisirt aber die Gemeinden, indem er das Verstecken und Verheimlichen begünstigt. In jeder Gemeinde giebt es jüngere Leute, die ein anderes Zeitbewußtsein,als das der Alten haben und daher die „vier Ellen" breite Bahn des Usus verlassen. Es geschieht aber versteckt-, heimlich , im Verborgenen, und der Heuchelei ist somit Thür und Thor geöffnet. Das tückische, verschlossene und in sich gekehrte Wesen geht nur aus diesen heuchlerischen Zuständen hervor. Das entwaffnet aber den Fanatismus nicht. Der jungpolnische Rabbi kann .poltern und schimpfen, wenn Jemand nicht um 4 Uhr Morgens zu „Schorberes" (nnD *1DI am Rüst tag des Neujahrsfestes) nach der Synagoge gehen, will, ein Zweiter sich erlaubt,, um halb sechs Abends Kaffe mit Milch zu trinken , ein Dritter weder von der „Sesira" noch von dem Rabbiner etwas hält, ein Vierter von dem stinkenden aurunt pigmentum nichts wissen mag, ein Fünfter das „Tekufa-Eisen" in die Rumpelkammer wirft, ein Sechster den „Kittel" für einen weißen Domino hält, ein Siebenter das Schurklopfen und Schulrufen für eine Entehrung der-Juden erklärt u. s. w. — In Betreff des „Schulrufen" erlauben Sie mir eine kleine Digression. Es giebt 8