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Der Orient · 1849-02-17 · 7 (17.2.1849) · p. Spalte 101-102

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
7 (17.2.1849)
Date
1849-02-17
Page
Spalte 101-102 (sequence 3)
Language
German
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101 102 Studien. Die Philomsche Philosophie. , wir hier zu betrachten haben. In der Philosophie PH>- lo's sehen wir diese vollkommene Durchdringung des Griechischen und Orientalischen^ diese Einheit der Philosophie der Hellenen und der Religion des Juden thumS zur vollen Gewißheitzum vollen Bewußtsein erhoben. Es'waltet in ihm kein Zweifel über die Identität dieser von sich verschiedenen Standpunkte ab, es erhebt sich kein Widerspruch seines jüdischen Bewußtseins gegen das der griechischen Philosophen, ,ba von vornherein von der völligen Einheit ausgegangen wird.' Daß aber die griechische Philosophie für unsere Alexandriner nicht mehr die Reinheit des griechischen Geistes hatte, sondern ihn als die durch/ orientalische Anschauungen gefärbte erscheinen mußte7 versteht sich von selbst, da er sie als Orientale, nicht als Hellene in sich aufnahm. — Dabei war es elj-mso unmöglich für Philo und 1)ieAle- Mndriner überhaupt, die heilige Schrift Ln dem Geiste eines in dem rein-jüdischen Bewußtsein Lebenden zu lesen und zu verstehen;, es. , mußte daher eine Erklärungsweise der einfachen Worte der Bibel entstehen,, wie sie der neugewonnene Standpunkt nothwendig machte, wenn sich nicht wirklich ein Zwiespalt mit derselben Herausstellen sollte — ein Zwiespalt, wie ihn die Darsteller des Atexandrmismus, namentlich Dähne, fälschlicher Weise in der Thal voraussctzcn. Diese Erklärungs- Weise ist dle allegorische, die dem Alexandriner als die wirkliche Enthüllung des von dem Gesetzgeber beabsichtigten Inhalts erschien und nach unserer Auffassung nochwendiger Weise erscheinen mußte. Das Bewußtsein von dieser einzig richtigen Erklärung steht bei Philo üuwcmkerrd fest, so daß er sich großen Theils auf MostS beruft und an einer Stelle^ z.B. geradezu sagt: Mm- HBcog sgxi rode doyfia xovxo, otj% £{i6v. Uns ist diese allegorische Deutung des Schristflnns allerdings eil: will-, kürliches Hincintragcn, ein künstliches und gezwungenes Hineininterpxeüren, und in diesem Sinne sagte ich auch nichts Besseres von dem Philonischen Systeme zu sagen weiß, als die Worte, in „Hamlet": Wahnsinn ist's, doch h a t' s M e t h o d e! — Seine schöne Schreibart wird allgemein gerühmt und der Blüthezeit der griechischen Sprache gleichgestellt. So sagt Gottleber (Animadversionum bistoricarum ad Ptiilonis legatiöniem ad Cajüm: Spec. I, p. 3):. Philonera esse scriptoverai elegantiae Graecae studiosissinuim, antiquitatis cum Judaicae, tum Graecae Romanaequc p*entissimuni, satis ii novunt, qui idouea Graecae linguae scientia instructi, se ad ejus leetionem ’contülerunt et quasi familiaritatem cum eo contraxerunt. Daß man in der Ausdrucksweise, wie in den Philosophemen selbst, viele Aehnlichkeit mit Plato fand, hat zu dem bekannten Ausspruche Veranlassung gegeben: rj $1' XcOV TtloLTCOVLQU) 7} ÜXCCZCOV (pllcüvl^Bt, •5\ De mundi opif. p. 9. Wir bemerken hier gleich, daß die Seitenzahlen der citirten Stelle fast immer nach der Ausgabe von Richter (Lipsiae, sumt: Schwickerti, 1828) angegeben. sind. schon früher an einem andern Ortest „das Schiefe bei Philo ist, daß er die mosaische Lehre mit diesem Philosophirew in Einklang bringen zu können glaubt...... woraus dann mit Nothwendigkeit die allegorische Erklärung der heiligen Schriften hervorging ..... So finden wir denn auch bei Philo die allerwillkürlichsten und wunderlichsten Deutungen, die er aber mit der größten Geistesschärfe durchführt." Dieses Willkürliche wurde aber von Philo nicht einmal geahnt, da für sein philosophisches Bewußtsein die heiligen Bücher kernen andern Sinn haben konnten, als den , welchen er aus ihnen herausin terpretirte.7 Wie groß aber die Verehrung war, die er Moses und seiner Lehre zollte, sehen wir an unzähligen Stellen.- So nennt er ihn „den in jeder Beziehung größten und vollkommensten Menschen" (vot Ttdvva (teyiGvov nah tsXeiotcitov) ,8 den „höchst Heiligen" (zov IsQcoxcttov)9 u. dgl. m. In den mosaischen Gesetzen findet er das schönste Bild des Weltbaues (xovg vo(A>ovg ifiwsgsGrdxT/v stnovu rrjg zov KoGfiov . Ttolirüag),10 weßhalb sie auch ewig testehen werden, wenn auch alle andere Gesetze wandelbar sind." —> Nach diesen einleitenden- Bemerkungen, gehen wir nun zu seinem Systeme selbst über. Philo spricht es als das Höchste, als den letzten Endzweck des menschlichen Lebens aus, G o t i z u erke litt en (ra zsQKava rrjg oöov yvcoölg sgxi neu emGzrjpiTi, fteov.) Quod deus sit immut. 95. Dies kann nun auf zweifache Weise geschehen,, einmal — und dies, ist die niedrige Stufe — durch Schlüsse von den Werken ans die Urheber (oüu öiu xivog ovgaviov xctl povog, otTcd xeov egyeov sinoxe loyio^im 6xo^aGd(xsvoi örjfuovgyov), dann aber auch — und erst dies ist die wahre Erkenntniß —-durchdas Schauen der Seele, wobei aber Gott selbst Mitwirken muß. Cs ist dies ein innerliches, intelligentes Anschauen, ein Sich-Versenkm 6) . In der Abhandlung: „Kurze Darstellung der Phillo- . m'schen Philosophie" in der „Sulam'tth" 1848. S. 219.- 7) So äußert sich auä) Georgii (a. a. O. U, 43):, Es ist die erste Bedingung, daß die alexandcinischen Juden in ihrer Ueberzeugung durchaus nicht angksochten werden, wonach der mystische Sinn wirklich ihnen subjektiv, als der authentische, von dem Verfasser selbst beabsichtigte Inhalt des A. T., die allegorische Erklärung, wirklich als-eine Seite für das volle Verständniß desselben nothwcnd-ige Exegese erschien. Nicht minder haben wir daran festzuhalten, daß für uns o bj ek't i v -angesehen, die Lehrsätze der Alexandriner Juden, der mystische Schristsinn nichts Anderes, als die im jüdischen Geiste aufgefaßte Theologie , Ideologie,- Anthropologie-' griechische Philosophie, die allegorische Deutung meist nichts Anderes sei, als unnatürliche, dem A. T. eine fremde Bocstellungsweise aufdrängenden Kunststücke". 8) De Vit. AI: 1, p. 115. 9) De plant: h. 161. 10) De vit. M. 11, 195. 11) ibid. p. 188. 7

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