Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-02-17 · 7 (17.2.1849) · p. Spalte 97-98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
7 (17.2.1849)
Date
1849-02-17
Page
Spalte 97-98 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9893961--5791-3534817
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lrteraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Atcmtur. MV. Leipzig, den 17. Februar 184N. Inhalt. Studier». Die Philonische^ Philosophie. Vorn Dr. M. Wolfs. — Nachmail Krochmal, eine Lebensskizze. (Schluß.) — Kritiken. Fassel's Tugend- und Nechlslehre. Angezeigt von Dr. M. Dusch ak. (Forts.) — Literarische Analekten. Chefez b. Iazliach. Von Dr. Fürst. — Kulturgeschichtliche Parallelen. .Von DuLes. — Ankündigungen. Die Philonische Philosophie/ in ihren Hauptinomenten dargestellt von Dr. M. Wolff. Die griechische Philosophie erreichte ihr Ende in dem'Skepticism us. Dieser, der Zunächst nur der 1) Der Alexandrknismus ist, wie in seinen einzelnen Lehren, so auch in seiner ganzen Erscheinung oft mißverstanden worden. Bald fand man' den Grund in äußern Umständen und Zufälligkeiten, bald sah man in ihm jenen schlechten Ekklekticismus und Synkretismus, der darin besteht, sich aus verschiedenen philosophischen Systemen Ideen herauszuholen und sie unvermittelt neben einander zu stellen, oder man hielt was jedenfalls einen hohern Standpunkt verräth — an der.zuerst von Mosheim aufgestellten Hypothese fest, daß in Philo, im N. T., in den Kirchenvätern, Neuplatonikern, Gnostikern und der Kabbala eine „Orientalische oder Gnostische Philosophie" in ihren deutlichsten Spuren vorhanden;fet. (Wergl. hierüber Brücker lli8t. pllN. II, 639; VI, 406; Buhle, Lehrb. d. Gesch. d. Phil. IV, 180 und Georgii 's Abhandl. „die neuesten Auffassungen der Alexandr. Religionsphil. in: Jllgen's Zeitschr. f. hist. Theos. 1839, S. 25 ff.) In echt philosophischem Geiste faßt erst Baur (in seiner vortrefflichen Rerension des Dähne'schen Werkes: „Historische Darstellung d-er Alexandr. Religionsphilosophie" in -en „Jahrbüchern für rviffenschastl. Kritik" 1835, S. 746 ff.) den Alexandrinismus auf. Er erkennt in ihm die Erscheinung des die Schranken historischen Iudenthums überschreitenden und Judenthum und Heidenthnm als Momente feiner Entwickelung sich unterordnenden Geistes. Er geht dabei von dem Begriffener Religionsphilosophie aus, indem er sagt: „jede Religion ist ihrem Inhalte nach positiv und historisch und beruht auf einer Tradition, bei welcher der Einseitigkeit der Stoiker und Epikuräer sich gegmüberstellt, geht dann zur Negation alles wahrhaften Phitosophirenö fort, Indem alle bestimmten Prinzipien, sie seien welcher Art sie wollen, negut werden. Nach dem Skep- Geist sich für das aus göttlicher Offenbarung Gegebene nur empfangend verhält. Früher oder später muß in jeder Religion mit der fortschreitenden Entwickelung und Bildung eine Epoche emtreten, in welcher der zu seinem wahren Selbstbewußtsein erwachende Geist sich über die Tradition und sich auf dem Wege der Spekulation über den Inhalt der Tradition Rechenschaft zu geben sucht." Georgii, das Philosophische dieser Auffassung nach Gebühr würdigend, findetjedoch in der Anwendung „eines dem Zeitalter des Philo gewiß fremdartigen Begriffes von Religionsphilosophie" „eine Einseitigkeit des philosophischen Konstruirens der Geschichte" (cu a. O. S. 17); nur von der „Idee des Weltreiches" ausgehend, die Alexander zur Aufgabe der Geschichte gemacht hatte und die durch die Vereinigung des Orients und Oecidents verwirklicht worden, stellt er als die daraus nothwendig hervorgehende Folge die Idee einer „Philosophie des Weltreiches" auf, deren Erscheinung eben die alexandrinische Religionsphilosophie sei. „Die Philosophie des Weltreiches, sagt er, war nichts anderes, als den Egoismus des abstrakten Weltgeistes zu bewältigen, durch Verschmelzung der großen Gegensätze des orientalischen und griechischen Weltbewußtseins, -er Philosophie der Griechen, den Religionsformen des Orients ihre partikularistische Form abzustreifen und in dem Reiche des Gustes den Begriff der Einheit, die Idee des Weltreiches zu gleicher Sicherheit und Realität durchzuführen, wie auf dem Gebiete des äußern Lebens" (aa. O. S. 32 ff). Wir nun theilen, ohne uns an den Namen einer Philosophie des Weltgejstes zu halten, die Auffassung der Sache selbst, wie aus dein Obigen zu sehen ist und halten zugleich dafür, daß aus dieser Auffassung die Baur'ö von selbst hervorgehe, da diese Verschmelzung, des jüdischen und griechischen Geistes, nothwendig die Schranken des historischen Judenthums durchbrechen und der Geist sich über die Tradition stellen mußte. 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.