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Der Orient · 1849-02-17 · 7 (17.2.1849) · p. Spalte 103-104

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
7 (17.2.1849)
Date
1849-02-17
Page
Spalte 103-104 (sequence 4)
Language
German
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108 in Gott, ein Erkennen Gottes durch Gott selbst. Denn „wie nur die Sonne nur durch die Sonne, die Gestirne nur durch die Gestirne, das Licht nur durch das Licht sehen können, so ist auch Gott nur durch sich selbst zu schäum" (zov avrov 6$ TQOTtov ml 6 fisog ectvvov (phyyog coV öi avzov (xovov •Q'eooQsivo.) de praemiis ac po«nis M. II, 414. Zu dieser DQctGig xov gelangen nur die höher stehenden Menschen, die, welche von dm Banden der Sinnlichkeit sich befreiet und einem göttlichen Leben sich hinzugeben haben — die Asketen. Zu diesen gehört vorzüglich Jakob, der bei Philoder Typus der Askese ist (vergl. de sommis I, 249 u. a. St.) und daher sein NameJsrael, was bedeute. ib.12 — (Fortsetzung folgt). Nachman Krochmal, ein Lebensbild. (Schluß.) Unter diesen vielseitigen Beschäftigungen harte er bereits fein 24. Lebensjahr erreicht, als eine ihm angeborne physische Anlage, auch in Folge dieser geistigen Anstrengung, sich weiter auszubilden drohete. Jede Beschäftigung mit Gegenständendie ein tieferes Nachdenken erforderten, ward ihm strenge untersagt, und dessen Unterlassung als eine unerläßliche Bedingung seiner Wiederherstellung aufgestellt. Nun erst war er darauf bedacht , seinem Geiste eine minder kernigte Nahrung zu verschaffen, und wandte seinen Fleiß den historischkritischen Studien zu. Durch einen längern Zeitraum bildete der Meor Enajim fast seine einzige Lektüre, und diente seinen eigenen Forschungen als Stützpunkt. Aus eben jener Zeit schreibt sich auch seine erste Bekanntschaft mit dem bekannten S. L. Rapaport her. Den geeignetesten. Stoff zur Unterhaltung lieferten ihnen die damals gerade Krochmal beschäftigenden historischen Forschungen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser Umstand auf die von Rapaport späterhin rühmlich eingeschlagene Richtung einen nicht geringen Einfluß ausgeübt habe. Der zärtlichen Sorgfalt einer liebenden Gattin und einer seltenen Geistesruhe verdankte er seine allmälige Erholung. Mit der Erlangung neuer physischer Kräfte erwachte auch mit verdoppelter Kraft sein Streben nach höherer Wirksamkeit. Die Richtung nach innen war demselben noch immer verwehrt, er nahm also im Drange, trotz einer Krochmal angebornen Schüchternheit und Liebe zur Ruhe, nunmehr eine Wendung nach außen. Auf jede mögliche Weise suchte nun Krochmal auf seine Umgebung geistig einzuwirken. Bald waren'. es die Werk- und Scheinhekligkeit und die Schwärmerei, gegen die er seine Geistesblitze richtete: 12) Vergl. auch Leg. alieg. III, 153. 104 drei Nebel, die demJudenthume überhaupt stark ankteben, und in Polen schon gar einheimisch sind; bald war es die unwissende Einfalt, der er sich mit freundlicher Belehrung näherte. Selbst marinem etwas schon vorgerückterem Alter, in dem sein nach Ruhe und Zurückgezogenheit sich sehnender Ernst nur sichtbarer ward, mußte derselbe oft einem lieblichen, jugendlichen Eifer dort weichen, wo es. sich um die Bekämpfung eingenisteter, einer echten Religiösitat nur zuwiderlaufender Vorurtheile handelte. Es schnarren sich auch bald mehrere edle eifrige Jünglinge um ihn, denen er als Lehrer, Freund und Muster diente. Von der Ansicht ausgehend, daß nicht blos die erste Bildung, sondern auch die geistige Wie-, derverjüngung bei einem Volke aus der Poesie ihren Ausgangspunkt nehmen müsse, 'war es auch die sprachliche und schöngeistige Ausbildung, auf die «r vor allem drang. Seine.- Lehrmethode war stets die echt sokratische. Ohne seine Absicht/im mindesten merken zu lassen, verstand ec es seinen Zuhörer stets zu jenem Standpunkt hinzuleiten, den er gerade für den angemessensten hielt. Ueberhaupt hatte Alles, was er wußte und dachte, diejenige Klarheit und Deutlichkeit, die sich nothwendig in seinem Zuhörer wieder abspiegeln. mußte. Bei Erlangung einer nur etwas solidern Gesundheit, trieb ihn sein nie gestillter Wissensdurst von neuem zur Erweiterung seines Jdeenkreises an. Jetzt waren es die Kant'- schen Schriften, in deren Geist er einzudringen suchte. Bei aller tiefen Verehrung, die er stets für dieses große Genie hegte, war es doch nur dessen Kritik der Vernunft, die ihn eigentlich recht angezogen, und'welche auch durch eine längere Zeit fast sein einziges Studium ausmachte. Ein Umstand, der wohl am geeignetesten sein dürfte, uns seine geniale Auffassung anzudeuten. Für den, der Krochmal genau kennen zu lernen Gelegenheit hatte, unterliegt es keinem. Zweifel, daß wenn demselben sich etwa auch aktive Genialität absprechen läßt, es ihm hingegen an passiver, in dem Sinne wie solche bereits Jean Paul bestimmt, gewiß nicht gefehlt Habe. Auch mit den Ficht'schen Ansichten suchte er sich bekannt zu machen, ging aber bald schon zu den Schöpfungen Schelling's über, mit dessen Schriften, wie auch mit denen Okens und anderer zur Fahne der Naturphilosophie sich bekennender Schriftsteller, er sich viel befaßt hat. Merkwürdig bleibt es, daß trotz einer lebhaften Phantasie und der bereits angedeuteten hervorstechenden Gefühtrrichtung, Krochmal sich doch nie recht mit diesem Systeme befreundet hatte. Ob dieser Umstand irr seiner geringen Bekanntschaft mit den Naturwissenschaften, oder vielmehr in einem durch ein fleißiges Studium der altern Philosophie in ihm erwachten Bedürsnisse nach strenger, wissenschaftlicher Methode, seinen. Grund habe, muß hier unentschieden bleiben. Gleichzeitig mit der Zunahme seinev Geistesklarheit, verdunkeltem und verwirrten sich immer mehr seine Familienverhältnisse. Seme Schwiegermutter, bei der er bisher gelebt, war gestorben,, seine Familie bereits auf mehrere Glieder herangewachsen. Die Vermögensumstände seines sonst sehr wohlhabenden Vaters wur- Studien. Nachman Krochmal,

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