Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 7 (17.2.1849)
- Date
- 1849-02-17
- Page
- Spalte 99-100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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99 Studien. Die Philonische Philosophie. 100 ticiömuS hcitt-r Nichts Wahrheit , weder in der Theorie noch in der Praxis; alles Objektive wurde zertrümmert von der stolz sich erhebenden Macht des Subjekts, und in Folge dessen'trat, wie Heget sagt, „die absolute Armuth an allem Inhalte ein, das vollkommene Ausleeren von allem Inhalte, der ein Festes, Wahres sein soll."'. Der Skepticismus ist die strenge Durchführung des Gedankens, daß es überhaupt nichts Festes gebe außer dem Ich, welches aber nur die negative Kraft besitzt, alles außer ihm Seiende zu zersetzen und zerstören. So ist aber dem philosophirendm Subjekte, von dem Objektiven Nichts gebLiebm als seine TMUmer und das Philosophien mußte daher,, da kein Gegenstand vorhanden war, über den in Wahrheit philosophirt werden konnte, sich Ln sich selbst auflösen. Damit aber konnten doch die herrlichen Schöpfungen, die der griechische Geist auf dem philosophischen Gebiete hervorgebracht, nicht uutergehen, wie überhaupt bei keinem Erzeugnis des denkenden Geistes ein absolutes Untergehen möglich ist. Am wenigsten ist dies bei den ellizeLucn Systemen der Philosophie der Fallkein. System, zw welcher Zeit Md unter welchem Volke es auch entstanden sein Mg, ist aus der Geschichte der Philosophie geschwunden; sti,ne Prinzipien haben mitgewirkt zu neuem geistigen Leben und dann eine passende Stelle gefunden in dem großen Gebäude, das, als Totalität der Prinzipien aller Systeme der Philosophie, Hegel's großer Geist errichtet. Die Geschichte der Philosophie hat daher nicht das bloße Aufzählen von Meinungen zum Zwecke, die hier und dort ausgesprochen worden, sondern sie ist die lebendige Kette von objektiven G edanken, die nach ihrer Entwickelung wie Ein Ring an den andern sich reihen und diese zerreißt nothwendig., wenn nur einer herausgenommen wird. „Es ist Eine Idee im Ganzen und in allen ihren Theilen, wie in einem lebendigen Jndiviuum Ein Leben, Ein Puls durch alle Glieder schlägt. Alle in ihr hervvrtretenden Thcile und die Systematisation derselben geht auS der Einen Idee hervor; alle diese Besonderheiten sind nur Spiegel und Abbilder dieser Einen Lebendigkeit; sie holen ihre Wirklichkeit nur in dieser Einheit und ihre Unterschiede, ihre verschiedenen Bestimmungen zusammen, sind selbst um der Ausdruck und die in der Idee cnthaltenen Form." Wenn nun auch jedes einzelne System für sich nicht im Stande war, das Problem der Philosophie zu lösen, so wurde doch ihr Prinzip mit ausgenommen in den großen Organismus des Ganzen, in dem es seine Stelle einnchmen mußte, um nicht das 2) Dieser Skepticiswus ist so wesentlich verschieden von dem modernen, derweil er an dem Wissen, dem Erkennen der Wahrheit durch sich selbst verzweifelt, dem Glauben sich in die Arme wirft. 3) Hegel, Gesch. d. Phil. 1, S. 41. organische Leben zu stören. ~ So haben wir die Geschichte der Philosophie aufzufaffen und. von diesem Standpunkte aus ist das Erhaltenwerden der phitosophi- . schen Systeme nicht etwas Zufälliges, sondern Nothwendiges. — Nach dieser kleinen, wie wir glauben, nicht unnützen Abschweifung kommen wir zu unsrem Gegenstände zurück. Die Kette der Entwickelung der Philosophie wurde zwar unter den Griechen selbst abgebrochen, aber die Philosophie bahnte sich, auf einem andern Boden den Weg und was in dem Heimathlande nicht mehr gedeihen kennte, entfaltete sich hier mit neuen Lebenssäften genährt, zur schönsten Blnthe. Wir meinen — Alcxa ndrien. Hier, wo namentlich seit der Herrschaft der Ptolomäer die Wissenschaft eine hohe Stufe erreicht hatte , fanden sich die Elemente griechischer und orientalischer Bildung zusammen und wie das ganze Leben in seinen verschiedensten Beziehungen eine Vereinigung, eine innige Verschmelzung des Occideutalen und Orientalen hervorbrachte, so mußte sich auch auf dem Gebiete des Geistes eine Berührung und Durchdringung erzeugen, die alles Partikulare aufhob. Es konnte nun nicht mehr von einem rein griechischen oder rein orientalischen Denken die Rede sein: Die Macht des Lebens und der Wissenschaft machte jeden Partikularismus unmöglich, die Gegensätze kämm zur vollen Einheit und unbewußt lebte jeder Alexandriner in dieser Einheit. — Bei dieser Umgestaltung des ganzen inner» Lebens, bei dieser durch den Geist der Zeit hervorgebrachten Ausgleichung und Vereinigung der Gegensätze der griechischen und orientalischen Weltanschauung mußte sich auch noth-. wendig eine neue Philosophie erzeugen, als die höchste Vlüthe, als Das geistige Wesen des ganzen vorhandenen Zustandes, . als das Wissen des der ganzen Bewegung der Zeit zum Grunde liegenden Substanziellen. Dies ist — die al ex a n d r i n i s ch e Philosophie, deren vorzüglichsten Repräsentanten , Philo, 4 4) Unser Alexandriner — bekanntlich ein Zeitgenosse Jesu —- stand von jeher in großem Ansehen. Mit einem tiefen religiösen, und sittlichen Gefühle verband er einen mit vielseitiger Bildung bereicherten Geist. Josephus [Antiq. XVIii c, 8, §. i, ed. Haverk.) sagt von ihm : &LXcöv avrjg ta ravtet sxdogog .... %ai cpiloöocpLttg ov% änsLyog. Dalckenaer (diatribe de Aristobulo, Judaeo, philos. peripat., Alexandrino, p. 18) „Phiio Alexandrinus, specimen iliud Judaei Graece perdocti, rerumqüe veteruni valdc periti, viri praeterea boni, prudeiitis, laboiiosi. R i chter (in der Vorrede zu seiner Ausgabe der'Werke Philo's, p. VU) empfiehlt das Studium seiner Schriften, indem er sagt: in hu jus philosophi judaei iibris haud pauca continentur, quae ad pietatis sensum, virtutis anioreni et philosophiae rationahs Studium excitandum et alenidum magnopere conferant.“ Sonderbar sticht dagegen das Urtheil Gfrörer'ö ab, der, obwohl er der Beschäftigung mit' der Philosophie Philo's so viel Zeit widmet, um ein dickes Buch darüber zu schreiben, in der Vorrede zu demselben doch